Das Konzept des Welthunger-Index 2010

Noch immer ist das Millenniumsziel der Halbierung des weltweiten Hungers in weiter Ferne.
Noch immer ist das Millenniumsziel der
Halbierung des weltweiten Hungers in weiter
Ferne.
Die Welt nähert sich dem Jahr 2015 und damit dem Ablauf der Frist zum Erreichen der Millenniumsentwicklungsziele (MDGs). Eines der Ziele strebt die Halbierung des Anteils hungernder Menschen an. Der Welthunger-Index (WHI) bietet hierzu eine nützliche und mehrdimensionale Momentaufnahme der weltweiten Hungersituation.

Der WHI ist ein vom Internationalen Forschungsinstitut für Agrar- und Ernährungspolitik (IFPRI) entwickeltes Instrument. Er gibt Auskunft darüber, in welchen Regionen die Menschen am stärksten von Hunger betroffen sind. 

Der WHI basiert auf drei relevanten Indikatoren:

1. dem Anteil der Unterernährten an der Bevölkerung in Prozent (Indikator für den Anteil der Menschen, die ihren Kalorienbedarf nicht decken können),

2. dem Anteil der Kinder unter fünf Jahren mit Untergewicht (Indikator für den Anteil der Kinder, die für ihr Alter zu wenig wiegen),

3. der Sterblichkeitsrate von Kindern unter fünf Jahren (Indikator, der zum Teil das fatale Zusammenwirken von mangelnder Nährstoffversorgung und einem ungesunden Umfeld widerspiegelt).

 

WHI - ein mehrdimensionaler Ansatz

Der diesjährige Index berücksichtigt Daten aus den Jahren 2003 bis 2008 und damit die aktuellsten, weltweit verfügbaren Messwerte zu den drei WHI-Komponenten. Die jüngsten Änderungen der Hungersituation können damit jedoch nicht wiedergegeben werden. Für einige Länder, in denen mäßiger bis ernster Hunger herrscht wie in Afghanistan, Irak, Papua-Neuguinea und Somalia, stehen nicht genügend Daten zur Berechnung des WHI zur Verfügung.

Was ist neu am WHI 2010? Seit dem WHI-Bericht 2009 wurde die Komponente zur Kindersterblichkeit des WHI von 1990 überarbeitet, um die aktuellsten Informationen des Kinderhilfswerks der Vereinten Nationen UNICEF einzubeziehen. Zudem wurden überarbeitete Daten der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) zur Kalorienverfügbarkeit verwendet, um die Schätzungen zum Untergewicht von Kindern zu erstellen.

Der mehrdimensionale Ansatz zur Berechnung des WHI bietet mehrere Vorteile:

  • Er erfasst unterschiedliche Aspekte des Hungers in einer Indexzahl. Das verschafft einen schnellen Überblick über ein komplexes Problem.
  • Er berücksichtigt sowohl die Versorgungslage der Bevölkerung insgesamt als auch die Ernährungslage der Kinder. Mangelernährung erhöht bei Kindern das Krankheits- und Todesrisiko. Zudem gefährdet es die körperliche und geistige Entwicklung.
  • Durch die Kombination der unabhängig voneinander gemessenen Indikatoren kann der Einfluss zufallsbedingte Messfehler verringert werden.

 

Werte, die die Not in Zahlen fassen

Der Index bewegt sich zwischen dem besten Wert 0 (kein Hunger) und dem schlechtesten Wert 100, wobei keiner dieser Extremwerte tatsächlich erreicht wird.

  • Weniger als 5,0 bedeutet: wenig Hunger
  • Zwischen 5,0 und 9,9: mäßiger Hunger
  • Zwischen 10,0 und 19,9: ernste Hungersituation
  • Zwischen 20,0 und 29,9: sehr ernste Hungersituation
  • Über 30,0: gravierendes Hungerniveau
Letzte Änderung an dieser Seite: 11.10.2010
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