Nicaragua: Frühe Warnung vor Naturkatastrophen

Rettungsübung: Ein Seil wird über einen Fluss gespannt.  Im Ernstfall sollen die Menschen so gerettet werden, wenn die Brücken eingestürzt sind. © Bolesch


In Zentralamerika treten Naturkatastrophen immer öfter auf. Vor allem nimmt die Häufigkeit und Stärke von Wirbelstürmen spürbar zu. Allein im Jahr 2005 musste Nicaragua 15 Hurrikans verkraften; in der Regel sind es nur neun Stürme pro Saison. Bereits im Jahr 2001 hat die Welthungerhilfe damit begonnen, kurzfristig angelegte Überlebenshilfe mit langfristiger Katastrophenprävention zu verbinden. Maßnahmen zur nachhaltigen Entwicklung des Landes wurden ebenfalls in das Konzept integriert. Mit Erfolg.


Die Menschen in Limay leben
hauptsächlich von Viehzucht.
© Bolesch
Entstehung des Konzepts

In San Juan de Limay, Teil des Departements Estelí im Norden von Nicaragua, entwickelte die Welthungerhilfe gemeinsam mit INPRHU ein Konzept für langfristiges Katastrophenmanagement. Die Vorgaben: kostengünstig, nicht zu zeitintensiv, Einbeziehung der lokalen Bevölkerung. Ziel der Analyse war die Klärung von Ursachen und die Erarbeitung von Ansatzpunkten für Vorsorgemaßnahmen. Bei der Auswertung vorhandener Materialien kooperierte das Projektteam mit der Bezirksverwaltung und dem Zivilschutz.

 


Unbefestigte Pisten sind
schon in Trockenzeiten
anstrengend. ©
Bolesch

Vorgehensweise

15 Dörfer und die Stadt San Juan de Limay identifizierten die Mitarbeiter als Orte mit dem höchsten Katastrophenrisiko. Um die Gefährdung durch beispielsweise Trockenheit, Überschwemmungen und Erdrutsche zu bestimmen, wurden Ortsbegehungen und Messungen vorgenommen sowie Luftbilder ausgewertet. Für die Anfälligkeitsanalyse wurden vier Gruppen bestimmt: soziale, wirtschaftliche, ökologische und physische Anfälligkeit. Der Anfälligkeitsgrad jedes Ortes berechnete sich anhand des jeweils vorhandenen Kapitals. Auf diese Weise war es möglich, die besonders gefährdeten Orte herauszufiltern. Unter Berücksichtigung der unterschiedlichen Naturphänome wie auch der entsprechenden Vorsorgemaßnahmen konnte so für jeden Ort ein klares Profil erstellt werden.

 

Jürgen Schmitz. © DWHH
Jürgen Schmitz. © DWHH
Szenario

Jürgen Schmitz von der Welthungerhilfe in Nicaragua: "Im oberen Bereich der Flusseinzugsgebiete befinden sich Niederschlagsmesser, die bei einer Unwetterwarnung permanent überwacht werden. Auf Basis von hydrologischen Studien errechnen sich Grenzwerte, deren Ergebnis per Funk an das Landbezirkskomitee übermittelt werden. Dort werden die Werte überprüft und das Nivea der Warnung bestimmt: grün bedeutet "Bereitschaft", bei gelb folgt eine "Evakuation" und rot heißt Alarm an die "Nationale Hilfe". Anhand von Risikokarten werden die betroffenen Menschen in den jeweiligen Gemeinden identifiziert und über eine Radiostation benachrichtigt. Vom Feststellen des erhöhten Pegelstandes bis zur Evakuierung vergehen dank unseres gut funktionierenden Frühwarnsystems nur drei bis vier Stunden."
 


Satellitenbild vom Hurrikan
Mitch vom 26. Oktober 1998.
Die Katastrophe Mitch

Nicaragua hatte neben Honduras am stärksten unter den Auswirkungen von Hurrikan Mitch im Jahr 1998 zu leiden. 3.132 Menschen starben. Die direkten und indirekten Schäden beliefen sich auf 988 Millionen US-Dollar. Das waren 45 Prozent des nationalen Bruttoinlandsproduktes des selben Jahres. Die Kosten für den Wiederaufbau wurden auf 1,34 Mrd. US-Dollar geschätzt. Gemeinsam mit der nicaraguanischen Partnerorganisation INPRHU (Instituto der Promoción Humana) beteiligte sich die Welthungerhilfe am Wiederaufbau im Land. Allerdings wurde sehr schnell klar, dass sich ohne entsprechende Vorsorgemaßnahmen Katastrophen wie Mitch jederzeit wiederholen können.

 

Euro

Letzte Änderung an dieser Seite: 16.05.2012
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