In Khaysone wächst die Hoffnung
Laos: Bisher reicht der Reis für die Menschen im Bergdorf nur wenige Monate - doch bald soll niemand mehr hungern müssen.
Christiane Zander ist freie Journalistin in Hamburg.

Für viele Bauern in Laos herrscht nach der Regenzeit Hunger und Entbehrung, denn die Reisernte vom Oktober reicht in den meisten Familien höchstens für einige Monate. Nong liegt im Bergland der Provinz Savannakhet im südlichen Laos. Seine Dörfer gehören zur ärmsten Region in einem der ärmsten Länder der Erde.
Im Dorf Khaysone im Nong-Distrikt steht die junge Mutter Aleang steht als Erste auf. Sie erhitzt das Wasser für die tägliche Reisration. Die spärliche Tagesration muss vier Kinder und drei Erwachsene den ganzen Tag satt machen. Reis ist das Hauptnahrungsmittel im Dorf Khaysone, doch Reis ist schon lange knapp.
Kaum genug, um satt zu werden
Gerade die Bergvölker leiden in Laos oft große Not. Sie leben weltabgewandt, und nur mühevoll lassen sich die Hänge bearbeiten. Die kleinen ethnischen Gruppen sind Minderheiten im eigenen Land. Nur wer das große Glück hat, ein paar Jahre zur Schule zu gehen, spricht neben seiner Stammessprache auch die Landessprache Laotisch. Aleang und ihr Mann Talong waren sich deshalb von Anfang an einig: Jedes ihrer Kinder soll die Schule besuchen.
Adeu, der älteste Sohn, geht schon in die vierte Klasse. Er ist zehn Jahre alt, liebt Mathematik und Malen und will Lehrer werden. Doch Adeu hat jeden Tag vor dem Unterricht noch zu tun, denn in den Bauernfamilien trägt jedes Kind so gut es geht zum Sattwerden bei. Adeu ist der Fischer in seiner Familie. Mit dem Boot, das der Dorfgemeinschaft gehört, holt der Zehnjährige an diesem Tag drei winzige Fische aus dem Netz. Trotz der mageren Ausbeute ist er zufrieden, denn die drei Fische reichen, um Fischpaste herzustellen.
Bergreis wirft wenig ab
Adeus Eltern machen sich mit Körben, Hacke und Sichel auf den zweieinhalbstündigen Fußweg zum Feld. Bergreis macht viel Arbeit. Denn schon bald nach der Aussaat sprießt auch das Unkraut, und wer nicht ständig jätet, büßt die Hälfte der Ernte ein. Nassreis dagegen ist mindestens doppelt so ertragreich wie Bergreis, und in den überfluteten Feldern gedeiht unerwünschtes Kraut eher selten. Nassreisfelder gehören deshalb zum Programm der Welthungerhilfe in Khaysone. Schon bald sollen die ertragreicheren Reissorten angebaut werden.
Doch zuerst müssen die Experten von Handicap International das Land von versteckten Minen befreien. Die Hilfsorganisation hat T-Shirts im Dorf verteilt. Unter dem Aufdruck "Bei Berühren Lebensgefahr" sieht man kleine Bomben. So sollen die Menschen gewarnt werden, denn viele sammeln die Blindgänger auf, weil Altmetall Geld bringt. Es sind amerikanische Blindgänger aus dem Vietnamkrieg, die noch vier Jahrzehnte später explodieren.
Immer weniger Land für den Reisanbau...
Das Dorf Khaysone wird heute von ausgedehnten Kautschukplantagen gesäumt. Vietnamesische Firmen haben sie 2009 angelegt. Die große Eukalyptusplantage des schwedischen Papierkonzerns Stora Enso ist schon zwei Jahre älter. "Es gibt hier immer weniger Land, um Reis anzubauen", klagt Bauer Talong. "Uns gehört gerade mal ein halber Hektar." Zu wenig, um die ganze Familie bis zur nächsten Ernte zu versorgen: Der Vorratsspeicher am Dorfrand ist nach einem halben Jahr leer."
Zusatzverdienst im Kautschuk
Talong und die meisten anderen Bauern in Khaysone sind deshalb auf Reishändler aus der Stadt angewiesen – und abhängig von ihren Preisen. "270 000 Kip [circa 24,20 Euro, Anm. der Redaktion] muss ich in diesem Jahr für einen 30-Kilo- Sack bezahlen", sagt Talong. Auch das Benzin ist teurer geworden, und die Wege sind weit – die Provinzhauptstadt Savannakhet liegt 270 Kilometer entfernt. Talongs Verdienst als Arbeiter auf der vietnamesischen Kautschukplantage sind 25 000 Kip am Tag, etwa 2,15 Euro.
Erst am Nachmittag kehren Adeus Eltern zurück, in den Körben haben sie etwas Gemüse, Kräuter und ein paar wilde Mangos aus dem Wald. Am Tagesende setzt Aleang wieder den Wassertopf aufs Feuer. Das letzte Licht des Tages reicht für das Abendessen in der Hütte. Einfache Solarsysteme zur Stromgewinnung können sich nur wenige Familien leisten. Aleang verteilt die Reste des Klebreises. Wie viele Mütter in Khaysone hofft Aleang, dass ihre Familie durch die Zusammenarbeit mit der Welthungerhilfe schon im nächsten Jahr mehr zu essen haben wird.
Welthunger-Index 2011





