Bäuerin sucht Land - mehr Landrechte für Frauen

Frauen sind immer häufiger in der Landwirtschaft tätig. Doch Landrechte besitzen die wenigsten. © Grossmann
Frauen sind immer häufiger in der
Landwirtschaft tätig. Doch Landrechte
besitzen die wenigsten. © Grossmann
Trotz ihrer Schlüsselrolle in der landwirtschaftlichen Produktion sind Frauen nach wie vor im Zugang zu Land benachteiligt. Das gilt besonders in den Entwicklungsländern. Die Situation von armen, frauengeführten Haushalten wird in ländlichen Gebieten noch nicht ausreichend berücksichtigt.
 

Drei Fakten:

1. In einigen Entwicklungsländern werden inzwischen über 30 Prozent der ländlichen Haushalte von Frauen geführt. Unter der armen Bevölkerung ist der Anteil der frauengeführten Haushalte besonders hoch.

2. In den ländlichen Gebieten der Entwicklungsländer sind es in erster Linie Frauen, die als (Subsistenz-) Bäuerinnen, angestellte Landarbeiterinnen oder in der Landwirtschaft tätig sind, Tendenz steigend. Hier spricht man aufgrund der Entwicklung der Geschlechterverhältnisse bereits von einer "Feminisierung der Landwirtschaft".

3. Frauen besitzen in den Entwicklungsländern nur zehn Prozent der Anbaufläche und weniger als zwei Prozent der Bodenrechte. Dabei ist ihr Beitrag zur Nahrungsmittelproduktion und Ernährungssicherung der Haushalte erheblich.

 

 

Eine kambodschanische Landwirtin bei ihrer Feldarbeit. © Grossmann
Eine kambodschanische
Landwirtin bei ihrer
Feldarbeit. © Grossmann
Das alles ist in Anbetracht folgender Zustände dramatisch:

Etwa Zweidrittel aller hungernden Menschen weltweit leben in ländlichen Gebieten – paradoxerweise dort, wo Nahrung produziert wird. Doch ihre Ressourcen reichen nicht aus, um ihre Lebensgrundlage zu sichern, Gesundheitsdienstleistungen in Anspruch zu nehmen oder die Kinder in die Schule zu schicken. Etwa 85 Prozent der landwirtschaftlichen Familienbetriebe in Entwicklungsländern verfügen über weniger als zwei Hektar Land. Nur etwa 10 – 20 Prozent von ihnen haben einen legalen Besitztitel für das Land, auf dem sie traditionell leben und das sie seit Generationen für ihren Lebensunterhalt bearbeiten.

Beides, der mangelnde Zugang zu Land und die ungesicherten Besitztitel, findet sich vornehmlich in den Gesellschaften wieder, in denen 70 Prozent oder mehr Menschen auf Einkommen aus der Landwirtschaft angewiesen ist - also in den Entwicklungsländern. Ohne Landrechte haben Frauen häufig keinen Zugang zu Krediten, um notwendige Investitionen wie den Kauf von Saatgut und Betriebsmitteln zu tätigen. Denn es fehlt an Sicherheit für die Kreditvergabe. Die "Feminisierung der Landwirtschaft" mündet so in eine "Feminisierung der Armut".

 

Frauen in Indien bei der Reisernte. © Böthling
Frauen in Indien bei der
Reisernte. © Böthling
Landreformen können Frauenarmut verhindern

Hier sind Landreformen, die die Eigentumsrechte von bäuerlichen Familienbetrieben stärken und die den Zugang zu Land für Landlose und marginalisierte Landbewohner verbessern elementar für eine wirkungsvolle Hungerbekämpfung. Zugleich müssen Landreformen insbesondere die Situation von Frauen berücksichtigen.

In internationalen Konventionen ist der gleichberechtigte Zugang von Frauen und Männern zu Land und anderen Ressourcen zwar festgeschrieben. Doch die Wirklichkeit sieht oft anders aus: Vielerorts überlagern traditionelle Praktiken oder "Gewohnheitsrechte" die offizielle Gesetzgebung. Insbesondere unverheiratete, geschiedene oder verwitwete Frauen haben in patriarchal geprägten Gesellschaften eine schwache soziale Stellung und sind damit in ihrem Landbesitz gefährdet.
 

 

Positives Beispiel

Einige lateinamerikanische Staaten zeigen, dass durch Veränderung der gesetzlichen Regelungen - zum Teil auch durch eine Änderung der Verfassung - Verbesserungen erreicht werden können. Früher war es nur möglich, Land im Namen einer Person zu registrieren. Nun ist es in lateinamerikanischen Ländern zum Teil verpflichtend geworden, Landtitel – unabhängig vom Familienstand – auf beide Familienvorstände einzutragen. Dies hat dazu geführt, dass wesentliche mehr Frauen Besitztitel erlangt haben.  

 

Freiwillige Leitlinien für gerechten Zugang zu Land

Es ist zu begrüßen, dass die Bundesregierung den von der FAO initiierten Prozess zur Entwicklung von freiwilligen Leitlinien für gute Regierungsführung beim Zugang zu Land unterstützt (Voluntary guidelines on responsible governance of tenure of land and other natural resources). Diese Leitlinien sollen Regierungen, Zivilgesellschaft und dem Privatsektor dabei helfen, verantwortliche Landpolitiken umzusetzen, die sich am Ziel einer nachhaltigen Armutsbekämpfung orientiert sind.

Und diese Impulse sind wichtig. Denn durch die Nahrungsmittelpreiskrise 2007/2008 und die staatlichen Förderprogramme für Agro-Treibstoffe hat ein neuer Wettlauf um Ackerland begonnen, der die Landkonzentration in vielen Ländern des Südens weiter beschleunigt.

Letzte Änderung an dieser Seite: 08.03.2010
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