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Hunger und bewaffnete Konflikte

Bedeuten mehr Kriege auch mehr Hunger?

Armut, Hunger, Klimawandel, Krieg: Wir schauen auf die Wechselwirkungen von Hunger und bewaffneten Konflikten.

Im Jahr 2014 mussten mehr als dreizehn Millionen Menschen ihre Heimat verlassen. Die meisten von ihnen flohen vor bewaffneten Konflikten in Syrien, Afghanistan und Somalia. Länder mit kriegerischen Auseinandersetzungen zeigen laut Welthunger-Index 2015 in der Regel auch besonders beunruhigende Hungerwerte.    

Bewaffnete Konflikte untergraben die Ernährungssicherheit der Menschen in vielerlei Hinsicht: 

  • Flucht und Vertreibung führen dazu, dass Bauern ihre Felder nicht mehr bestellen können und häufig ihr gesamtes Hab und Gut verlieren.
  • Straßen und landwirtschaftliche Infrastruktur werden zerstört und Saatgut, Dünger und Treibstoff sind nur eingeschränkt und zu hohen Preisen verfügbar.
  • Darunter und durch die eingeschränkte Sicherheit leidet auch der Handel.
  • Da viele Nahrungsmittel nicht mehr erhältlich oder schlicht zu teuer sind, essen die Menschen weniger und meist auch einseitiger. Dies führt zu mangelnder Nährstoffversorgung, die insbesondere die Kinder trifft. Hinzu kommt auch noch, dass es häufig weder sauberes Trinkwasser noch ausreichende medizinische Versorgung gibt, was vor allem die Kinder noch weiter schwächt. 

Fast zwei Drittel aller Kinder, die an chronischer Unterernährung leiden, leben heute in Entwicklungsländern, die von bewaffneten Konflikten betroffen sind. Vor zwanzig Jahren war es noch weniger als die Hälfte. Auf nationaler Ebene werden häufig die Militärausgaben erhöht und Ressourcen aus entwicklungsrelevanten Bereichen wie der Landwirtschaft, der ländlichen und sozialen Infrastruktur abgezogen. Der Konfliktforscher Paul Collier errechnete, dass sich das Wirtschaftswachstum eines Landes mit jedem Jahr, in dem es sich in einem bewaffneten Konflikt befindet, durchschnittlich um 2,3 Prozent reduziert und es 17 Jahre dauert, bis es diesen Verlust wieder aufgeholt hat.

Hunger erhöht das Konfliktrisiko

Aber ist Ernährungsunsicherheit auch ein Auslöser für gewaltsame Konflikte? Die sogenannten "Hungerrevolten" als Reaktion auf Nahrungsmittelpreiserhöhungen im Jahr 2008 in Haiti oder die Aufstände des Arabischen Frühlings 2011 legen diesen Schluss nahe.

Doch die Realität ist komplexer und die Verknappung von Lebensmitteln ist in der Regel nur einer von mehreren Gründen, die für den Ausbruch von gewaltsamen Konflikten verantwortlich sind. Dies gilt insbesondere in Ländern, die stark von Nahrungsmittelimporten abhängen. 

Armut ist einer der Hauptfaktoren, die zu bewaffneten Konflikten führen.

Schwache staatliche Strukturen, ein stagnierendes Wirtschaftswachstum, eine hohe Jugendarbeitslosigkeit und der ungleiche Zugang zu Einkommen, Land und natürlichen Ressourcen bilden die Grundlagen für die Ausgrenzung ganzer Bevölkerungsgruppen und schaffen ein Klima der Perspektivlosigkeit, das Menschen empfänglicher für Gewaltstrategien macht. 

Im Südsudan fliehen die Menschen vor Hunger und bewaffneten Konflikten © Wells/CONCERN Worldwide
Im Südsudan fliehen die Menschen vor Hunger und bewaffneten Konflikten. © Wells/CONCERN Worldwide

Wie hängen Klimawandel und Konflikte zusammen? 

Ein viel debattierter Zusammenhang besteht auch zwischen Konflikten und den Folgen des Klimawandels. Es gibt große Überschneidungen zwischen Ländern, die besonders anfällig für klimabedingte Katastrophen sind und solchen mit wiederkehrenden bewaffneten Konflikten, so zum Beispiel die erweiterte Region um das Horn von Afrika (Äthiopien, Kenia, Somalia, Sudan und Südsudan) und die Sahelzone Westafrikas. Extreme Wetterereignisse wie Dürren und darauffolgende Nahrungsmittelknappheit können Konflikte entstehen lassen oder verschärfen. Dennoch scheint vor allem die Fähigkeit, beziehungsweise Unfähigkeit von Regierungen, die Teilhabe aller Bevölkerungsgruppen an Entwicklungsprozessen zu gewährleisten und angemessen auf humanitäre Krisen zu reagieren, ausschlaggebend.  

Wie kann der Kreislauf von Hunger und Krieg durchbrochen werden? 

  • In Afrika südlich der Sahara und im Mittleren Osten ist die Entwicklung derzeit mehr als kritisch. Es sind große Anstrengungen erforderlich, damit sich Krieg und Hunger hier nicht weiter gegenseitig verstärken. 
  • Im Falle drohender Hungersnöte muss humanitäre Hilfe denjenigen zukommen, die sie am dringendsten benötigen – unabhängig von politischen Erwägungen. 
  • Dabei dürfen langfristige Bemühungen, die lokale Nahrungsmittelproduktion zu verbessern, nicht untergraben werden.  
  • Strategien, die Menschen helfen, sich an die Auswirkungen des Klimawandels anzupassen und ihren Ernährungszustand zu verbessern, leisten auch einen Beitrag zur Konfliktprävention. 
  • Entscheidend ist aber, auch die zugrundeliegenden Ursachen von Hunger und bewaffneten Konflikten, unter anderem Armut und die sich verschärfende Ungleichheit, anzugehen und Regierungen dafür in die Verantwortung zu nehmen.
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Andrea Sonntag

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