Mali: Bildung für Nomaden-Kinder mit mobilen Schulen
Nur 46,6 Prozent der Einwohner Malis können nach Angaben des CIA Factbooks (2009) Lesen und Schreiben. Chronische Fehl- und Mangelernährung sind unter der Bevölkerung weit verbreitet und betreffen vor allem die Kinder. In den Wüstenregionen im Norden des Landes ist die Situation besonders schlimm. Hier leben die ethnischen Gruppen Tuareg, Mauren, Bellah, Fulbe und Bozo, die sich von der Viehzucht, Ackerbau oder Fischerei ernähren.
Als Nomaden ziehen sie von einer Gemeinde zur anderen - immer auf der Suche nach Weidegründen und Wasser für ihre Tiere, oder nach ertragreicheren Fischbeständen. An einen Schulbesuch ist unter diesen Umständen kaum zu denken: Abgesehen von den häufigen Ortswechsel, helfen viele Kinder ihren Eltern auch Tag für Tag bei der Arbeit auf den Weiden.
Mobile Schulen für Nomaden-Kinder
Um diesen Konflikt zu lösen, richtet die Welthungerhilfe seit 2007 in der Region
West-Timbuktu mobile Schulen ein. An jedem neuen Lagerplatz stellen die Gemeinschaften mindestens eines der Zelte oder Hütten für den Unterricht bereit. Die Lehrer wandern mit. Schon im ersten Jahr meldeten sich 540 Kinder für den Unterricht an. So können Kinder aus Familien, die für die Versorgung ihrer Tiere von Weideplatz zu Weideplatz ziehen, oder den Fischbeständen folgen, ihre Lebensweise mit einer guten Schulausbildung verbinden. Infolge des großen Zuspruchs weitet die Welthungerhilfe die Zahl der mobilen Schulen von drei auf 16 und schließlich 80 am Ende des Projektes aus. So wird vielen hundert Kindern ein Zugang zu Bildung und einer besseren Zukunft ermöglicht.

Kamelreiter der Tuareg im
Norden Malis. © KaufholdWarme Mahlzeiten als Anreiz
Doch auch von den Kindern aus sesshaften Familien besuchen nur etwa 30 Prozent eine Schule. Deshalb sorgt die Welthungerhilfe zusätzlich für eine bessere Ausstattung der Schulen in den Orten und Städten. Sie fördert die Aus- und Fortbildung von Lehrern und stellt Lehrmaterial zur Verfügung.
Mit Unterstützung des Welternährungsprogramms verteilt die Welthungerhilfe außerdem in 87 Schulen regelmäßige Mahlzeiten (MLI 1043). Dies ist für die oft sehr armen Eltern ein wichtiger Anreiz, ihre Kinder zur Schule zu schicken. Sie selbst sind oft kaum in der Lage, ihre Kinder ausreichend zu ernähren. In den Kreisen um Goundam und Tenenkou plant die Welthungerhilfe, noch weitere Schulkantinen einzurichten. Insgesamt sollen dort bis zu 15.000 Mädchen und Jungen täglich eine warme Mahlzeit bekommen.

Im Alphabetisierungskurs
für die Erwachsene. © RiehleImmer mehr Mädchen besuchen Unterricht
Ein tägliches Mittagessen überzeugt Eltern, auch ihre Töchter zur Schule zu schicken. Sie mussten bisher meist aus Kostengründen zugunsten der Söhne auf Bildung verzichten. Auch hier gibt es einen nahrhaften Anreiz: Seit sie nach der Schule eine Extraportion Speiseöl mit nach Hause nehmen dürfen, ist auch die Einschulungsrate von Mädchen deutlich gestiegen.
Da jetzt auch die Eltern an Alphabetisierungskursen teilnehmen, ist ihnen die Bedeutung von Bildung für die Zukunft ihrer Kinder viel bewusster geworden. Sie ergreifen immer öfter die Eigeninitiative: Sie schließen sich zusammen, beteiligen sich an der Bezahlung der Köchinnen und leisten mit Wasser, Holz und Nahrungsmitteln einen eigenen Beitrag zur Schulspeisung.
Investition in die Welt von morgen
Die Gemeinden, Eltern und Lehrer werden in den Aufbau und die Ausrüstung der Schulen mit einbezogen. Langfristig sollen sie die Verwaltung der Schulen eigenverantwortlich übernehmen. Die Förderung des Schulbesuches ist eine Investition in die Zukunft einer ganzen Region: Denn bessere Bildung bedeutet nicht nur mehr Zukunftschancen für den Einzelnen. Bildung ist eine wesentliche Voraussetzung für die Entwicklung des gesamten Landes. Die Fähigkeit, lesen und schreiben zu können, ist eine der wichtigsten Voraussetzungen für die Bekämpfung von Hunger, Armut und auch Krankheiten wie HIV/AIDS.
Welthunger-Index 2011: Mali
Welthungerhilfe in Mali
Die Welthungerhilfe ist seit 1968 in Mali tätig. In dieser Zeit führte sie insgesamt 80 Projekte mit einem Finanzvolumen von etwa 24 Millionen Euro durch. Die Schwerpunkte der Arbeit der Welthungerhilfe in Mali sind Landwirtschaft, Ressourcenmanagement, Ernährungssicherung, Wasserbau, Kinder- und Jugendförderung, sowie Nothilfe.
Weitere Informationen
Endlich eingeschult. Erfolgsgeschichte der mobilen Schulen in Mali (Februar 2010)
Weitere Informationen über Mali
Projektnr.
MLI 1043
MLI 1046
Projektdauer
Bis 31. Juli 2015
Projektort
- Region Timbuktu West
- Kreise Goundam, Youwarou, Mopti, Douentza und Tenenkou
Schwerpunkte
- Soziale Integration und Bildung
Finanzierung
- Welternährungsprogramm (WFP)
- Kreditanstalt für Wiederaufbau

