Gewinner und Verlierer der steigenden Nahrungsmittelpreise

Gemüsemarkt in Burundi. © LyonsDie Nahrungsmittelpreise sind im Steilflug nach oben. Wir Konsumenten merken es beim Einkaufen an den Preisen für Milch, Brot oder Nudeln. Aber auch Landwirte und Börsianer verfolgen die explodierenden Kurse für Agrargüter sehr genau: Zwischen den Jahren 2000 und 2007 stieg der Preis für einen Scheffel Weizen (etwa 27 Kilogramm) lediglich um rund zwei auf fünf Euro. Innerhalb von einem Jahr sprang der Preis jedoch auf knapp zwölf Euro im Jahr.
Hoffnung für Landwirte: gerechte Preise für Agrarprodukte
Für Landwirte in Industrienationen sind diese Preissteigerungen ein Grund zur Hoffnung: Endlich könnte es möglich werden, aus der eigenen Ernte einen angemessenen Verdienst zu erwirtschaften. Seit langem fordern Bauern gerechte Preise für landwirtschaftliche Produkte – im Norden wie auch im Süden. Während Landwirte in den meisten Industrieländern durch Subventionen unterstützt werden, müssen ihre Kollegen in den Entwicklungsländern ihren Verdienst auf dem freien Markt erzielen. Für Bauern in Entwicklungsländern bedeutete dies bislang, dass sie nur durch billige Arbeitskraft oder klimatische Standortvorteile auf dem Weltmarkt konkurrieren konnten. Nun geben die Preissteigerungen Anlass zur Hoffnung, dass die Landwirtschaft im Süden wieder rentabler wird.

Agrarprodukte wie Palmöl
werden zunehmend für Treib-
stoffe produziert. © FrankWer sind die Gewinner?
Die Preissteigerungen wirken sich vor allem für die Bauern positiv aus, die über genügend Fläche und eine gute Verkehrsanbindung verfügen und hohe Qualitätsstandards erfüllen können. Auch die verarmten Baumwollbauern in den Entwicklungsländern können von den aktuellen Entwicklungen profitieren: Die USA werden ihren hochsubventionierten Baumwollanbau zugunsten des Maisanbaus für Agrotreibstoffe reduzieren. Damit könnten die Marktchancen und Gewinne für Baumwolle aus Entwicklungsländern, vor allem in Afrika, wieder steigen.

Wenn die Felder zu klein sind,
reicht die Ernte oft nicht
zum Überleben. © DWHHVerlierer sind Kleinbauern und Landlose
Von den Preissteigerungen profitieren jedoch nicht alle Menschen: Am meisten leiden unter den aktuellen Entwicklungen Kleinbauern, Subsistenzbauern und Landlose in den ländlichen Räumen der Entwicklungsländer. Wer mit weniger als einem Dollar am Tag seinen Lebensunterhalt bestreiten muss, kann sich kaum noch Grundnahrungsmittel leisten. Das betrifft mit weltweit 980 Millionen (UNDP 2007) doppelt so viele Menschen, wie die EU an Einwohnern zählt!
Dazu kommt, dass die Ärmsten der Armen zu kleine Anbauflächen besitzen, um ausreichend Nahrung zu produzieren und Gewinne zu erwirtschaften. Notwendige Landreformen oder Genossenschaftsbildungen sind bislang nur selten erfolgt. Die Erträge reichen bislang weder für die Selbstversorgung noch für die Existenzsicherung der Arbeiter. Sobald die eigenen Ernteerträge aufgebraucht sind, müssen Kleinbauern wie auch Landlose Nahrungsmittel auf dem Markt kaufen – immer öfter zu unerschwinglichen Preisen.

Unerschwingliche Preise für
Nahrung in Burkina Faso.
© Grossmann
Arme in den Städten: Geld reicht nicht für Lebensmittel
Aber auch in den Städten sind zunehmend Geringverdiener von den Preissteigerungen betroffen: Das Geld reicht für den Einkauf von Lebensmitteln nicht mehr. Der Teufelskreis aus Preissteigerungen, Armut und Hunger führt bereits heute zu handfesten Konflikten: Nicht nur in Mexiko haben die Menschen massiv gegen unzumutbare Tortillapreise protestiert. Auch Burkina Faso erlebte im Februar 2008 mehrere Aufstände, weil Nahrung und Kleidung unerschwinglich geworden sind.
Wege aus der Hungerkrise - das fordert die Welthungerhilfe: der 10-Punkteplan
Weitere Informationen
Welthungerhilfe warnt vor den Folgen der hohen Nahrungsmittelpreise (10.04.2008)
Gewinner und Verlierer der steigenden Nahrungsmittelpreise (09.04.2008)
Welthungerhilfe und terre des hommes kritisieren Rückgang der Entwicklungshilfe (04.04.2008)
Menschenrecht auf Nahrung - Instrument zur Bekämpfung von Hunger
Fachkonzept Ernährungssicherung:
Grafik: Steigende Preise für Lebensmittelimporte in armen Ländern
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