Nepals starke Frauen: Eigenes Geld und Unabhängigkeit durch Kooperativen

Lesen Sie diesen Artikel auch in der Welternährung I/2009

Das starke Geschlecht: Frauen in Nepal. © Ruffert
Das starke Geschlecht: Frauen in Nepal.
© Ruffert
Das Leben im Terai, einer Region am Fuße des majestätischen Himalaya-Zentralmassivs, war nicht immer angenehm: Bis in die 1950er Jahre hinein beherrschten Malariamücken das Gebiet. Nur die einheimischen Tharu waren dagegen immun. In den letzten Jahrzehnten wurde der Erreger jedoch weitgehend ausgerottet, was einen starken Zuzug von Siedlern nach sich zog. Heute leben dort 47 Prozent der knapp 30 Mio. Einwohner Nepals, obwohl es nur 14 Prozent der Staatfläche ausmacht.

Da Männer häufig ins Ausland ziehen um Geld für die Familie zu verdienen, leben nicht selten mehr Frauen in den Dörfern des Terai. Und wer nicht nach Malaysia oder in die Golf-Emirate geht, verlässt sein Dorf, um bei der Polizei oder dem Militär eine Anstellung zu finden. Doch die zurückgebliebenen Frauen wollen nicht nur auf die Überweisungen warten. Sie werden selbst aktiv und gründen Kooperativen, in denen sie die gesamte Verantwortung tragen.

 


Starke Frauen. © Ruffert
Starke Frauen. © Ruffert
Hilfe bei der Selbstvermarktung

Bei diesem Engagement werden sie tatkräftig durch eine große Nichtregierungsorganisation unterstützt, der Rural Reconstruction Nepal (RRN), einem Projektpartner der Welthungerhilfe. Mit den landwirtschaftlichen Techniken sind die Frauen seit Generationen vertraut. Doch sie benötigen Unterstützung, um ihre Produkte über den lokalen Rahmen hinaus zu vermarkten.

RRN hilft ihnen nicht nur dabei, neue Absatzmärkte zu finden, sondern bietet auch Unterstützung in der landwirtschaftlichen Produktion. Neben der Zucht von Kleinvieh und dem Reisanbau werden auch Tomaten, Bohnen, Rettich, Zwiebeln und Kohl sowie Chili, Knoblauch und Koriander angebaut, da sie oftmals eine reiche Ernte liefern. Die Fischzucht ist ebenfalls verbreitet. Vor allem Karpfen wachsen rasch und sind begehrt.

Eines liegt der RRN dabei besonders am Herzen: Die landwirtschaftlichen Kooperativen sollen bei ihrer Produktion auf Pestizide verzichten und stattdessen organischen Dünger verwenden. Das ist im Anfangsstadium ein recht mühsames Unterfangen, doch die Überzeugungsarbeit trägt bereits Früchte. "Richtig angewandt sind die Erträge keinesfalls geringer und sie sichern uns auf die Dauer die Möglichkeit, unsere Böden bearbeiten zu können", meint Chita Chandhary, die mit 23 Jahren bereits die Verantwortung für eine landwirtschaftliche Kooperative trägt.  

 

Saraswati mit einem ihrer gefiederten Zöglinge. © Ruffert
Saraswati mit einem ihrer
gefiederten Zöglinge.
© Ruffert
Frauen verwalten Fonds

Auch Saraswati Tiwari schrieb Mitglied einer Frauenkooperative eine bemerkenswerte Erfolgsgeschichte: Der von den Frauen verwaltete Fonds finanziert Kredite mit zehn Prozent Zinsen - das ist halb so viel wie Banken oder Geldverleiher fordern. Saraswati Tiwari bediente sich mit 15.000 Rupien (150,- €), die sie in einen Hühnerhof investierte. Und schon nach kurzer Zeit entwickelte sich die Finanzierung zu einem lukrativen Projekt. 50.000 Rupien hat sie dadurch bereits eingenommen. "Das Geld benötige ich für eine bessere Ausbildung meiner Kinder. Sie sollen es später einmal leichter haben. Und es bleibt auch noch etwas für Pflanzensamen und Haushaltsartikel übrig", erklärt die 32-Jährige stolz.

 

Letzte Änderung an dieser Seite: 16.06.2009
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