Koffer sind immer gepackt

Koffer sind immer gepackt

Interview mit Welthungerhilfe-Nothelfer Jürgen Mika

Jürgen Mika (41) gehört seit über fünf Jahren zum Nothilfeteam der Welthungerhilfe. Von seiner Wahlheimat Simbabwe aus fliegt er in Katastrophengebiete, um als Ersthelfer den Einsatz der Welthungerhilfe zu koordinieren. In Interview erzählt er, wie seine Einsätze aussehen

Jürgen Mika im Gespräch
Passiert irgendwo auf der Welt eine Katastrophe, bricht Nothelfer Jürgen Mika sofort auf, um den Betroffenen zu helfen. © Grossmann


Warum sind Sie Nothelfer?
Ich bin von der Nothilfe überzeugt. Denn die reine Nothilfe und auch der Wiederaufbau finden statt, wenn Hilfe von außen tatsächlich nötig ist - wenn Menschen sich nicht mehr alleine helfen können. Ich packe gern direkt mit an und schreibe nicht so gern Konzepte am Schreibtisch.

Eine Katastrophe tritt ein. Wann wissen Sie, dass Sie als Nothelfer in das Katastrophengebiet ausreisen müssen?
Zunächst findet sehr schnell eine Lagebesprechung in Bonn statt. Daran nehmen wichtige Vertreter aus der Zentrale der Welthungerhilfe teil: die zuständige Regionalgruppe, die Presseabteilung, die Spendenabteilung und der Programmvorstand. Die entscheiden, ob ein Nothilfeeinsatz nötig ist, und ob sich die Welthungerhilfe daran beteiligt. Ist die Entscheidung gefallen, kriegen wir, die Mitglieder des Nothilfeteams, eine Nachricht. Dann geht es los. In der Regel sind wir innerhalb von 48 Stunden vor Ort. Packen muss ich nie viel: Mein Koffer ist immer bereit. Da kommen noch die entsprechenden Klamotten rein – je nachdem wo es hingeht – fertig.

Wie muss man sich das vorstellen, als einer der ersten in einem Katastrophengebiet anzukommen?
Katastrophen haben eines gemeinsam: das anfängliche Chaos. Doch auch wenn ich als Ersthelfer einreise, bin ich selten alleine. Denn wir leisten in der Regel nur dort Nothilfe, wo wir bereits Projekte und einen lokalen Partner haben. So sind schon Strukturen da, die wir nutzen: ein Büro, Transportmöglichkeiten oder logistische Unterstützung.

Gibt es eine feste Vorgehensweise, wie Ihre ersten Schritte im Einsatzland aussehen?
Ja: Das erste, um das ich mich kümmere, ist eine Unterkunft. Oft wird ein Hotel gleichzeitig mein Büro und meine Schlafstätte. Dann nehme ich Kontakt zu den Vereinten Nationen auf, die die Hilfe vor Ort koordinieren. Dort erkundige ich mich auch darüber, wer wo was macht und wo Hilfsbedarf besteht. So stimmen wir unsere Hilfe mit den anderen Hilfsorganisationen ab.

Ist die Vorsorge vor künftigen Katastrophen bereits Teil der Maßnahmen in der Nothilfephase?
Nein, in der Nothilfephase geht es ums nackte Überleben. Da kümmert man sich nicht um solche Dinge. Erst in der Wiederaufbauphase wird über Vorsorge nachgedacht.

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Andrea Padberg

Andrea Padberg

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