Flughafen Goma: Bahn frei für sicheren Flugverkehr
Welthungerhilfe startet ungewöhnliches Projekt
Bildergalerie: Flughafen, Lava, Festlichkeiten, Beginn der Arbeit (April 2009)

Ein Soldat steht vor einer Transportmaschine,
im Vordergrund Reste von Lava, die den
Flugverkehr behindert. © StedtlerBis zu sechs Meter hoch bedeckt die erhärtete Lava Teilstücke der Landebahn: an der Oberfläche ist sie schroff und porös, mit zunehmender Tiefe hart und felsartig. Der Blick auf die graubraunen Gesteinsmassen ist imposant, erst recht aus der Vogelperspektive. Doch zugleich stellt sie eine gefährliche Naturbarriere dar, die schon vielen Menschen das Leben gekostet hat.
Hier, auf dem "International Airport" in der kongolesischen Provinz Nord-Kivu, hat die Welthungerhilfe ein neues Projekt begonnen: Den Wiederaufbau des Flughafens. Konkret geht es um die Landebahn, die zu rund einem Drittel von Lava verschüttet ist.
"Viele schlimme Unfälle"
Und das hat Konsequenzen: Größere Flugzeuge können nicht mehr landen, wichtige Güter und Hilfstransporte bleiben somit aus. Die Flugzeuge, die noch starten und landen können, müssen viel riskieren aufgrund der verkürzten Landebahn. Und die Bevölkerung von Goma leidet unter Beidem. Schuld an der Misere ist der "Nyirangogo", ein gewaltiger Vulkan, der 2002 das letzte Mal mit enormer Gewalt ausgebrochen war.
"Es gab immer wieder schlimme Unfälle hier", weiß Georg Dörken, der Programm-Manager der Welthungerhilfe für den Kongo. "Erst im März 2008 rollte eine Maschine über die Bahn hinaus – mitten ins Wohngebiet. Es gab fast 50 Tote." Das war beim Start – beim Landen ist erst Anfang des Jahres ein Flugzeug in der Lava zerschellt.

Der Abbau des Lavafeldes
hat begonnen. © Stedtler 40.000 LWK-Ladungen voll Lava
Rund 300.000 Kubikmeter liegen davon auf dem Gelände herum. Das entspricht mehr als 40.000 Ladungen eines durchschnittlichen LKWs. Die müssen weg. Eine Großbaustelle entsteht, eine logistische Meisterleistung mitten im Krisengebiet - drei Jahre wird es dauern. "Wir haben hier in der Provinz schon viele Straßenkilometer gebaut, deshalb haben wir sowohl die Erfahrung, die Experten als auch die Maschinen für so ein Vorhaben", sagt Georg Dörken.
Und blickt besorgt nach oben: Wird das Wetter halten? Ausgerechnet heute, wo sich hoher Besuch angekündigt hat. Spatenstich für das Projekt, oder besser: "Baggerstich". Viele kongolesische Politiker und Würdenträger sind der Einladung gefolgt. Der deutsche Botschafter ist aus der Hauptstadt ebenso angereist wie der Chef der UN-Mission.

(v.l.) Wolfgang Niedecken
mit Georg Dörken von der
Welthungerhilfe. © StedtlerBesuch aus Deutschland: BAP-Sänger Wolfgang Niedecken
Bildergalerie: Wolfgang Niedecken besucht den Flughafen von Goma (April 2009)
Ungewöhnlicher Besuch ist aus Deutschland eingetroffen: Wolfgang Niedecken, Frontmann der Kölner Gruppe BAP ist seit vielen Jahren sehr engagiert für die Menschen in Afrika rund um die großen Seen. Niedecken kennt die Region, ihre Menschen und Probleme – auch von einer gemeinsamen Reise mit dem Bundespräsidenten in das benachbarte Ruanda. Vor Ort, auf dem Flughafen, wird dem Sänger klar: "Das hier ist schon etwas ganz anderes als ein Flughafen bei uns! Das Ding ist mittendrin – verglichen mit Köln: Die Landebahn wäre auf dem Neumarkt!"

Wolfgang Niedecken
berichtet aus dem Kongo.Niedecken gefällt ein Ansatz gut, den die Welthungerhilfe auch in vielen anderen Projekten realisiert: "Cash for Work". Weil die Arbeitslosigkeit in Goma so hoch ist – Schätzungen gehen von 80 Prozent, aus – werden viele Menschen zumindest für einige Monate auf der Baustelle Arbeit finden und somit etwas verdienen können.
Der Wiederaufbau wird rund 15 Millionen Euro kosten – die Mittel stammen vom Auswärtigen Amt in Berlin, das die Welthungerhilfe mit der Durchführung beauftragt hat. Ein wichtiger Beitrag zur Friedenssicherung in dieser Unruheprovinz: Auch die Blauhelme der UM-Mission Monuc warten schon sehnsüchtig auf die neue Landebahn, damit sie ihren Beitrag zum Wiederaufbau künftig noch besser leisten können.
Welthungerhilfe im Kongo
Die Welthungerhilfe ist seit 1997 im Ost-Kongo tätig. Mit einem Projektvolumen von knapp 78 Millionen Euro erreicht sie mehr als sieben Millionen Menschen. Die Hilfsorganisation baut Schulen und Gesundheitszentren wieder auf. Die heimkehrenden Flüchtlinge erhalten Saatgut, landwirtschaftliche Geräte und Anbauberatung, um die Zeit bis zur ersten Ernte zu überbrücken.
Hilfsprojekt im Kongo: Verbesserung der Infrastruktur durch Straßenbau
Erfahren Sie mehr über die Demokratische Republik Kongo (in Abständen aktualisiert)
Bildergalerien
Bildergalerie: Flughafen, Lava, Festlichkeiten, Beginn der Arbeit (April 2009)
Bildergalerie: Wolfgang Niedecken besucht den Flughafen von Goma (April 2009)
Weitere Informationen
Welthungerhilfe baut Flughafen im Kongo wieder auf (April 2009)
Bündnis "Entwicklung hilft" bittet um Spenden für die Flüchtlinge im Kongo (November 2008)
Kämpfe, Hinrichtungen und eine unbestimmte Anzahl an Flüchtlingen (November 2008)
