Endlich eingeschult. Erfolgsgeschichte der mobilen Schulen in Mali
Schon seit mehreren Jahren unterstützt die Aktion LebensLäufe ein Schulprojekt im Norden Malis. Mit großem Erfolg: Rund 5.000 Nomadenkinder lernen dank der neuen mobilen Schulen endlich Lesen, Schreiben und Rechnen.

Welthungerhilfe-Mitarbeiter Ousmane Guindo mit
Schülern einer mobilen Schule in Mali.
© BirckenbachIm Norden Malis richtet sich das Leben vieler Menschen ganz nach dem Rhythmus der Jahreszeiten. Angehörige der Tuareg, Mauren, Fulbe und Bozo beziehen ihren Lebensunterhalt hauptsächlich aus der Viehhaltung oder der Fischerei. Als Nomaden ziehen sie von einer Gemeinde zur anderen – immer auf der Suche nach Weidegründen und Wasser für ihre Tiere oder nach ertragreicheren Fischbeständen. So trotzen sie den kargen, ausgelaugten Böden der Wüste das Nötigste für ihr Überleben ab.
Schulbesuch mit Hindernissen
Die regelmäßigen Ortswechsel machen Nomadenkindern den Besuch einer Schule häufig unmöglich. In ganz Mali ist die Schulbesuchsquote sehr gering. Laut dem nationalen Schulamt gingen 2007 nur 53,6 Prozent der Mädchen und 64,5 Prozent der Jungen zur Schule. Dies liegt zum einen an dem Mangel an Schulen. Die Schüler müssen oft lange Wege zurücklegen, um die nächste Schule zu erreichen. Zum anderen ist das bestehende Schulwesen nicht an die Lebensumstände der nomadisierenden Viehhalter und Fischer angepasst und stößt deshalb auf Ablehnung. Die Kinder müssten an einem Ort zurückgelassen werden, während die Eltern weiter ziehen. Für die Fischer und Viehhalter ist das undenkbar. Sie fürchten, dass mit der Trennung vom Elternhaus keine angemessene, in der Tradition verankerte Erziehung gewährleistet werden kann.

Mittagessen in der Schule.
© Knickriem
Erfolgsmodell mobile Schulen
Außerdem werden Kinder dringend für die Arbeit benötigt. Ibrahima Sangaré von der Welthungerhilfe-Partnerorganisation Delta Survie erläutert: "Die Alten können viele Arbeiten nicht machen, weil es körperlich zu anstrengend ist. Deshalb müssen die Kinder helfen. Wenn der Sohn nun 200 Kilometer weiter in der Schule ist, kann der Vater nicht mehr richtig fischen."
Um diesen Konflikt zu lösen, braucht es Schulen, die dem Lebensrhythmus der Nomaden angepasst sind. Die Welthungerhilfe half 2007 bei der Errichtung von drei mobilen Schulen. Schon im ersten Jahr meldeten sich 540 Kinder für den Unterricht an, der in traditionellen Zelten und Hütten an jedem neuen Lagerplatz abgehalten wird. Die Lehrer wandern mit und die Welthungerhilfe hilft bei jedem Umzug. In einem Interview sagte ein Lehrer von der mobilen Schule von Thialdé: "Ich bin in dieser Schule gerne Lehrer, weil die Schüler sehr motiviert sind und Lesen und Schreiben lernen wollen. Sie wecken mich manchmal sehr früh auf, damit ich unterrichten komme. Manche Schüler sind schon um sieben Uhr da und warten auf den Unterricht." Auch viele Eltern sind von den mobilen Schulen überzeugt. "Die Kinder können jetzt nicht nur aufschreiben, was verkauft wurde und die Quittungen lesen. Sie sind insgesamt aufgeweckter - auch bei der Hausarbeit und beim Fischen. Sie lernen fürs Leben".

Klassenraum einer mobilen
Schule. © Knickriem5.000 neue Schüler
Diese Erfolge haben dazu geführt, dass die Welthungerhilfe weitere 13 mobile Schulen eingerichtet hat. Mittlerweile nehmen rund 5.000 Nomadenkinder am Unterricht teil. Dank der Unterstützung durch das Welternährungsprogramm der UN verfügen alle 16 Schulen über Schulkantinen. Ousmane Guindo, Projektleiter der Welthungerhilfe in Mali, bewertet die bisherigen Ergebnisse positiv: "Wegen den schlechten Erfahrungen mit den festen Schulen dachten alle, es sei unmöglich, die Kinder zu einem regelmäßigen Schulbesuch zu bewegen. Aber die mobilen Schulen sind eine gute Lösung. Wir werden mit Nachfragen aus anderen Gemeinden überhäuft, die auch eine mobile Schule wollen".
Hauptsächlich Mädchen in den neuen Schulen
Überraschenderweise sind 70 Prozent der der Neuschüler Mädchen. Entgegen dem üblichen Trend erlauben Eltern zunehmend ihren Töchtern zur Schule zu gehen. Gleichzeitig nimmt die Quote der männlichen Schüler ab. Die Jungen werden bei der Viehhaltung oder der Fischerei gebraucht. Die Arbeit muss meist früh am Morgen erledigt werden. Bis die Jungen zurück sind, hat die Schule längst begonnen. Um die Einschulungsquote von Jungen zu erhöhen, sensibilisiert die Welthungerhilfe die Eltern für die hohe Bedeutung einer Schulbildung. Zusätzlich gibt es in jeder Gemeinde ein Schulkomitee, das die Eltern in das Schulwesen einbeziehen und sie von der Bedeutung des Schulbesuchs überzeugen soll.
Unterstützen Sie unsere Arbeit! Organisieren Sie selbst einen LebensLauf und tragen Sie dazu bei, dass die Nomadenkinder in Mali eine Schule besuchen können.
Welthunger-Index 2011: Mali
Welthungerhilfe in Mali
Die Welthungerhilfe ist seit 1968 in Mali tätig. In dieser Zeit führte sie insgesamt 80 Projekte mit einem Finanzvolumen von etwa 24 Millionen Euro durch. Die Schwerpunkte der Arbeit der Welthungerhilfe in Mali sind Landwirtschaft, Ressourcenmanagement, Ernährungssicherung, Wasserbau, Kinder- und Jugendförderung, sowie Nothilfe.
Weitere Informationen
Hilfsprojekt in Mali: Mobile Schulen ermöglichen Nomaden-Kindern Bildung

