Myanmar: Überleben ohne Mohn
Von Sabine Tesche

Das Wa-Dorf Sholo in Myanmar. © Tesche
Myanmar – das ehemalige Birma - wird durch ein Militärregierung politisch abschottet. Die relativ unabhängige Wa-Sonderregion im nördlichen Shan-Staat hat seit 20 Jahren ein Waffenstillstandsabkommen mit der Regierung. Mit seiner nahen Grenze zu China, Laos und Thailand ist sie Teil des goldenen Dreiecks, dieser geheimnisvollen Gegend, in der der Opiumhandel bis vor kurzem die Haupteinnahmequelle der Menschen war. Doch seit zwei Jahren ist der Mohnanbau unter Androhung der Todesstrafe verboten.

Bäuerin aus dem Dorf.
© TescheMohnanbau versus Einkommen
Das Rauschgift hat die Bauern zwar nicht reich gemacht, doch es hat ihnen ihr Überleben gesichert. "Die eine Hälfte des Jahres lebten wir von unserem angebauten Reis. Die anderen sechs Monate haben wir unser Essen von den Einnahmen der Mohnernte gekauft. Wir hatten rund 300 Dollar im Jahr, davon konnten wir uns auch Kleidung kaufen. Jetzt weiß ich nicht mehr, wie ich meine Kinder ernähren soll", erzählt ein Bauer aus dem Wa-Dorf Sholo. Dennoch wünscht er sich den Mohn nicht zurück. "Es gab hier zu viele Opium-Süchtige", sagt er. Fast jede der 20 Familien hat unter den negativen Folgen des Rauschgifts gelitten.

Das Bergvolk. © TescheKatastrophe verhindern
Das Dorf Sholo liegt weit abgelegen auf einem Berg und ist nur zu Fuß erreichen. Es gibt noch keinen sauberen Wasserzugang, keine Latrinen, keinerlei Hygiene. Durchfälle und Malaria gehören hier zu den häufigsten Todesursachen. Der Boden ist in dieser Gegend kaum fruchtbar und die Hänge durch ihre Steilheit mühsam zu bewirtschaften, wirklich gut gedeiht hier nur der Schlafmohn. "Wir sind hier, um eine humanitäre Katastrophe der Bauern zu verhindern", sagt Ralph Gust-Frenger, Projektleiter der Welthungerhilfe. "Die Menschen haben vorher schon unterhalb der Armutsgrenze von einem Dollar pro Tag gelebt, jetzt sind sie vollkommen mittellos. Sie haben kaum Nahrung für sechs Monate, fast alle in der Region sind unter- und mangelernährt. Fleisch gibt es höchstens zweimal im Jahr."

Eifrige Schüler und
Schülerinnen. © TescheNeue Existenz schaffen
Die Welthungerhilfe, die von der Europäischen Kommission finanziell unterstützt wird, leistet im Wa-Gebiet für rund 6.000 Menschen aus 30 Dörfern eine Mischung aus Nothilfe und Entwicklungsarbeit. Sie baut gemeinsam mit den Dorfbewohnern Schulen, Trinkwasserstellen und Straßen. Die Bauern bekommen für ihre Arbeit pro Tag und Person drei Kilogramm Reis ausgeteilt. "Essen für Arbeit (Food for work)" nennt sich das Programm, das den Bauern zum einen ihren Stolz lässt und sie zum anderen lehrt, sich als Gemeinschaft zu entwickeln. "Wir verteilen außerdem Saatgut für Mais, Sojabohnen, Weizen und Sonnenblumen. Wir versuchen den Anbau von Kartoffeln und Früchten, doch wie das geht, müssen wir den Wa von Grund auf in Kursen beibringen", sagt der studierte Landwirt Gust-Frenger.nährt, Schulspeisungen mit vitamin- und nährstoffreichem Essen eingeführt.
(Stand: Juni 2007)
Autorin
Sabine Tesche ist Redakteurin beim Hamburger Abendblatt.
Hilfsprojekt der Welthungerhilfe in Myanmar
Gegen Drogen - für bessere Ernährung
Weitere Informationen über Myanmar
Myanmar
1989 hat das Militärregime das Land Birma in Union Myanmar umbenannt, mit der Hauptstadt Naypyidaw. Im Land leben insgesamt 135 Ethnien. Rund 68 Prozent der 54 Millionen starken Bevölkerung sind Birmesen, neun Prozent Shan und sieben Prozent Kayin. Fast 90 Prozent der Bevölkerung sind Buddhisten. Bis zum offiziellen Verbot des Opiumanbaus, dem "Poppy-Bann", galt Birma als der zweitgrößte Opium-Produzent der Welt. Bis 2014 soll laut dem Willen der Regierung das Land frei davon sein.
Ethnie der Wa
Ihre Unabhängigkeit bezeugt das als stolz geltende Volk, indem sie eine eigene Verwaltung hat und in ihrem Gebiet nur chinesische Yuan statt der birmesischen Währung Kyat zulässt. Bis in die 1970er Jahre waren die Wa Kopfjäger. Mehr als 97 Prozent der Wa sind Analphabeten. Viele von ihnen sprechen nur ihren Dialekt, obwohl Birmesisch als auch Shan im Staat die gebräuchlichen Sprachen sind.
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