Zwei Wochen nach "Nargis": Links und rechts der Ufer - Bilder der Zerstörung

Von Ralph Dickerhof

 


"Mangrovenwälder, Palmenhaine, Häuser, Hütten,
Felder – alles weg", berichten die Kollegen der
Welthungerhilfe. © DWHH
Müde, traurige Augen blicken mich an. Die drei birmanischen Kollegen sind gerade aus der Stadt Bogale zurückgekehrt. Sie gehörten zum ersten Team der Welthungerhilfe, dass vor über einer Woche den Weg in den Süden Richtung Irrawaddy Delta gewagt hatte. Dort, wo der Zyklon "Nargis" am stärksten wütete. Trotz ihres ausführlichen Berichts lässt sich nur erahnen, was für schreckliche Anblicke ihre Augen ertragen mussten.

 

Versorgungskette ist aktiviert

Doch die Kollegen bringen auch gute Nachrichten. Zwei Wochen nach dem verheerenden Tropensturm haben wir eine gut funktionierende Versorgungskette etabliert. Hier, in der ehemaligen Hauptstadt Myanmars Rangun, können wir die benötigten Hilfsgüter beschaffen – zu derzeit erstaunlich stabilen und vernünftigen Preisen. Deshalb müssen wir noch kein Material per Flugzeug importieren. Das spart Zeit, Geld und Energie.

 

Lagerhallen für die Hilfsgüter

Die beschafften Güter werden in eine gemietete Lagerhalle außerhalb der Stadt gebracht. "Die Halle ist gut geeignet", erklärt Rüdiger Ehrler, Projektleiter des Nothilfeteams der Welthungerhilfe. "Sie hat ein dichtes Dach, die Lastwagen haben guten Zugang und können gut bewacht werden. Außerdem liegt sie aus geografischer Sicht schon in Richtung Delta". Fünf gemietete LKWs bilden nun einen "Shuttle-Service". Sie werden täglich mit rund fünf Tonnen Gütern in der Lagerhalle beladen und in die Stadt Bogale gefahren.

Mindestens fünf Stunden dauert die Fahrt. Hindernisse sind durch tropischen Regen überflutete Straßen, morsche Holzbrücken – und Kontrollpunkte. Für Ausländer wäre spätestens hier Schluss. Aber zum Glück gibt es an den Kontrollstellen der Militärs bislang weder Probleme für unseren lokalen Mitarbeitern noch bei unseren Hilfsgütern.


Teamtreffen in Bogale

In der verwüsteten Stadt Bogale angekommen, geht es gleich in eine umfunktionierte Gebetshalle eines buddhistischen Klosters. Die LKWs werden dort von freiwilligen Helfern entladen. Die ehemalige Gebetshalle dient unseren Kollegen seit einer guten Woche als Büro, Schlaf- und Lagerraum. "Jeden Abend treffen wir uns hier nach den Verteilungen des Tages", erzählt der Logistiker aus dem Team. "Wir tauschen Informationen aus, besprechen den nächsten Tag, essen etwas – das Ganze schweißt uns als Team zusammen." Kein Wunder, sind die Mitarbeiter doch allesamt in einer außergewöhnlichen Stressituation.

Von Bogale aus geht es mit kleinen Booten in die südlichen Dörfer. Links und rechts der Ufer - Bilder der Zerstörung. Es sehe streckenweise aus wie in einer Wüste, sagt eine Kollegin. Mangrovenwälder, Palmenhaine, Häuser, Hütten, Felder – alles weg. Überall Trümmer, Verwüstung. Und in der Böschung hängen zahllose Wasserleichen, tote Kühe und Wasserbüffel. Kann man Mitarbeiter überhaupt auf solche Szenarien vorbereiten?

 

Umgang in einer Extremsituation

"Wir fragen die birmanischen Kolleginnen und Kollegen, wie sie sich fühlen, wie sie mit dieser Extremsituation zurechtkommen. Die Gefahr ist auf jeden Fall da, dass auch die Helfer im Delta selbst traumatisiert werden." Angela Schwarz, Programmleiterin der Welthungerhilfe in Myanmar, ist sich der Verantwortung für ihre Mitarbeiter bewusst. "Viele der lokalen Mitarbeiter arbeiten und leben sonst im Norden des Landes. Sie haben zwei mühsame Tagesreisen zurückgelegt, um hier die Arbeit zu machen, die wir Deutschen nicht machen dürfen."

 

Schnelle Problemlösungen retten Leben

Was aber sind unsere größten Herausforderungen für die Arbeit im Delta? Meine birmanischen Kollegen zählen eine lange Liste auf: Viele Boote im Delta sind zerstört worden. Für die verbleibenden wird der Diesel knapp. Unsere Lösung: Immer wieder packen wir ein Dieselfass mit auf einen LKW. Der Transport der Güter zwischen der Gebetshalle und dem Steg in Bogale dauert zu lange, weil er per Handkarren erfolgt. Unsere Lösung: Wir haben heute einen weiteren, wesentlich kleineren Lastwagen mit nach Bogale geschickt, der ab morgen diese Wege übernehmen wird.

Die Wege von der Stadt in die Dörfer sind weit – bis zu drei Stunden dauert eine Fahrt, was bedeutet, dass die Kollegen oft erst spät am Abend nach Bogale zurück kehren. Navigation auf teils unbekannten Kanälen und Flussarmen im Dunkeln, mit vielen Hindernissen und oft starken Monsunwinden – ein nicht ungefährliches Unterfangen. Unsere Lösung: Wir bemühen uns um die Anmietung von größeren, schnelleren Booten mit flachem Tiefgang, damit wir pro Fahrt wesentlich mehr Hilfsgüter auf einmal bewegen und somit nicht ganz so häufig fahren müssen.

 

Jetzt schon an Wiederaufbau denken!

Parallel zu der aktuellen Nothilfephase plant die Welthungerhilfe bereits die nächsten Schritte. Denn längst ist klar: Weit über die Verteilung von Lebensmitteln hinaus brauchen die Menschen im Irrawaddy-Delta Unterstützung, bis sie wieder ein würdiges und selbständiges Leben in ihren Dörfern führen können. Häuser müssen neu gebaut und Schulen wieder errichtet werden. Die landwirtschaftlichen Felder müssen wieder bearbeitet werden. Es werden Saatgut, Dünger und Geräte gebraucht.

Für diese zukünftigen Vorhaben, aber vor allem auch für die aktuelle Nothilfe, die sicher noch Wochen weiter gehen muss, brauchen wir die notwendigen Mittel. Nur mit Hilfe aus dem Ausland können die Menschen die drohende "Katastrophe nach der Katastrophe" überleben.  Und nur mit Spendengeldern aus Deutschland können die Lastwagen immer wieder mit den Hilfsgütern beladen werden.

Die Welthungerhilfe bittet um Spenden für die Opfer in Myanmar:

Welthungerhilfe
Kontonummer 1115
Sparkasse KölnBonn
BLZ 370 501 98
Stichwort: Nothilfe und Wiederaufbau

 

Letzte Änderung an dieser Seite: 21.05.2008

Online spenden

Bitte helfen Sie den Opfern des Sturms in Myanmar mit einer Spende.

(Überschüssige Spendenbeiträge werden auch in anderen Nothilfe-Projekten der Welthungerhilfe eingesetzt.)

Welthungerhilfe in Myanmar

Die Welthungerhilfe ist seit 2002 in Myanmar tätig. Schwerpunkte sind Ernährungssicherung und Wasserversorgung im Nordosten des Landes sowie in Außenbezirken von Rangun. Malteser International und die Welthungerhilfe sind die einzigen deutschen Nichtregierungsorganisationen, die mit eigenen Mitarbeitern Hilfsprojekte vor Ort umsetzen.

Hilfsprojekt in Myanmar

Gemeinsam mit ihrer Partnerorganisation Metta Development unterstützt die Welthungerhilfe seit Juni 2005 im Shan State rund 1.000 besonders bedürftige Familien. In der Mehrheit sind es Menschen, die den ethnischen Minderheiten der Wa, Lahu und Kachin angehören.

Karte von Myanmar

Länderinformationen über Myanmar

Welthungerhilfe in Myanmar

Die Welthungerhilfe ist seit 2002 in Myanmar tätig. Schwerpunkte der Arbeit sind die Ernährungssicherung, Armutsreduzierung, Wasserversorgung, Basisinfrastruktur und Nahrungsmittelhilfe. Hauptsächlich ist sie im Nordosten des Landes, in Außenbezirken von Rangun und im Irrawaddy-Delta tätig. 

Hilfsprojekt in Myanmar

Gemeinsam mit ihrer Partnerorganisation Metta Development unterstützt die Welthungerhilfe seit Juni 2005 im Shan State rund 1.000 besonders bedürftige Familien. In der Mehrheit sind es Menschen, die den ethnischen Minderheiten der Wa, Lahu und Kachin angehören.

Hilfsprojekt in Myanmar: Gegen Drogen - für eine bessere Ernährung

Hilfsprojekt in Myanmar: Humanitäre Hilfe für Nargis-Opfer in Rangun und im Irrawaddy Delta

Karte von Myanmar

Länderinformationen über Myanmar

Weitere Informationen

Zwei Monate nach Zyklon "Nargis" - Von zerstörten Dörfern und Menschen mit großem Lebensmut

Myanmar/Birma: Anderthalb Monate nach "Nargis" - Nothilfe und Wiederaufbau (Juni 2008)

Zwei Wochen nach "Nargis": Links und rechts der Ufer - Bilder der Zerstörung (21.05.2008)

Myanmar/Birma: Versorgungskette der Welthungerhilfe ins Irrawaddy-Delta steht (20.05.2008)

Myanmar/Birma: Welthungerhilfe weitet Hilfe im Katastrophengebiet aus (16.05.2008)

Audio-Service: Ralph Dickerhof berichtet aktuell aus Myanmar/Birma (15.05.2008)

Myanmar/Birma: Welthungerhilfe startet Verteilung im Irrawaddy-Delta (14.05.2008)

Myanmar/Birma: "Man könnte glatt verrückt werden..." - Helfen unter schwierigsten Bedingungen (14.05.2008)

Zyklon in Myanmar/Birma: Hilfe in Myanmar erreicht die Opfer (12.05.2008)

Myanmar/Birma: Verteilung von Nahrungsmitteln und Hilfsgütern ist angelaufen (08.05.2008)

Zyklon verwüstet weite Teile von Myanmar/Birma:Welthungerhilfe stellt 500.000 Euro für Sturm-Opfer zur Verfügung (07.05.2008)

Myanmar/Sturm "Nargis": Welthungerhilfe ruft zu Spenden auf (06.05.2008)

Audio-Service: Angela Schwarz über die Situation nach dem Sturm in Myanamr (06.05.2008)

Sturm verwüstet Myanmar/Birma – Projektgebiete der Welthungerhilfe auch betroffen (06.05.2008)

Weitere Informationen

Besorgnis über Lage in Myanmar: Solidarität mit der armen Bevölkerung in Myanmar (18.10.2007)

Myanmar: Überleben ohne Mohn

© Copyright 2011 Deutsche Welthungerhilfe e.V. – ImpressumKontaktDatenschutz