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Landraub und verborgener Hunger bedrohen Kambodschas Kleinbauern

Ohne Land keine Ernte, ohne Vielfalt keine gesunde Ernährung

Kleinbauern in Kambodscha haben gelernt, was eine gute Ernährung ist. Doch fremde Investoren drohen, Erfolge zunichte zu machen.

Romas Phas aus dem kambodschanischen Dorf Dal Veal Leng steht in ihrem Garten. Sie lacht - und doch sind die Sorgen um die Ernährung ihrer Familie groß.
Romas Phas aus dem Dorf Dal Veal Leng weiß, wie wichtig eine ausgewogene Ernährung für ihre Familie ist. © Bingemann

(13.10.2014) Reis bestimmte lange den Speiseplan von Romas Phas. Für viele Menschen hier im Nordosten Kambodschas gilt das bis heute. Nach außen machen die meisten einen gesunden Eindruck –  wie so oft bei verborgenem Hunger. So bemerkt niemand, dass ihnen lebenswichtige Vitamine und Mineralstoffe fehlen.

Eine ausgewogene Ernährung ist bunt und vielfältig

Heute weiß die 30-jährige Kleinbäuerin, wie sie sich und ihre vier Kinder besser versorgen kann. Denn Romas ist eine von 20 Frauen aus dem Dorf Dal Veal Leng, die an Ernährungskursen des Centre d’Etude et de Developpement Agricole Cambodgien  (CEDAC), der lokalen Partnerorganisationen der Welthungerhilfe, teilnahm. Dabei verabschiedete sie sich von Überzeugungen, die über Generationen von Mutter zur Tochter weitergegeben wurden. „Mir wurde gesagt, dass ich Bananen, Jackfrüchte, Mangos, rotschwänzige Fische und rote und gelbe Lebensmittel im Allgemeinen nicht essen sollte“, erinnert sie sich. „Heute weiß ich, dass gerade diese Lebensmittel besonders viele Nährstoffe enthalten und mir und meinen Kindern gut getan hätten.“ Seit ein paar Jahren pflanzt Romas in der Nähe ihres Hauses nun Obstbäume. Sie baut grünes Blattgemüse, Tomaten, Papayas und Süßkartoffeln an. Ihre Hühner bereichern den Speiseplan der Familie und bringen zusätzliches Einkommen, denn einige Eier können verkauft werden. 

Eine Walze sucht sich auf rotem Sand ihren Weg vorbei an Baumstümpfen. Der Wald und sein Reichtum muss weichen.
Der Wald und sein Reichtum weichen Kautschukplantagen. © Hagemeyer

Kautschukplantage statt Wildkräuter

Die Menschen im Dorf Dal Veal Leng profitieren von dem Wissen der Frauen. Und nicht nur die Ernährung der Dorfbewohner ist abwechslungsreicher geworden, auch die Hygienebedingungen verbesserten sich. Denn die Menschen haben ihre Brunnen ausgebessert und neue Latrinen gebaut. Doch Romas und die anderen Frauen machen sich Sorgen: Die Vergabe von Landrechten durch die kambodschanische Regierung kommt nur langsam voran. Ein Teil des Landes, das Romas und ihre Familie seit Jahren bewirtschafteten, wurde inzwischen von der Regierung an einen privaten Investor überschrieben. Der hat den Wald gerodet und dort eine weitere Kautschukplantage errichtet. 

Das Aufkommen von Wildtieren und wild wachsenden Nahrungspflanzen ist seitdem dramatisch zurückgegangen. Die kleinen Gärten können den Verlust zwar teilweise kompensieren, dennoch muss Romas mehr Lebensmittel hinzukaufen – vor allem Fleisch. Um das Land fruchtbar zu halten, erhält es regelmäßig Auszeiten. Das Land, das Romas geblieben ist, reicht nicht, um entstehende Ausfälle auszugleichen. Die Erfolge und Errungenschaften des Dorfes sind in Gefahr. 

Über die Geschichte von Romas und ihrem Dorf berichtet der Welthunger-Index 2014.

Die Welthungerhilfe arbeitet gemeinsam mit dem Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) in Kambodscha.

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Video zum Thema

Kein Land – kein Leben: Landraub in Kambodscha.

Reportage von Lars Bauer und Jens Berger (NachDenkSeiten)

Informationen zum Projekt

Tätigkeit in der Provinz Ratanakiri: seit 2005

Arbeitsschwerpunkte: LANN (Linking Agriculture, Natural Resource Management and Nutrition), Landrechte 

Ziel des Projekts: Die indigene Bevölkerung in 30 Dörfern erwirtschaftet ausreichend Nahrungsmittel und Einkommen, verbessert die hygienischen Bedingungen, hat Zugang zu Wasser und ist in der Lage, ihre wirtschaftlichen und sozialen Interessen zu vertreten und zu schützen. Insgesamt profitieren 1.872 Familien und 8.902 Personen.

Finanzierung: durch Mittel des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) 

Laufzeit: Beendet im April 2015