Myanmar/Birma: "Man könnte glatt verrückt werden..." - Helfen unter schwierigsten Bedingungen
Von Ralph Dickerhof

Verzweiflung, Fassungslosigkeit: Eine junge
Mutter mit ihrem Kind vor den Trümmern
ihrer Existenz. © DWHHWin Ko Ko hat Schweiß auf der Stirn. Der quirlige Birmane ist Logistiker der Welthungerhilfe in Rangun und hat derzeit einen sehr wichtigen Job: Lastwagen müssen gemietet, Informationen über Preise und Verfügbarkeit eingeholt, Hilfsgüter gekauft und gelagert werden.
"Wir tun alles, was in unserer Macht steht. Wir sind sehr motiviert, möchten möglichst vielen Menschen helfen", sagt der 32-Jährige. Dann klingelt wieder sein Handy. Viel mehr Zeit bleibt nicht für ein Gespräch – Win Ko Ko muss schon wieder los und sich einen LKW anschauen, der möglicherweise gemietet werden kann.

Trümmer und Leid - die
Hinterlassenschaften des
Zyklons. © DWHH
Kommunikation kaum möglich
Auch in Rangun, der ehemaligen Hauptstadt Myanmars, hat der Zyklon "Nargis" zugeschlagen und sein Zerstörungsvermögen demonstriert - wenn auch etwas gedrosselt. Nach wie vor verfügt das Regionalbüro der Welthungerhilfe über keine zuverlässige Internet- und Telefonverbindung. Die Kommunikation beschränkt sich auf nur wenige Mobiltelefone. Allerdings halten sich die materiellen Schäden in Grenzen. Die Häuser sind relativ stabil, oft aus Stein oder Beton gebaut und haben größtenteils den enormen Windgeschwindigkeiten Stand gehalten.
Die Aufräumarbeiten konnten schnell beginnen. Arbeiter mit Motorsägen schneiden entwurzelte Bäume in Stücke, damit diese abtransportiert werden können. Kaputte Dächer werden repariert. Die Regenzeit naht. Jeder weitere Tag kann neue Wasserschäden im Haus bedeuten.
Hilflosigkeit im Irrawaddy-Delta
Anders ist die Situation im südlichen Irrawaddy-Delta. Hier kam es zu massiven Überschwemmungen durch Flutwellen, die der Zyklon mit Geschwindigkeiten bis zu 190 km/h an die Küste gedrückt hatte. Doch das rund 15.000 Quadratkilometer große Flussdelta war und ist für internationale Hilfsorganisationen immer noch eine "restricted area". Gerade hier, wo Hilfe mit größter Wahrscheinlichkeit am dringendsten gebraucht wird, werden Hilfsorganisationen durch die Regierung in ihrer Arbeit behindert. Eine schlimme und tragische Situation für alle Beteiligten.

Überschwemmungen im
Gebiet um Rangun. © DWHHEinsicht der Regierung in Sicht?
Doch vielleicht ist Hoffnung in Sicht. Mittlerweile startete ein erstes Team Richtung Delta. Die birmanischen Kollegen erkunden, wie sie die Hilfsgüter direkt an die Bedürftigsten verteilen können. Die Militärregierung weist externe Hilfe nicht mehr ab: Man begrüße ausländische Hilfe – allerdings nur in Form von Bargeld oder durch Anlieferung von Hilfsgütern. Die eigentliche Arbeit vor Ort sollen die internationalen Helfer nicht durchführen, schließlich habe man die Lage ja selbst im Griff.
Beschaffung: ja - Verteilung: nein
Hier liegt eines der Hauptprobleme: Für die internationale Hilfsgemeinschaft ist es keine Option, nur die aufwändige Beschaffung von Hilfsgütern zu übernehmen. Und die Verteilung den Militärs zu überlassen. Zu groß ist die Gefahr, dass die Lebensmittel und Materialien nicht dort ankommen, wo sie gebraucht werden. Jeder Tag zählt, der ohne Hilfe verloren geht. Ansonsten droht die "Katastrophe nach der Katastrophe": Hunger, Dehydrierung, Unterernährung und Krankheiten durch verunreinigtes Trinkwasser sind die häufigsten Folgen.
Das Leid der Helfer
Trotz aller Restriktionen und Schwierigkeiten unternimmt die Welthungerhilfe in Myanmar deshalb alles nur Mögliche. "Es wird ein Wettlauf gegen die Zeit. Wenn die Schätzungen der Vereinten Nationen stimmen und es mehr als eine Million Obdachlose gibt …". Angela Schwarz hält kurz inne. "Man darf nicht zu lange daran denken, sonst könnte man glatt verrückt werden."
Autor
Ralph Dickerhof ist Mitarbeiter der Welthungerhilfe in Bonn.
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Welthungerhilfe in Myanmar
Die Welthungerhilfe ist seit 2002 in Myanmar tätig. Schwerpunkte der Arbeit sind die Ernährungssicherung und Wasserversorgung im Nordosten des Landes sowie in Außenbezirken von Rangun. Zurzeit sind rund fünfzig Mitarbeiter der Welthungerhilfe im betroffenen Gebiet beschäftigt.
Hilfsprojekt in Myanmar
Gemeinsam mit ihrer Partnerorganisation Metta Development unterstützt die Welthungerhilfe seit Juni 2005 im Shan State rund 1.000 besonders bedürftige Familien. In der Mehrheit sind es Menschen, die den ethnischen Minderheiten der Wa, Lahu und Kachin angehören.
Länderinformationen über Myanmar
Weitere Informationen
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