Wenn die Ferne ruft


Die Koffer sind schon gepackt: DWHH-Regionalkoordinatorin
Anke Weymann mit ihren zwei Männern  © DWHH

Die Begeisterung hielt sich anfangs in Grenzen bei Lothar Bressem, als ihm seine Frau von ihrer Aussicht auf eine Stelle als Regionalkoordinatorin bei der Welthungerhilfe berichtete. "Ich wäre für mehrere Länder zuständig und der Bürostandort ist in Bamako in Mali." Er kennt sie allerdings gut genug, als dass ihm der Enthusiasmus, der ihre Worte begleiteten, entgangen wäre. Der Reiz der Aufgabe läge für sie neben der Koordination der Arbeit der DWHH in Burkina Faso, Mali und Sierra Leone auch in der Zusammenarbeit und Unterstützung der Partnerorganisationen . Zu verlockend für die Agraringenieurin, um abzulehnen. Doch schon wieder alles in Deutschland aufgeben? Die eigenen vier Wände im Taunus verlassen?

 


Max: "Meinen Freund Jan und
den Fußballclub werde ich
schon vermissen." © DWHH
Wieder nach Afrika

Auslandserprobt ist das Ehepaar bereits. Direkt nach der Hochzeit im Mai 1991 ging das frisch vermählte Paar schon einmal ins westafrikanische Bamako. Anke arbeitete für die GTZ, Lothar hatte als gelernter KFZ-Mechaniker bald alle Hände voll zu tun. Doch da waren sie noch zu Zweit. Nun gibt es Sohn Max, der, wie zunächst sein Vater, der neuen Heimat mit gemischten Gefühlen entgegen sieht. "Der Abschied von meinem Freund Jan und dem Fußballverein fällt mir schwer". Der 9-Jährige schaut ein wenig nachdenklich. Dafür freut er sich umso mehr auf den "Basenji"-Hund, den die Vorgänger zurücklassen mussten und der schon in Afrika auf ihn wartet. Nun wird der kleine Vierbeiner eine neue Familie bekommen.

 


Lothar bepackt den Wagen
für die lange Reise. © DWHH

Nicht immer leicht

"Max ist in Haiti gut zurecht gekommen. Er wird sich bestimmt auch in Afrika einleben", hofft Lothar. Von 2002 bis 2005 war Anke in dem karibischen Staat in einem Entwicklungsprogramm der GTZ tätig. Da der Projektstandort fernab der Hauptstadt lag, kümmerte sich ihr Mann um die Instandhaltung der Installationen rund um das Haus, um Reparatur und Wartung der Projektfahrzeuge und vor allem um den täglichen Fernschulunterricht mit Max. Als die politische Situation sich wegen einem drohenden Umsturz zuspitzte, verließen die Männer der Familie die Antillen-Insel und gingen zurück nach Deutschland. Die Familie sah sich über einen längeren Zeitraum nur in den Ferien. "Für Max sind die Auslandserfahrungen eine große Chance. Auf diese Weise kommt er schon früh mit anderen Kulturkreisen in Kontakt und bekommt ein Gefühl für Fremdsprachen", ist Lothar überzeugt.

 


Schnapp - Ankes Koffer geht
gerade noch zu. © DWHH
Es wird ernst

Nun steht die Abreise kurz bevor. Die langen Gespräche, vielen Telefonate, intensiven Diskussionen – Vergangenheit. Es wird in die Zukunft geblickt, mit erwartungsvoller Aufregung, vielen Ideen und großem Tatendrang und vor allem einer spürbaren Vorfreude bei allen Familienmitgliedern. Anke Weymann ist sich sicher, dass sie in ihrem neuen Job "einiges ändern, gestalten und auch bewegen kann". Die Offenheit und besondere Gastfreundschaft Malis sind ihr noch in guter Erinnerung. Aber auch die Tatsache, dass die Mühlen der Bürokratie langsam mahlen und Entwicklungsprozesse Geduld und langen Atem erfordern. An das heiße und staubige Sahel-Klima wird sich die Familie gewöhnen müssen . Doch dies ist nicht die größte Sorge. "Nur wenn mein Sohn Max sich wohlfühlt und mein Mann eine sinnvolle Beschäftigung findet, kann ich meine Arbeit erfolgreich erledigen".

 

Die Deutsche Welthungerhilfe wünscht Anke Weymann und ihrer Familie eine erfolgreiche Zeit in Mali.

(Stand: August 2005)

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