Nährstoffe gegen Mangelernährung

Nahrungsmittelanreicherung

Neue Studie zur Beseitigung von Mikronährstoffmangel

Anreicherung von Nahrungsmitteln: "Techno-Fix" oder nachhaltige Lösung für versteckten Hunger?

Etwa zwei Milliarden Menschen weltweit nehmen laut FAO nicht ausreichend Mikronährstoffe zu sich. Vitamine und Mineralstoffe wie Jod, Folsäure, Eisen, Zink sind aber grundlegend für die Gesundheit. Eine Unterversorgung mit Mikronährstoffen führt ebenso wie Unterernährung zu Mangelernährung – mit verheerenden Folgen insbesondere für Frauen und Kinder in Entwicklungsländern.

Das Risiko bei der Geburt zu sterben ist bei mangelernährten Frauen höher. Und auch ihre Babies kommen häufig schon mit dieser Vorbelastung zur Welt. Fehlernährte Kleinkinder leiden besonders unter einem geschwächten Immunsystem und sind damit anfälliger für Krankheiten. Zudem wird ihre geistige und körperliche Entwicklung unumkehrbar eingeschränkt und verzögert. Diese Ernährungsprobleme beeinträchtigen nicht nur die Lebenschancen von einzelnen Menschen. Im Falle der Entwicklungsländer hemmen sie eine nachhaltige Entwicklung ganzer Gesellschaften.

In Entwicklungsländern leiden Frauen auf dem Land besonders unter Armut. Ein Problem mit Folgen.
In Entwicklungsländern leiden Frauen auf dem Land besonders unter Armut. Ein Problem mit Folgen.
Maniok ist in vielen Ländern das wichtigste Grundnahrungsmittel - enthält aber zu wenig Mikronährstoffe wie Vitamine. © Grossmann
Maniok ist in vielen Ländern das wichtigste Grundnahrungsmittel - enthält aber zu wenig Mikronährstoffe wie Vitamine. © Grossmann
Weltweit ernähren sich immer mehr Menschen ungesund oder einseitig. Die Folge: Chronische Krankheiten.
Weltweit ernähren sich immer mehr Menschen ungesund oder einseitig. Die Folge: Chronische Krankheiten.
Softdrinks und Fertiggerichte: Der ungesunde Lebensstil erreicht zunehmend die Entwicklungsländer. © Jungeblodt
Softdrinks und Fertiggerichte: Der ungesunde Lebensstil erreicht zunehmend die Entwicklungsländer. © Jungeblodt

Vitamin- und Mineralstoffmangel: Ursachen für versteckten Hunger

Da die Auswirkungen von Vitamin- und Mineralstoffmangel häufig nicht auf den ersten Blick sichtbar sind, spricht man in der Fachwelt auch von "verstecktem Hunger". Sogar Übergewichtige, die genügend Kalorien und Proteine zu sich nehmen, können davon betroffen sein. Weltweit ernähren sich immer mehr Menschen ungesund oder einseitig. Schuld daran sind hochverarbeitete Lebensmittel sowie zucker-, salz- und fetthaltige Produkte. Die Folge: Chronische Krankheiten des Herzkreislaufsystems oder Diabetes belasten immer mehr Menschen.

Linderung von Nährstoffmangel durch Technik - eine nachhaltige Lösung?

Technische Lösungen zur Linderung von Nährstoffmangel hat die Wissenschaft längst entwickelt: In Europa oder den USA können mittlerweile in jedem Supermarkt Lebensmittel gekauft werden, die mit Vitaminen und Mineralien angereichert sind. So gibt es Sojamilch mit Zink, Säfte mit Kalzium und Vitamin D, Brot und Eier mit Omega-3-Fettsäuren und mit Jod angereichertes Salz. Auch in Entwicklungsländern werden Grundnahrungsmittel wie Speiseöl, Mehl oder Gewürze mit den am häufig in der Ernährung fehlenden Vitaminen und Mineralstoffen angereichert.

Nahrungsmittelanreicherung ist umstritten

Nahrungsmittelanreicherung, auch Fortifizierung genannt, wird allerdings unter Ernährungswissenschaftlern kontrovers diskutiert. Vor diesem Hintergrund haben die Welthungerhilfe und terre des hommes eine Studie veröffentlicht. Die Publikation „Anreicherung von Nahrungsmitteln: „Techno-Fix“ oder nachhaltige Lösung für versteckten Hunger?“ gibt einen Überblick über die Pro- und Contra-Argumente und über den aktuellen Stand der Debatten auf internationaler Ebene. Die zentralen Punkte dabei sind:

  • Über angereicherte Grundnahrungsmittel können große Teile der Bevölkerung mit fehlenden Vitaminen und Mineralstoffen versorgt werden. Gute Beispiele wurden mit der Jod-Anreicherung von Salz und der Vitamin A-Anreicherung von Süßkartoffel-Saatgut erreicht.

  • Jedoch kommt es durch die Anreicherung von Nahrungsmitteln nicht zu einer Änderung der Essgewohnheiten bei den betroffenen Bevölkerungsgruppen. Diese sind nur langfristig zu beeinflussen.
  • Allerdings kann der Einsatz von angereicherten Nahrungsmittel in Krisenzeiten und Notfällen sinnvoll sein, um Mangelerscheinungen entgegen zu wirken. Oder auch um Mikronährstoffmangel bei besonders schutzbedürftigen Gruppen (wie z.B. Menschen mit HIV) vorzubeugen.
  • Fakt ist aber dabei, dass diese Nahrungsmittel nicht immer diejenigen erreichen, die darauf angewiesen sind. Entweder verfügen sie nicht über ausreichend finanzielle Mittel oder sind schlichtweg nicht in abgelegenen ländlichen Regionen verfügbar sind.

  • Zudem besteht durch die Gewöhnung an kommerzielle Produkte die Gefahr, dass natürliche Ernährungspraktiken (z.B. das Stillen anstelle von Milchersatznahrung) und angepasste Nahrungspflanzen mit hochwertigen Inhaltsstoffen (z.B. Amaranth in Mali oder im Andenraum) verdrängt werden.
  • Einseitige Ernährung und Krankheiten, die verhindern, dass der Körper die notwendigen Nährstoffe aus der Nahrung aufnehmen kann, sind meist armutsbedingt. Daher muss Hunger- und Armutsbekämpfung stets Hand in Hand gehen. Ein dauerhafter Zugang zu abwechslungsreicher und bezahlbarer Nahrung ist für arme Menschen enorm wichtig.

Nahrungsmittelanreicherung ist keine dauerhafte und nachhaltige Lösung der weltweiten Mangelernährung. Sie ist nur eine von vielen Möglichkeiten, um Lücken in der Nährstoffversorgung zu schließen. Der erstrebenswerteste und nachhaltigste Ansatz, den versteckten Hunger zu bekämpfen, ist die Förderung einer ausgewogenen Ernährung, die alle Nährstoffe enthält, die der Körper für ein gesundes und aktives Leben benötigt. Lesen Sie mehr in der aktuellen Studie zur Anreicherung von Nahrungsmitteln!

Die Publikation bildet den Auftakt für eine neue internationale Reihe „Zur Zukunft der globalen Beziehungen“, die von Welthungerhilfe und terre des hommes in Deutsch und in Englisch herausgegeben wird. Ziel der Reihe ist es, Themen mit aktueller entwicklungspolitischer Relevanz und mit Bezug zu unserer Programmarbeit vertieft zu behandeln. Dabei sollen politische Szenarien und Entwicklungen sowie mögliche Konsequenzen für unsere Partner und die Menschen, für die wir arbeiten, aber auch für unsere Organisationen selbst, aufgezeigt werden. Die Reihe soll Kontroversen und unterschiedliche Auffassungen sichtbar machen und so einen relevanten Beitrag zu Zukunftsfragen der globalen Beziehungen leisten.

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