Lebensfreude und der Zauber des Bazins: 32 Tage als Designlehrerin in Mali

Von Romy Klein

Romy Klein (links) mit Models des Projekts in Mali. © DWHH
Romy Klein (links) mit Schülerinnen des Projekts in Mali.
© WHH

Die Luft ist voller Gerüche. Die Hitze schwelt über den Strassen Bamakos. Nahe dem "Monument de L’independence" befindet sich die "Rue 369": Hier wohnt, lebt und arbeitet Mimi Konaté für ihr Weiterbildungsprojekt "Mode Sup". Mithilfe von EU-Fördergeldern möchte die engagierte Designerin die Ausbildungsqualität auf dem Modesektor in Mali verbessern. Unterstützt wird sie dabei von dem WeltGewänder-Netzwerk, eine Aktion der Welthungerhilfe. Romy Klein besuchte die Mimi Konaté und unterrichtete einen Monat lang malische Schneiderschüler. Hier ein Auszug aus ihren Reisenotizen:

 

Schülerin bei der Anfertigung eines Designstücks. © DWHH
Schülerin bei der Anfertigung
eines Designstücks. © WHH
Neue Herausforderung in einem aufregenden Land

Mali beeindruckt. Der Enthusiasmus, die Lebensfreude und die Freundlichkeit in einem der ärmsten Länder der Welt ist wohltuend. Ich wohne bei Mimi Konaté zu Hause, bis zur liebevoll restaurierten Schule sind es fünfzig Meter Fußweg. Es gibt einen Unterrichtsraum, einen Nähsaal mit fünfzehn Singer-Tretnähmaschinen und einen zur Straße offenen Ausstellungsraum. Meine Aufgabe ist es, den Schülern zu zeigen, wie man die gezeichneten Entwürfe in einen Schnitt umsetzt, eine Kollektion realisiert und die dann in einer professionellen Modenschau präsentiert.  

 

Peu á peu vom Stoff zum Kleid

In der ersten Woche lernen die Schüler, wie man  korrekt die Körpermaße ermittelt und welche Maße für die Schnittkonstruktion essentiell sind. Sie zeichnen jeden Tag einen neuen Grundschnitt. Alle sind mit Begeisterung dabei. Am Ende der Woche kalkulieren sie schon Zeichenstrecken. Können Hüftbogen und Ärmelkugeln zeichnen. Und kennen die gesamte Grundschnittpalette vom Rock über Hose, Hemdbluse bis hin zum Kleid.


Kollektionsständer.
© WHH
Die schnitttechnische Umsetzung der einzelnen Entwürfe lernen die fleißigen Schüler in der zweiten Woche. Ein Rock mit Schleppe, ein schulterfreies Korsagenkleid, ein hochgestellter Kragen - jedes Schnittdetail wird auf dem Papier umgesetzt. Bereits in der dritten Woche arbeiten die Schüler nahezu selbstständig. Sie verarbeiten Bazin - der farbenprächtige Stoff ist ein fester Bestandteil der afrikanischen Textil- und Bekleidungskultur. Er ist sehr steif und fest, wenn er zugeschnitten und verarbeitet wird. So lassen sich Stickereien besser einarbeiten und der Stoff mit den einfachen Nähmaschinen leichter nähen.

 


Vor der Show: nervöse
Models. © WHH
Der Vorhang fällt, die Show beginnt

Dann ist es soweit. Der aufregende Tag der Premiere ist endlich gekommen. Zur großen Modenschau auf der Straße vor der Schule werden die neuen Outfits präsentiert. Sogar der Kulturminister von Mali ist anwesend. Viele Zuschauer gekommen, viel mehr als erwartet. Die Show beginnt. Schon als das erste Model den Laufsteg aus Holz betritt, steigert sich die Lautstärke des Publikum zu einem Jubeln: Die Frauen klatschen dröhnend Beifall. Die Männer pfeifen den hübschen Modells hinterher.

Ein voller Erfolg – die Gäste, inklusive der anwesenden Minister sind begeistert. Am Ende hält jeder Schüler mit Freude strahlenden Augen ein Diplom in den Händen. "Wir haben viel gelernt, vor allen Dingen Selbstvertrauen in die Umsetzung eigener Ideen", sagen sie mir einstimmig zum Abschluss.

(Stand: August 2007)


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