Madagaskar: Wo der Pfeffer wächst
Tropische und politische Stürme erschweren den Aufbau
Von Jutta Lohkamp

Ein von der Welthungerhilfe finanzierter
Bewässerungskanal für die angrenzenden
Reisfelder. © WHH/Lohkamp
Madagaskar ist ein armes Agrarland. Rund 80 Prozent der Bevölkerung lebt und arbeitet als Bauern auf dem Land und produziert hauptsächlich für den Eigenbedarf. Trotz der relativ hohen Bodenfruchtbarkeit und guten Anbaubedingungen für Gemüse und Früchte leiden die Menschen an Mangel- bis Unterernährung, bedingt durch eine kulturell bedingte, einseitige Ernährung. Reis ist das Hauptnahrungsprodukt der fast 17 Millionen Madagassen. In südlicher Richtung erstrecken sich riesige Reisfelder, die von Bauern mühsam Meter um Meter durch den bewässerten Boden gepflügt werden.

Leben von dem, was man
besitzt. © LohkampWohlstand hat wenig Wert
Das Streben nach materiellem Wohlstand hat in der madagassischen Gesellschaft keine allzu große Bedeutung. Dieses zeigt sich auch an der desolaten Wirtschaftssituation im Vergleich zu ihrem Potenzial. Ein Beispiel: Madagaskar ist reich an mannigfaltigen Bodenschätzen wie Erzen, Quarzen, Edelsteinen oder Gold. Ehrgeizige Planungen zu einer großflächigen Gewinnung stehen jedoch noch am Anfang.

Schulkinder in Anosikely.
© LohkampSchleichende Verarmung
Das Bruttosozialprodukt der viertgrößten Insel der Erde ist während der letzten 30 Jahre jährlich durchschnittlich um 0.5 Prozent gewachsen. Bei einem Bevölkerungswachstum von rund drei Prozent bedeutet dies jedoch eine kontinuierliche Verschlechterung der Lebensbedingungen. Mehr als 70 Prozent der Bevölkerung lebt in Armut, 60 Prozent der Gesamtbevölkerung fällt unter die Kategorie der "extremen Armut". Eine hohe Inflationsrate, fehlende und mangelhafte Infrastrukturen sowie verbreiteter Analphabetismus (Männer: ca. 26 %, Frauen: ca. 40 %) blockieren bis dato die Bemühungen der Regierung für eine Verbesserung der Situation.

Es war einmal ein Urwald...
© Lohkamp
Für immer zerstört
Ein weiteres, großes Problem ist die fortschreitende Umweltzerstörung der ehemaligen französischen Kolonie. Nur noch ein Fünftel des früher fast völlig bewaldeten Landes ist mit ursprünglichem Wald bedeckt. Schätzungen prophezeien, dass in ein paar Jahren schon die letzten Wälder und andere noch ökologisch intakte Lebensräume der Insel verschwunden sind, wenn der fortschreitenden Zerstörung nicht entgegen gewirkt wird. Hauptursache für den drastischen Rückgang des Waldbestandes sind die schädlichen Landwirtschaftsformen sowie der steigende Bedarf an Nutzflächen und Energie durch Feuerholz in Folge des hohen Bevölkerungswachstums.

Welthungerhilfe-Mitarbeiter
Caroline Peyre-Koch und
Klaus Moller. © LohkampWelthungerhilfe in Madagaskar
Die Welthungerhilfe ist seit 1992 mit bisher 24 Projekten im Land aktiv. Dabei konzentriert sich die Organisation hauptsächlich auf den Süd-Osten mit diesen Schwerpunkten: Not- und Nahrungsmittelhilfe nach Dürre und Wirbelstürmen, Rehabilitierungsprojekte zur Verbesserung der landwirtschaftlichen Produktion und Versorgung mit Nahrungsmitteln, integrierte Ernährungssicherung, Katastrophenvorsorge, Stärkung der Zivilgesellschaft, Sofort- und Überlebenshilfe für Kleinkinder, Trinkwasserversorgung und Brunnenbau und Kampf gegen Unterernährung. Zu den wichtigsten Ko-Finanzierern gehören die EU sowie das Welternährungsprogramm.
Jutta Lohkamp arbeitet als Online-Redakteurin bei der Welthungerhilfe. Im November 2005 besuchte sie die Projekte der Organisation in Madagaskar.
(Stand: November 2005)
Weitere Informationen:
Beispiel für ein Projekt der Welthungerhilfe in Madagaskar
Millenniumsdorf Anosikely in Madagaskar

