Update Myanmar: Zwei Monate nach Zyklon "Nargis" - Von zerstörten Dörfern und Menschen mit großem Lebensmut

Kinder in Myanmar vor den Trümmern ihres
Elternhauses. © WHH"Wir haben immer noch alles Hände voll zu tun", berichtet Angela Schwarz aus Myanmar. "Organisieren, planen, beschaffen, leiten... Freizeit gibt es nach wie vor nicht für uns." Uns, das sind die engagierte Regionalkoordinatorin der Welthungerhilfe mit ihrem zurzeit 4-köpfigen Team sowie rund 60 lokalen Angestellten.
Als vor zwei Monaten der Wirbelsturm Nargis über Myanmar hinweg fegte, herrschte Ausnahmesituation in dem südostasiatischen Land. Fünf Regionen wurden zum Katastrophengebiet erklärt, darunter die ehemalige Hauptstadt Rangun mit ihren rund fünf Millionen Einwohnern. Auch das dicht besiedelte Irrawaddy-Delta war betroffen, ein Flussgebiet, das mit nur drei Metern über dem Meeresspiegel zu den flachsten Regionen Myanmars zählt. Mit bis zu 190 km/h hatte der Wirbelsturm hier Flutwellen von der Küste ins Land gedrückt, die zu massiven Überschwemmungen führten. Zehntausende Menschen kamen ums Leben.

Vielerorts stehen nur noch
die Fundamente der Häuse.
© WHHFundamente - Stumme Zeugen der Katastrophe
Heute ist die Verkehrs-Infrastruktur um Rangun weitestgehend wieder hergestellt. Doch die Menschen sind weiterhin auf internationale Hilfe angewiesen. Im besonders stark betroffenen Irrawaddy-Flussdelta, welches nur mit Booten zu erreichen ist, sind die Schäden der Sturmkatastrophe noch überall sichtbar. Viele Dörfer existieren nicht mehr. Überall sind die Fundamente ehemaliger Gebäude zu sehen, viele schief stehende Wohnhäuser. "Aber die Menschen packen an", freut sich Angela. "Sie fordern wenig, nur das Nötigste, um wieder auf die Beine zu kommen. Erstaunlich, wie zielstrebig sie schon jetzt ihr Leben wieder in die eigene Hand nehmen." Und deshalb ist die Truppe um Angela schon dabei, die Zielgruppen einzugrenzen, um nur noch die Bedürftigsten auszumachen.

Verteilungsstelle für
Hygieneartikel. © WHHJeder bekommt das Nötigste
Im Delta verteilt die Welthungerhilfe mithilfe ihrer lokalen Mitarbeiter weiterhin dringend benötigte Nahrungsmittel und die wichtigsten Dinge des Lebens. Darunter fallen Hygieneartikel wie Seife, Waschmittel, Schüssel, Handtücher, Zahnbürsten. Und Haushaltswaren in Form von Geschirr, Töpfe, Schlafmatten. Gleichzeitig erhalten die Menschen Schulungen und Tipps für die richtige Anwendung.
"Wie leisten zwar immer noch Nothilfe, aber immer im Fokus auf die Mittel- und Langfristigkeit", betont Angela. So wird Diesel an die Landwirte ausgegeben, damit sie ihre Handmaschinen zur Feldbestellung in Betrieb nehmen können. Dazu wurden etliche Tonnen Saatgut an die lokalen Bauern verteilt. Die Aussaat hat bereits begonnen und im Herbst ist mit der Ernte zu rechnen. Alles Maßnahmen, die sich konkret auf die Zukunft ausrichten.
Auch das Wetter ist den Menschen gnädig gestimmt: Es regnet. Zwar etwas viel, aber nicht zuviel. Da die meisten Wasserstellen noch durch die Überschwemmungen unbrauchbar sind, bringt der Regen genügend sauberes Trinkwasser, welches mit Kanistern aufgefangen wird.
Es geht bergauf, in Myanmar. Zwar langsam, aber stetig. Der Weg dahin war sehr steinig: Ausländische Mitarbeiter der internationalen Hilfsorganisationen mussten lange auf eine Reisegenehmigung warten. In der Zwischenzeit hat sich die Situation auch diesbezüglich leicht entspannt. "Nach dem Sturm ist nicht ganz vor dem Sturm: Die örtlichen Behörden sind nun wesentlich umgänglicher als vorher", bemerkt Angela mit einem leichten Zwinkern.
Der Zyklon Nargis in Myanmar
Der Zyklon Nargis überzog zwischen dem dem 27. April und dem 3. Mai den Golf von Benaglen, Myanmar und Thailand. Der Wirbelsturm verursachte vor allem in Myanmar große Verwüstungen. Fünf Regionen, darunter auch das Irrawaddy-Delta und die ehemalige Hauptstadt Rangun mit insgesamt 24 Millionen Einwohnern wurden zum Katastrophengebiet erklärt.
Online spenden
Bitte helfen Sie den Opfern des Sturms in Myanmar mit einer Spende.
(Überschüssige Spendenbeiträge werden auch in anderen Nothilfe-Projekten der Welthungerhilfe eingesetzt.)
Welthungerhilfe in Myanmar
Die Welthungerhilfe ist seit 2002 in Myanmar tätig. Schwerpunkte der Arbeit sind die Ernährungssicherung, Armutsreduzierung, Wasserversorgung, Basisinfrastruktur und Nahrungsmittelhilfe. Hauptsächlich ist sie im Nordosten des Landes, in Außenbezirken von Rangun und im Irrawaddy-Delta tätig.
Hilfsprojekt in Myanmar
Gemeinsam mit ihrer Partnerorganisation Metta Development unterstützt die Welthungerhilfe seit Juni 2005 im Shan State rund 1.000 besonders bedürftige Familien. In der Mehrheit sind es Menschen, die den ethnischen Minderheiten der Wa, Lahu und Kachin angehören.
Hilfsprojekt in Myanmar: Gegen Drogen - für eine bessere Ernährung
Hilfsprojekt in Myanmar: Humanitäre Hilfe für Nargis-Opfer in Rangun und im Irrawaddy Delta
Länderinformationen über Myanmar
Weitere Informationen
Zwei Monate nach Zyklon "Nargis" - Von zerstörten Dörfern und Menschen mit großem Lebensmut
Myanmar/Birma: Anderthalb Monate nach "Nargis" - Nothilfe und Wiederaufbau (Juni 2008)
Zwei Wochen nach "Nargis": Links und rechts der Ufer - Bilder der Zerstörung (21.05.2008)
Myanmar/Birma: Versorgungskette der Welthungerhilfe ins Irrawaddy-Delta steht (20.05.2008)
Myanmar/Birma: Welthungerhilfe weitet Hilfe im Katastrophengebiet aus (16.05.2008)
Audio-Service: Ralph Dickerhof berichtet aktuell aus Myanmar/Birma (15.05.2008)
Myanmar/Birma: Welthungerhilfe startet Verteilung im Irrawaddy-Delta (14.05.2008)
Zyklon in Myanmar/Birma: Hilfe in Myanmar erreicht die Opfer (12.05.2008)
Myanmar/Birma: Verteilung von Nahrungsmitteln und Hilfsgütern ist angelaufen (08.05.2008)
Myanmar/Sturm "Nargis": Welthungerhilfe ruft zu Spenden auf (06.05.2008)
Audio-Service: Angela Schwarz über die Situation nach dem Sturm in Myanamr (06.05.2008)
Sturm verwüstet Myanmar/Birma – Projektgebiete der Welthungerhilfe auch betroffen (06.05.2008)
Weitere Informationen
Besorgnis über Lage in Myanmar: Solidarität mit der armen Bevölkerung in Myanmar (18.10.2007)
