Ost-Kongo: Kämpfe, Hinrichtungen und eine unbestimmte Anzahl an Flüchtlingen

Die Menschen im Ost-Kongo müssen seit
Jahren bereits viel Leid ertragen. © BoleschGeorg Dörken, Programm-Manager der Welthungerhilfe für den Kongo, ist zurück aus der nordkongolesischen Stadt Goma. Lesen Sie seine Einschätzungen zur Krisensituation:
Auch Alltag
Die Lage in den umkämpften Gebieten um die Stadt Goma ist nach wie vor angespannt. Hin und wieder kehrt sogar der normale Alltag ein im Ost-Kongo: Dann sind die Geschäfte geöffnet, die Menschen nehmen ihre täglichen Anliegen wahr, auf den Straßen herrscht verhältnismäßig hoher Betrieb.
Kämpfe und Hinrichtungen
Allerdings kann sich jederzeit das Kriegsfeuer neu entfachen. Die Rebellen-Milizen stehen weiterhin in naher Entfernung vom Flughafen und der Stadt Goma. Laurent Nkundas Truppen weiten ihr Territorium zielgerichtet und gut durchorganisiert aus. Mittlerweile umfasst es eine Fläche so groß wie das Saarland. Im Norden des Landes, ca. 75 Kilometer von Goma entfernt, finden weiterhin Kämpfe zwischen Rebellen und Regierung statt. Es wird von Hinrichtungen an Zivilisten berichtet.

Frauen im Kongo beim
Zubereiten von Essen.
© KaiserUnbekannte Anzahl an Flüchtlingen
Ferner bestehen keine gesicherten Angaben darüber, wie viele Menschen nun tatsächlich auf der Flucht sind. Die Zahlen schwanken zwischen 45.000 bis 50.000, 200.000 bis 250.000 und einer Million. Dörken schätzt die realistische Zahl auf 100.000 bis 200.000 Menschen ein. Auch weiß niemand genau, wo sich die Flüchtlinge aufhalten. Da es keine humanitären Korridore gibt, in denen sich die Menschen geschützt bewegen können, flüchten die meisten eher ziellos, um den Schusslinien der bewaffneten Konflikten zu entrinnen. Berichten zufolge sind viele Krisenopfer verzweifelt in ihre Dörfer zurückgekehrt.
Nach Ansicht von Dörken wird sich die Krise noch lange hinziehen, wenn die kongolesische Regierung den Rebellenführer Nkunda nicht am Verhandlungstisch zulässt. Erst vor wenigen Tagen bekräftige Präsident Joseph Kabila wieder seinen Entschluss: "Keine Verhandlungen mit Rebellen!"
Erst Fakten, dann Hilfe
Eine effiziente und zielgerichtete Hilfe erweist sich unter den genannten Voraussetzungen für die Welthungerhilfe als äußerst schwierig. Für den potenziellen Einsatzort im ländlichen Raum südlich von Goma, in Butembo, gibt es noch keine verlässlichen Zahlen, berichtet der kürzlich zurückgekehrte Dörken. "Besonders in den ländlichen Gebieten sind die Menschen auf Hilfe angewiesen. Doch noch fehlen uns die Fakten, um gezielt helfen zu können. Wir werden die Lage weiter beobachten und analysieren. Sobald die Datenlage für einen Einsatz seitens der Welthungerhilfe in Butembo spricht, werden wir schnellstmöglich handeln."
