Der Kreislauf von Armut und Krieg

© HahnHunger, Armut und Konflikte stehen in einem engen Zusammenhang: Missernten und Hunger lösen seit jeher Kriege, Aufstände und Revolutionen aus. Etwa in England im 19. Jahrhundert oder in der Sowjetunion zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Auch im alten Griechenland fanden aufgrund von knappen Nahrungsmittelressourcen immer wieder gewaltsame Auseinandersetzungen um fruchtbares Ackerland statt.
Das bestätigen auch die jüngsten Ereignisse in den Entwicklungsländern: In Haiti beispielsweise stürzte die Regierung im Frühjahr 2008. Grund dafür waren anhaltende gewalttätige Proteste gegen die steigenden Reispreise. Tausende Demonstranten errichteten Straßenbarrikaden, zerschlugen Fensterscheiben und zündeten Autos und Geschäfte an. Auch auf den Philippinen, in Bangladesch, Indonesien und einigen afrikanischen Staaten, wie Burkina Faso und Ägypten kam es aufgrund der weltweit steigenden Nahrungsmittelpreise zu Protesten. Obwohl sie teilweise gewaltsam niedergeschlagen wurden, bedrohten sie die Stabilität der dortigen Regierungen. Im Jahr 2011 führten erneute Preissteigerungen bei Lebensmitteln zu Protesten unter anderem in Kenia und Uganda.

Proteste in Haitis Hauptstadt
Port-au-Prince. © ReutersHunger führt zu Bürgerkriegen
Den Zusammenhang zwischen Hunger und Krieg verdeutlicht zudem ein Bericht der Weltbank (siehe dazu go.worldbank.org/6BH1RL0GH0): Wenn das Wirtschaftswachstum eines Landes um fünf Prozent sinkt, steigt die Wahrscheinlichkeit eines Konfliktes um 50 Prozent. Bei einer Verdoppelung des Bruttosozialprodukts von 250 auf 500 US-Dollar hingegen halbiert sich die Wahrscheinlichkeit eines Konflikts in den nächsten fünf Jahren. Zusammengefasst: Wo Menschen hungern, von Naturkatastrophen bedroht sind und über keine Gesundheitsversorgung verfügen, da ist auch die Gefahr eines Bürgerkriegs am größten. Angesichts der steigenden Nahrungsmittelpreise ist absehbar, dass die Hungerrevolten in Zukunft nicht nur zahlreicher werden, sondern auch immer intensiver, schmerzhafter und dramatischer.

Lehmkekse waren in Haiti im
Frühjahr 2008 zeitweise das
einzige Nahrungsmittel der
Armen. © WHHBürgerkriege verschlimmern den Hunger
Gleichzeitig verschärfen Bürgerkriege aber auch Armut und Hunger. Die Ernährungslage während und nach einem Krieg ist meist katastrophal. Produktionsausfälle sind hoch, denn im Krieg wurden Felder und Straßen zerstört oder vermint und Vieh getötet. Es gibt keinen Dünger mehr und landwirtschaftliche Geräte sind demoliert oder verschwunden. Der lokale und regionale Handel kommt zum Erliegen. Es fehlt an Arbeitskräften, weil besonders junge Männer für den Krieg rekrutiert werden oder sich verstecken müssen. Durch Flucht und Vertreibung verlieren viele Menschen die Möglichkeit, auf ihren Feldern zu arbeiten und damit die Chance, sich selbst zu versorgen.
Laut Welthungerindex von 2006 haben fast alle Länder, die sich im Bürgerkrieg befinden, ein geringes Bruttonationaleinkommen (BNE) pro Kopf und liegen somit auf den hintersten Rängen im Index. Auch nach der Beendigung von bewaffneten Konflikten haben Krisenländer einen sehr viel schlechteren Welthunger-Index in Relation zu ihrem BNE als Länder ohne Konflikte. Nach dem Ende eines Bürgerkrieges liegt das Einkommen der Menschen durchschnittlich um 15 Prozent niedriger als in Ländern, die sich Friedenzeiten befinden.
Kontakt
Dr. Katrin Radtke
Referentin Entwicklungspolitik und
humanitäre Hilfe
0228 / 22 88 - 112
katrin.radtke@welthungerhilfe.de
Hubertus Rüffer
Referent Sicherheitsmanagement
0228 / 22 88 - 210
hubertus.rueffer@welthungerhilfe.de
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