Die Freiheit von Angst und Mangel - das Konzept der "Menschlichen Sicherheit"

Frühere Soldaten im Demobilisierungslager
in Liberia. © Hahn1994 wies das Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen (UNDP) darauf hin, dass sich die "Suche nach Sicherheit auf Entwicklung und nicht auf Waffen richten" müsse. Um diesen Zusammenhang zu erfassen, wurde der Begriff der "menschlichen Sicherheit" geprägt. Er bezeichnet die Freiheit von Angst und von Mangel. Ähnlich wie der Begriff der Menschenrechte bezieht er sich auf den einzelnen Menschen. Dahinter steht die Idee, dass alle Menschen sicher sein sollen vor Bedrohungen aller Art, wie Hunger, Krankheiten, Arbeitslosigkeit, Umweltschäden, politischer Gewalt und Verbrechen. Zwischen vielen dieser Bedrohungen bestehen Wechselwirkungen.

Flüchtlingslager in Chennai,
Indien © RechenburgDie Konfliktfalle Armut und Gewalt
Beispielsweise ist Armut die häufigste Ursache von Bürgerkriegen. Weitere Faktoren wie wiederkehrende Hungersnöte, häufige Naturkatastrophen, mangelnde Gesundheitsversorgung erhöhen die Gefahr von Kriegen und Konflikten. Gleichzeitig verschärfen Bürgerkriege aber auch die Armut. Nach dem Ende eines Bürgerkrieges liegt das Einkommen der Menschen durchschnittlich um 15 Prozent niedriger als unter normalen Umständen. Viele Länder geraten in eine sogenannte "Konfliktfalle", d.h. einen Prozess in dem sich Armut und Gewalt immer wieder gegenseitig verstärken.
Militärische Intervention als Lösung?
Die Erfahrung zeigt, dass es kaum möglich ist, diesen Kreislauf durch militärisches Eingreifen von außen zu stoppen, auch wenn es immer wieder versucht wird. So endete die Intervention der Vereinten Nationen in Somalia in einem Desaster. Es gelang den Truppen nicht, Frieden zu erzwingen. Mehr noch, durch das Eingreifen entstanden neue Konfliktherde, die das Land nach dem Abzug des Militärs in einer schlechteren Verfassung zurückließen als zuvor.

Ingeborg Schäuble verteilt
Nahrung an Frauen in
Burkina Faso. © BretzWie kann Frieden geschaffen werden?
Um Kriege zu verhindern und Frieden zu schaffen, müsste sich die Entwicklungszusammenarbeit besonders auf die ärmsten Staaten der Welt konzentrieren. Doch die Wirklichkeit sieht anders aus. Ein hoher Anteil des Geldes, das als Entwicklungshilfe deklariert ist, kommt erst gar nicht bei der armen Bevölkerung in Entwicklungsländern an.
Rund ein Drittel der deutschen staatlichen Entwicklungshilfe wird zum Beispiel für Schuldenerlasse, Ausgaben für ausländische Studenten und die Unterbringung von Flüchtlingen, einschließlich der Abschiebungskosten von Asylbewerbern ausgegeben.
Darüber hinaus fließt ein Großteil der staatlichen Entwicklungshilfegelder zum Nutzen der eigenen Wirtschaft an Transformations- und Schwellenländer. Erst wenn sich diese Praxis ändert und der Kampf gegen die Armut dort ansetzt, wo die Not am größten ist, wird das Ziel "Menschliche Sicherheit" und damit Frieden in greifbarere Nähe rücken.
Welthungerhilfe fördert Ernährungssicherheit
Der Welthungerhilfe geht es in erster Linie darum, Ernährungssicherheit für die Menschen in Entwicklungsländern herzustellen – denn nur wer keinen Hunger leidet, kann ein selbstbestimmtes Leben führen, sich und die Gesundheit seiner Familie, den Schutz der Umwelt und die Bildung seiner Kinder kümmern.
Menschliche Sicherheit
Der Begriff der menschlichen Sicherheit wurde erstmals prominent im „Bericht über die menschliche Entwicklung“ des UNDP von 1994 verwendet. Der Bericht steht auf Englisch zum kostenlosen Download auf der Webseite des UNDP zur Verfügung.
Weitere Informationen
Interview mit dem renommierten Politikwissenschaftler Elmar Altvater
Blogthema: Welche Mittel braucht es, um Konflikte vorzubeugen? Diskutieren Sie mit uns!
Beispiel für ein Projekt der Welthungerhilfe in Ecuador
Menschenrecht auf Nahrung - Instrument zur Bekämpfung von Hunger
Themen-Spezial: Konflikte & Katastrophen - Der Kreislauf von Hunger und Krieg
