Mosambik: Ein neues Leben auf sicherem Boden

Mit Unterstützung der Welthungerhilfe auf Katastrophen gut vorbereitet

Von Constanze Bandowski

Den vollständigen Artikel finden Sie im Magazin 04/2009


Mit dem Landwirtchaftstechniker der
Welthungerhilfe begutachtet die Bäuerin Julieta
Francisco ihre Maisernte. © Aschoff
Sagen und Legenden umgeben den Sambesi, den größten Strom Afrikas, der in den Indischen Ozean mündet. Auf dem mächtigen Fluss erkundete David Livingstone vor rund 150 Jahren das Innere des Kontinents. Landschaftlich überwältigend bildet das breit gefächerte Delta eine Oase für Nashörner, Krokodile oder Reiher. Für die Menschen jedoch ist der Alltag hier alles andere als romantisch. Jeden Tag kämpfen sie erneut ums Überleben.

 

Hartes Leben am sagenumwobenen Sambesi

In guten Zeiten bauen sie Reis, Bohnen und neuerdings Gemüse an. Fischfang und Jagd bringen ihnen die notwendigen Proteine. Wenn aber die Regenzeit beginnt, der Wasserpegel steigt, sich zu einer Flutwelle auftürmt und zu allem Überfluss im oberen Flusslauf die Schleusen der Staudämme geöffnet werden, dann droht die Katastrophe. Durch den Klimawandel treten diese Horrorszenarien immer häufiger und heftiger auf. Das Leben in Wassernähe wird zunehmend gefährlicher.

 

Julieta Francisco setzt sich zr Wehr

Julieta Francisco erlitt Todesangst, als der Fluss Anfang 2008 erneut über die Ufer trat. Die Überschwemmungen der vorherigen Jahre hatten die 53-Jährige weitestgehend verschont. Immer wieder hatte sie sich aufgerafft und ihre Felder auf der Insel Chinde nach den Fluten instand gesetzt. Aber dieses Mal war es zu viel: Sieben Wochen lang führte der Sambesi Hochwasser mit fünf Metern über dem Alarmpegel. Ihre komplette Ernte verrottete im stehenden Wasser. Julieta Francisco hatte genug. Beherzt nahm die Witwe das Angebot der mosambikanischen Regierung an und ließ sich mit ihren sechs Enkeln und ihrer kranken Tochter ins sichere Neusiedlungsgebiet Gunda bringen.


In Gunda ist auch die Welthungerhilfe tätig

Seit der schweren Flut von 2001 unterstützt die Welthungerhilfe als einzige Hilfsorganisation gemeinsam mit ihrer Partnerorganisation die Menschen in dem schwer zugänglichen Gebiet. Weil die Felder in Flussnähe sehr fruchtbar sind, ist es wichtig gleichwertige oder noch bessere Ernten am neuen Wohnort zu gewährleisten. Nur so können die Bewohner hier gehalten werden.

 

Am neuen Wohnort sind die Ernten besser

Zunächst wurden in Gunda landwirtschaftliche Gruppen gegründet, um die Bauern mit Methoden des angepassten und bodenschonenden Ackerbaus vertraut zu machen. Zusammen mit 49 Mitstreitern lernt auch Julietta auf einem Übungsfeld alles Wichtige über nachhaltige Landwirtschaft. Sie erhält Saatgut und Werkzeug und setzt damit das Erlernte auf ihrem eigenen Feld um. Ihr Mais überragt die einen Meter fünfzig große Frau deutlich. "Ich hätte nie gedacht, dass Mais so hoch wachsen kann", sagt sie beeindruckt. Und sie weiß, warum sie Bohnen zwischen das Getreide pflanzen muss. Diese verbessern nämlich die Bodenqualität.


Die 300 Familien in Gunda sorgen nicht nur für ihre eigenen Felder. Sie haben schon viel für ihre neue Heimat geschafft: Mit Unterstützung der Welthungerhilfe haben sie den Deich erneuert und zwei Brunnen saniert. Im nächsten Jahr sollen eine Schule mit fünf Klassenräumen sowie eine Erste-Hilfe-Station errichtet werden – natürlich mit umweltschonenden Materialien. Und damit die Bewohner bei künftigen Katastrophen gut vorbereitet sind und sich selbst helfen können, wurden 15 Katastrophenkomitees in Frühwarnung, Evakuierung sowie medizinischer Ersthilfe ausgebildet. Jetzt fühlt sich auch Julieta mit ihrer Familie sicher.

Letzte Änderung an dieser Seite: 05.11.2009

Autorin

Constanze Bandowski ist freie Journalistin.

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