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Kuba: Immer mehr Unternehmer machen sich selbstständig

Eine Fabrik Marke Eigenbau

Seit die Kubaner sich selbstständig machen dürfen, blühen im Land neue Ideen auf

Eine halbe Million Kubaner sind in den letzten Jahren zu Unternehmern geworden – ein Novum im sozialistischen Staat. Neben Mut und Erfindungsgeist müssen sie auch finanzielle Verantwortung beweisen. Ihre Dienstleistungen füllen Nischen, die der Staat nicht abdecken kann. Über den Unternehmer Ireno Hernandez und seine eigene kleine Fabrik.

Motorengeräusche wummern durch den Hinterhof von Ireno Hernandez im ländlichen Pinar del Río im Westen der Insel. Stolz führt der Kubaner seine eigene Erfindung vor: „Mit diesem Gerät reinigen wir gebrauchte Flaschen, die wir aus der Wertstoffsammlung bekommen.“ In einer anderen von Ireno erfundenen Maschine, gebaut aus einem Dampfkochtopf, werden die Flaschen sterilisiert und mit selbstgemachten Lebensmitteln befüllt. So machen seine Mitarbeiter Guavenmarmelade, Mangosaft, Essig, Tomatensauce und viele andere Köstlichkeiten haltbar, um sie auf dem lokalen Markt anzubieten.

Ireno Hernandez hat seinen Traum wahrgemacht und eine eigene Fabrik gegründet.
Ireno Hernandez hat seinen Traum wahrgemacht und eine eigene Fabrik gegründet. © Feldhausen
Mitarbeiterinnen reinigen in der Fabrik Flaschen und befüllen sie später mit Guavenmarmelade, Mangosaft, Essig oder Tomatensauce.
Mitarbeiterinnen reinigen in der Fabrik Flaschen und befüllen sie später mit Guavenmarmelade, Mangosaft, Essig oder Tomatensauce. © Feldhausen

Versorgungsengpässe vermeiden

2008 wurde der Westen Kubas von einem Wirbelsturm heimgesucht, die Bewohner verloren ihre Ernten und die Versorgung mit Lebensmitteln wurde kritisch. Um solche Situationen in der Zukunft zu vermeiden, hat die Welthungerhilfe die Bewohner der Region im Haltbarmachen von Lebensmitteln ausgebildet. Eine solche Schulung hat Ireno mitgemacht – und ist seitdem nicht mehr zu stoppen. Mit Einfallsreichtum und Erfindergeist hat er aus einfachsten Mitteln seine eigene kleine Fabrik gebaut.

Seit 1996 dürfen Kubaner in bestimmten Wirtschaftsbereichen auf eigene Rechnung arbeiten. In den ersten Jahren war die Tätigkeit der cuentapropista jedoch stark reglementiert und nur wenige Lizenzen wurden vergeben. 2010 gab es dann den entscheidenden Wandel: Der kubanische Staat kündigte an, eine halbe Million staatlicher Angestellter zu entlassen, um seinen riesigen Verwaltungsapparat zu reduzieren. Im Gegenzug gab er über 200 Berufe für die Selbstständigkeit frei. Nach offiziellen Angaben sind bis Juli 471.085 Lizenzen an Selbstständige vergeben worden. 69 Prozent der Lizenzen gingen an Kubaner, die vorher keine Arbeit hatten.

Wiederaufbauprojekt lässt Traum Wirklichkeit werden

„Das war immer mein Traum: eine eigene Fabrik! Aber ohne Kredit und eigene Mittel zur Investition war das einfach nicht möglich“, sagt Ireno Hernandez. Einige einfache Gerätschaften – Messer, Töpfe, ein Versiegelungsgerät für Plastikfolie – erhielt er durch das Wiederaufbauprojekt der Welthungerhilfe. Alles andere hat er selbst entwickelt. Heute ist sein Betrieb in ganz Kuba bekannt und er gibt sein Wissen an andere Produzenten weiter.

Mit seiner Lizenz als cuentapropista konnte er vier Arbeiter einstellen und seine Produktion erhöhen. Monatlich zahlt er ihnen 20 US-Dollar – etwas mehr, als sie in einem staatlichen Job verdienen würden; außerdem können sie einen Teil der selbst produzierten Lebensmittel mitnehmen. Doch Ireno träumt schon weiter. „Wenn ich genug Lebensmittel geliefert bekäme und ein Fahrzeug hätte, könnte ich hier an einem Tag 1200 Flaschen Tomatensauce produzieren und vier Mal so viel verkaufen. Die Nachfrage ist da.“ 

Ein Bericht von Julia Feldhausen, Mitarbeiterin der Welthungerhilfe in Kuba. Den Text in voller Länge finden Sie in der Welternährung 4/2014.

Schauen Sie hier, wie kubanische Bauern Tomaten konservieren und so die Bevölkerung selbst außerhalb der Saison mit Tomatensauce versorgen. 

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