Wo und wie wir arbeiten
Interaktive Karte: So geht's

Finden Sie unsere Projekte direkt in der Weltkarte! Per Klick auf die Symbole gelangen Sie zum Projekt. Oder suchen Sie mithilfe des Filters Projekte speziell nach Kontinent, Land oder Thema.

Kuba: Urban Farming in Havanna

Mit Regenwürmern zum Erfolg

Grüner Daumen: wie Stadtbauern in Havanna immer bessere Ernten erzielen

Zu Besuch auf der Farm von Miguel Angel Salcines Lopez am Stadtrand von Havanna. Ein Bericht über ungewöhnliche Anbaumethoden und das große Organisationstalent von Kubas städtischen Bauern.

Inmitten einer sozialistischen Wohnsiedlung am Rande Havannas reihen sich grüne Beete hintereinander. Auf der urbanen Farm wird dreimal im Jahr geerntet: Mangos, Ananas und Papayas, aber auch Gemüsesorten wie Möhren und Rote Beete, Mangold und Kohl. Insgesamt 190 Frauen und Männer arbeiten in der bäuerlichen Kooperative, dessen Vorsitzender Salcines Lopez ist.

Landwirtschaft in der Stadt - seit der Wirtschaftskrise

Angefangen hat alles 1997, mitten in der Wirtschaftskrise, die mit dem Zusammenbruch der Sowjetunion über die Insel kam. Die Versorgung mit günstigem Öl brach zusammen und damit auch die komplette kubanische Wirtschaft: Es gab kein Benzin für Erntemaschinen, keinen Dünger, keine Pestizide. Die Felder verdorrten und Viehherden starben massenweise. Heute sieht es anders aus: Der Inselstaat gehört weltweit zu den 16 Ländern, die in den vergangenen Jahren die größten Fortschritte bei der Bekämpfung von Hunger gemacht haben - durch städtische Landwirtschaft.

Viehzucht auf Kuba.
Nahrung dort produzieren, wo Bedarf besteht: Urbane Landwirtschaft und Viehzucht bieten ein gutes Einkommen. © Warkalla
Felder mit Gemüse in Havanna, Kuba.
Reiche Ernte für harte Arbeit: Was hier auf den Feldern wächst, verbessert die Ernährungslage in der Hauptstadt. © Pilar
Da Kunstdünger zu teuer ist, bauen die Kooperativen ihr Gemüse mithilfe biologischem Dünger an.
Da Kunstdünger zu teuer ist, bauen die Kooperativen ihr Gemüse mithilfe biologischem Dünger an. © Creutzmann
Die Bauern pflanzen auch Pfeffer in Havanna an; er wird gemahlen, abgepackt und zum Verkauf angeboten.
Die Bauern pflanzen auch Pfeffer in Havanna an; er wird gemahlen, abgepackt und zum Verkauf angeboten. © Creutzmann

Bauernmärkte liefern wichtiges Gemüse

Salcines startete die Kooperative mit weiteren Kubanern genau im richtigen Moment: Die zuvor verbotenen Bauernmärkte wurden Ende der 90er Jahre wieder eingeführt und die Kleinbauern am Rande und in Städten gefördert - es sollte dort produziert werden, wo Bedarf herrscht. Zwei Drittel des in Havanna verzehrten Gemüses bauen heutzutage Kooperativen wie die von Salcines an. „Der Betrieb läuft gut, aber ohne die Unterstützung durch die Welthungerhilfe, wäre es am Anfang sehr schwer gewesen. Denn das meiste, was man an Material braucht, umso eine Farm aufzubauen, ist in Kuba nicht zu bekommen“, erklärt der Bauer.

Selbst hergestellter Dünger führte zum Erfolg

Das wirkliche Geheimnis des Erfolges liegt aber an anderer Stelle. Vorbei an Gemüsefeldern, der Konservierungsanlage, den Ställen für Kleinvieh wie Kaninchen und Ziegen läuft Salcines zu einer Reihe schwarzer Trögen. Hier werden Regenwürmer gezüchtet. Der Humus, den diese produzieren, machte die Kooperative unabhängig vom importierten teuren Dünger. Mittlerweile werden hier allein 350 Tonnen Humus und Pflanzendünger im Jahr produziert. Und nicht nur hier, sondern auf ganz Kuba kommen dank geförderter Agrarschulungen nun Regenwürmer und Kompost statt Kunstdünger und Pestiziden auf die Felder.

Biodiversität gegen Schädlinge

„Wir haben außerdem auf Kuba eine sehr hohe Biodiversität“, so erklärt Salcines weiter, „wir züchten hier verschiedene Insekten, die gut gegen Schädlinge sind.“ Ebenso werden spezielle Pilze, wie die Mykorrhizapilze angepflanzt, die eine Verbindung mit den Wurzeln der Pflanzen eingehen, so dass diese mehr Nährstoffe aus dem Boden aufnehmen können.

Doch nicht nur die Anbaumethoden sind bei der Kooperative von Salcines neu, auch das Lohnsystem ist innovativ: Wer besser arbeitet, bekommt mehr Geld, wer lange in der Kooperative bleibt, bekommt Anteile, je mehr Anteile man hat, desto mehr Geld bekommt man. „Wir versuchen nur gerecht zu sein.“ Eine Einstellung, die ihm schon öfter Probleme bereitete. Aber eine, die funktioniert, wie sich zeigt.

Aktuelle Kommentare

Keine Kommentare

Ihre Meinung ist uns wichtig!

Beteiligen Sie sich an der Diskussion und schreiben Sie einen Kommentar zu diesem Artikel. Ihr Name/Nickname wird dabei veröffentlicht, Ihre E-Mail Adresse selbstverständlich nicht.

** Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass wir Ihren Kommentar erst prüfen, bevor dieser auf der Webseite erscheint. Weitere Informationen finden Sie in unserer Nettiquette.

* Pflichtfeld
Aktuelle Berichte zum Projekt
Eine eigene Fabrik

Eine eigene Fabrik

Selbstständige Unternehmer in Kuba bereichern das Land mit ihren Ideen

„Eine eigene Fabrik war immer mein Traum!“, sagt Ireno Hernandez. Der Unternehmer reinigt alte Flaschen und befüllt sie mit Säften und Marmeladen.

20 Jahre auf Kuba

20 Jahre auf Kuba

Landwirtschaft: mit unternehmerischem Denken in die Zukunft

“Vieles erinnert mich an Erzählungen meines Vaters aus der Nachkriegszeit”, so Michael Hofmann über seine Kubareise. "Doch es hat sich auch viel getan."

Urbane Landwirtschaft

Urbane Landwirtschaft

Urban Gardening: in Deutschland Trend, auf Kuba schon Tradition

Aus der Not heraus fingen in den 90ern viele Menschen in Havanna an, ihr Gemüse in Stadtgärten anzubauen. Urban Gardening ist heute ein Erfolgsmodell.

Kuba: Revolution in der Küche

Kuba: Revolution in der Küche

Havanna die kubanische Küche umkrempelt

Pizza ist begehrt auf Kuba - aber oft unerschwinglich, da Mehl teuer importiert wird. Mit frischen Ideen kreiert ein Ehepaar köstliche Alternativen.

Mit Ihrer Spende können Kleinbauern in die Zukunft starten: Zum Beispiel werden Kubaner darin geschult, ihre Ernte zu verarbeiten und zu konservieren oder Kleinvieh für ein zusätzliches Einkommen zu halten.
Video

Erfahren Sie hier, wie kubanische Unternehmen Versorgungsengpässe verhindern.

Aktuelles Thema

Landwirtschaft in Kuba
Kooperativen fördern