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Kuba: Biogemüse und Urban Gardening

Revolution und Biogemüse

Urban Gardening mit Erfolg

Was macht ein Stadtbewohner auf Kuba, wenn er Hunger hat und kein frisches Gemüse kaufen kann? Er baut es selbst an. Aus der Not heraus bezogen die Menschen in Havanna in den 90ern ihr Gemüse und Obst aus Stadtgärten. Ein Projekt, das seitdem stetig gewachsen ist. Wie sich die urbane Landwirtschaft in den letzten 20 Jahren entwickelte und warum von einem Bioboom auf Kuba zu sprechen ist, erfahren Sie im Bericht von Julia Feldhausen.

Havanna - Der Verkaufsstand der Finca Huerto Japonés ist gut besucht. Unter den hohen Bäumen am Straßenrand stehen die Kunden an der rostigen Metallwaage Schlange, um ihr Gemüse wiegen zu lassen. In den Regalen reihen sich dicke gelbe Kürbisse an Auberginen, Gurken, Süßkartoffeln und Kochbananen - alles aus Bioproduktion und frisch vom Feld. Was heute in Havanna und dem Rest des Landes zum Alltag gehört, war noch von 20 Jahren undenkbar.

In der Wirtschaftskrise  fingen die Bewohner Havannas an, auf jedem verfügbaren Fleckchen Erde Essbares zu produzieren.
In der Wirtschaftskrise fingen die Bewohner Havannas an, auf jedem verfügbaren Fleckchen Erde Essbares zu produzieren.
Stadtgärten in und um Havanna produzieren Biogemüse seit fast 20 Jahren.
Stadtgärten in und um Havanna produzieren Biogemüse seit fast 20 Jahren.
Gemüse auf dem Balkon, auf den Dächern Kaninchen  - die Anfangszeit der urbanen Landwirtschaft auf Kuba war unorganisiert.
Gemüse auf dem Balkon, auf den Dächern Kaninchen - die Anfangszeit der urbanen Landwirtschaft auf Kuba war unorganisiert.

1993 waren alle Lebensmittelvorräte auf Kuba aufgebracht

Anfang der 90er Jahre herrschte extreme Knappheit in Kuba. Die Lebensmittel-, Waren- und Ölimporte aus den Sowjetstaaten, von denen das Land hochgradig abhängig war, fielen mit deren Zusammenbruch schlagartig weg. Durch den Mangel an Benzin und Ersatzteilen kam die landwirtschaftliche Produktion fast völlig zum Erliegen. Die Traktoren und Erntemaschinen standen still und für die Nahrungsmittel, die noch angebaut wurden, fehlten die Transportmöglichkeiten in die Stadt. So waren 1993 die Lebensmittelvorräte fast aufgebraucht. Im März des gleichen Jahres richtete eine starke Überschwemmung noch zusätzlich schwere Schäden an. Die Versorgungslage war kritisch. Die fatalen Zustände – besonders in der Hauptstadt Havannas sorgten international für Aufsehen. Manfred Hochwald, ein Mitarbeiter der Welthungerhilfe, der sich zur der Zeit in Haiti aufhielt, reiste kurzentschlossen nach Havanna, um sich ein Bild von der Lage zu machen. Zufällig traf er auf Elio Perón, den damaligen Präsidenten der Asociación Cubana para la Producción Animal (ACPA). In ersten Gesprächen wird klar: Hier besteht Handlungsbedarf.

Von Lebensmittelhilfe zu urbaner Landwirtschaft

„Das größte Problem war natürlich die Versorgung mit Nahrungsmitteln. Wir haben zusammen die Situation analysiert, und entsprechend eine Strategie für die Anfangszeit entwickelt. Zuerst wurde ein Nothilfeprojekt durchgeführt: 50.000 Schulkinder in Havanna erhielten von 1994 bis 1996 täglich eine Schulspeisung. In diesen Jahren haben auch die Bewohner der Hauptstadt angefangen, auf jedem verfügbaren Fleckchen Erde Essbares zu produzieren. „Die Menschen haben im Patio und auf dem Balkon Gemüse gepflanzt, auf den Dächern Kaninchen gehalten und in Garagen Hühner gezüchtet“, erinnert sich Elio Perón. „So ist hier die Bewegung der urbanen Landwirtschaft entstanden. Anfangs noch völlig unorganisiert.“ Im zweiten Kubaprojekt der Welthungerhilfe wurde diese Bewegung an der Basis unterstützt. Die neuen Stadtbauern wurden mit Saatgut, Spaten, Schubkarren und Schläuchen zum Bewässern ausgerüstet.

Der Verkausfstand von Olgas Familie - Huerto Japonés im Jahr 1997.
Der Verkausfstand von Olgas Familie - Huerto Japonés im Jahr 1997.
Die Welthungerhilfe half mit Saatgut, Know How und Material: Hier ein Gewächshaus für die Setzlinge. © Creutzmann
Die Welthungerhilfe half mit Saatgut, Know How und Material: Hier ein Gewächshaus für die Setzlinge. © Creutzmann

Vom Brachland zum Stadtgarten - ein Impuls in die richtige Richtung

Olga Oye lebt mit ihrer Familie im Südwesten Havannas, im Stadtteil La Lisa. In der Zeit der schlimmsten Knappheit, begann sie mit ihrer Familie, das Stück Land hinter dem Haus zu bewirtschaften. „Das war eine sehr, sehr schwierige Zeit für uns. Wir hatten eine einzige Hacke, haben von früh bis spät das Land beackert, und nachts sind wir aufgestanden, um die Pflanzen zu wässern.“ Olgas Garten, der Huerto Japonés, ist der erste und älteste Stadtgarten, den die Welthungerhilfe unterstützt hat. 1995 wurden dort ein Brunnen und Bewässerungssystem installiert, außerdem bekam die Familie Werkzeuge, Saatgut, und – das wichtigste – Schulungen in Anbaumethoden und ökologischer Landwirtschaft. Denn wie die meisten der neuen Produzenten waren sie eigentlich keine Bauern.

„Wir hatten zwar das Land hinterm Haus, aber ohne Werkzeuge und Kenntnisse konnten wir nur einen kleinen Teil bestellen. Wenn wir gesät hatten und es dann regnete, spülte es uns die frische Saat den Hang hinunter. Die Welthungerhilfe gab uns die Materialien für ein Gewächshaus, in dem wir Setzlinge züchten können, bis sie groß genug sind, draußen zu überleben.“ Mit den Mitteln verwandelte Olgas Familie das Brachland hinter ihrem Haus in einen ertragreichen Stadtgarten mit biologisches Obst und Gemüse. Und dort, wo sie früher den ganzen Tag an der Straße standen und aus Schubkarren und Säcken ihr Gemüse verkauften, wurde ein kleiner Verkaufsstand errichtet. 

Liberalisierung und neue Möglichkeiten

Aus dem kleinen Stand ist heute ein richtiger Laden geworden. Und auch sonst hat sich einiges geändert. Zwar kommt der Salat immer noch frisch vom Feld in den Verkauf, jedoch wird nicht nur auf dem halben Hektar hinter dem Haus angebaut, sondern seit neuestem auf 13 weiteren Hektar draußen am Stadtrand. Dieses Land wurde der Familie vom Staat zur Nutzung überlassen – im Gegenzug wird ein Teil der Ernte an den Staat abgegeben. Inzwischen gibt es auch einen zentralen Großmarkt, auf dem die Bauern Produkte, die sie nicht selber produzieren, zum Weiterverkauf erwerben können. So kann man im Laden des Huerto Japonés heute auch Schweinefleisch kaufen. Olga ist zufrieden: „Die Nachfrage ist so groß, dass wir inzwischen Angestellte haben, die sich nur um den Ein- und Verkauf kümmern.“

In den letzten Jahren wurde der Agrarsektor in Kuba immer weiter liberalisiert. Die Welthungerhilfe begleitet die Bauern durch die sich ändernden Bedingungen, und hilft ihnen, die neuen Möglichkeiten zu nutzen.

Den gesamten Artikel finden Sie in der Zeitung Welternährung 2/2014.

Seit 1994 hat die Welthungerhilfe in Kuba mehr als 60 Projekte mit einem Gesamtwert von 40 Millionen Euro durchgeführt – immer in enger Zusammenarbeit mit ihren kubanischen Partnerorganisationen. Mehr über unsere aktuelle Projektarbeit auf Kuba erfahren Sie hier.

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