UN-Gipfel zu den Millenniumsentwicklungszielen in New York: Hungerkrise ist schlimmer als Finanzkrise

 

Frau mit Kind in Dissin, Burkina Faso. Der Brunnen wurde von der Welthungerhilfe gebaut. © Bretz
Frau mit Kind in Dissin, Burkina Faso. Der
Brunnen wurde von der Welthungerhilfe gebaut.
© Bretz
(23.09.2008) Zum UN-Gipfel zu den Millenniumsentwicklungszielen in New York erklärt Ingeborg Schäuble, Vorsitzende der Welthungerhilfe: "Wenn die globale Hungerkrise so ernst genommen würde wie die Krise der Finanzmärkte, hätten wir längst eine Lösung. Dabei ist sie viel schlimmer, denn sie bedroht millionenfach Menschenleben." Vor wenigen Tagen musste die UN-Landwirtschafts- und Ernährungsorganisation (FAO) die Zahl der Hungernden weltweit von 854 Millionen auf 923 Millionen nach oben korrigieren.

 

"Immer mehr Menschen können sich nur noch eine Mahlzeit täglich leisten", sagt Schäuble. "Besonders bedroht sind dadurch Kinder, Alte und Schwache." Angesichts der dramatisch gestiegenen Nahrungsmittelpreise wird es immer schwieriger, das erste Millenniumsziel zu erreichen, also den Anteil der Hungernden und extrem Armen bis zum Jahr 2015 zu halbieren.


 Aman Tola aus Äthiopien präsentiert seine Bananen- und Papayastauden. Dank dem Bewässerungssystem der Welthungerhilfe ist die Ernte reichhaltig. © Stedtler
Aman Tola aus Äthiopien
präsentiert seine
Bananenstauden. © Stedtler
"Nahrungsmittelhilfe ist in dieser Situation nur ein Tropfen auf den heißen Stein", so Schäuble weiter. "Sie lindert akute Not, muss aber vom ersten Moment an die langfristige Ernährungssicherung im Blick haben. Der Schlüssel für die Bekämpfung der Ursachen des Hungers liegt in den ländlichen Gebieten. Diese sind jahrzehntelang sträflich vernachlässigt worden." Schäuble fordert, sofort und massiv in ländliche Infrastruktur wie Straßen, Brunnen und Bewässerungsanlagen zu investieren, die Förderung und Beratung von Bauernorganisationen zu fördern und ihnen den Zugang zu Land, Dünger, Saatgut und Krediten zu ermöglichen.


"Dafür sind mindestens 20 bis 30 Prozent der weltweiten Entwicklungshilfe nötig. Akut könnten beispielsweise bisher nicht benötigte Mittel für EU-Agrarsubventionen in Höhe von einer Milliarde Euro der landwirtschaftlichen Förderung in den ärmsten Ländern, vor allem in Afrika, zugute kommen." Bisher sperren sich jedoch einige EU-Länder, darunter die Bundesregierung, gegen eine Freigabe. "Zwei von drei Hungernden leben auf dem Land", betont Schäuble. "Sie brauchen unsere sofortige Unterstützung."

Die Welthungerhilfe trägt im Rahmen ihrer Projektarbeit in rund 50 Ländern zur Erreichung der Millenniumsziele bei, gemeinsam mit Partnerorganisationen nach dem Prinzip der Hilfe zur Selbsthilfe. Mit ihrer "Initiative Millenniumsdörfer" in 15 ausgewählten Regionen zeigt die Welthungerhilfeu unter anderem durch ein Langzeit-Monitoring, dass es möglich ist, die Millenniumsziele zu erreichen.

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