Wettlauf um Nahrung und Ackerflächen
Die Weltbevölkerung wächst schneller als die Getreideproduktion

Grafik: Wettlauf um Nahrung und AckerflächenWeltweit werden etwas mehr als zwei Milliarden Tonnen Getreide geerntet. Schon seit Jahren wächst die Erntemenge langsamer als die Weltbevölkerung. Heute werden gut 300 Kilogramm Getreide pro Erdbewohner geerntet. Das entspricht etwa dem Stand im Jahr 1970.
Die zwischenzeitlichen Erfolge durch verbessertes Saatgut, intensive Bewässerung, Dünger- und Pestizideinsatz sind vom Bevölkerungswachstum wieder aufgezehrt worden. Dennoch: Rein rechnerisch wird genug Getreide produziert, um alle Menschen ausreichend zu ernähren. Doch fast die Hälfte des Korns wird an Vieh verfüttert. Aus 100 Kalorien im Getreide werden zehn Kalorien im Fleisch. Durch diese "Veredelung" gehen 90 Prozent der geernteten Nahrungskalorien verloren. Und die Fleischproduktion steigt weiter.
Import der Armen
Nur etwa 12 Prozent der weltweiten Getreideernte gehen in den internationalen Handel. Mit Abstand größter Getreideexporteur sind die USA. Die wichtigsten Netto-Importeure sind der Mittlere Osten, einige Länder Südostasiens sowie Afrika. Schon heute importieren die Entwicklungsländer fast dreimal soviel Getreide wie sie ihrerseits verkaufen und dieser Nettobedarf wird weiter steigen.
Weniger Fläche
Dramatisch entwickelt sich die verfügbare Ackerfläche pro Kopf der Erdbevölkerung. Heute steht für den Anbau von Getreide nur wenig mehr Fläche zur Verfügung wie 1970 – doch damals gab es fast drei Milliarden Menschen weniger. Konkret: Damals wurden weltweit rund 0,18 Hektar Ackerfläche pro Kopf angebaut, heute sind es noch knapp 0,11 ha. Dieser Trend wird anhalten.
Auslaugung droht
Durch Erosion, Versalzung oder Austrocknung gehen jährlich zwischen fünf und sieben Millionen Hektar landwirtschaftlicher Nutzfläche verloren – alle fünf bis sechs Jahre eine Fläche der Größe Deutschlands. Zugleich werden immer neue Flächen durch künstliche Bewässerung und Terrassierung, durch Abholzen und den Einsatz von Dünger urbar gemacht. Doch damit sind meist gravierende Eingriffe in den Naturhaushalt verbunden. Oft sind so gewonnene Ackerflächen nach wenigen Jahren schon wieder ausgelaugt. Mittlerweile gelten mehr als ein Viertel aller genutzten Böden als gefährdet.
Forderung nach mehr Schutz
Experten schätzen, dass jährlich rund 25 Milliarden Tonnen Bodenkrume verloren gehen. Nach UN-Berechnungen müssten in den kommenden 20 Jahren insgesamt rund 200 Milliarden Dollar für Bodenschutzprogramme ausgegeben werden, um den Verlust von Ackerflächen und die Ausbreitung der Wüsten einzudämmen. Doch nur ein Bruchteil dieser Summe wird tatsächlich bereitgestellt.
Zuwenig Geld steht auch für die Sicherung von bereits geerntetem Getreide zur Verfügung. Mancherorts gehen bis zu einem Drittel der Ernte durch falsche Lagerung und Schädlinge verloren. Mittlerweile gehört es zu den wichtigsten Aufgaben der Agrartechnik, solche Nachernte-Verluste zu reduzieren.
(Autor: Karl-Albrecht Immel; Stand: März 2006)
