Ein Dorf steht unter Wasser
Menschen im pakistanischen Multan sind auf Hilfe angewiesen

Ein Bewohner des Dorfes Multan hat sich vor dem
Wasser auf eine Insel gerettet. © GrossmannWasser, so weit das Auge reicht. Es hatte schon tagelang heftig geregnet, mit einer Flut hatte hier dennoch niemand gerechnet. Am 12. August, kurz vor Mitternacht kamen die Wassermassen im Distrikt Punjab an. Dr. Sajjad Hussain blieb nicht einmal eine halbe Stunde Zeit, zu fliehen. „Wir konnten nichts mitnehmen“, sagt der Tierarzt. Die Menschen in den tieferliegenden Dörfern der Punjab-Region waren den Wassermassen schutzlos ausgeliefert: Indus, Chenab und Sindh fließen dort wie in einem Trichter zusammen. Mitte August sind alle drei Flüsse über die Ufer getreten, riesige Ackerflächen und tausende Dörfer sind zerstört.
Dort, wo jetzt die Wassermassen stehen, wird die Welthungerhilfe bald im Einsatz sein. „Wir sind dabei, in Multan langfristige Hilfsstrukturen aufzubauen“, sagt Jürgen Mika. Der Nothilfekoordinator der Welthungerhilfe ist vor einigen Tagen aus dem Norden nach Multan, die größte Stadt im Flutgebiet Punjabs, gereist.

Tierarzt Hassain und seine
Familie sind auf Hilfsgüter
angewiesen. © GrossmannDie Welthungerhilfe wird hier ein Büro eröffnen. „Von Multan aus werden wir die Logistik für die Beschaffung und Verteilungen übernehmen“, berichtet Mika. In Muzaffargarh, einer Kleinstadt direkt im Flutgebiet, keine Stunde Autofahrt von Multan entfernt, wird ein Lager anmietet. Dort sollen schon in wenigen Tagen erste Verteilungsgüter sortiert, verladen und gemeinsam mit lokalen Partnern in den Dörfern verteilt werden. Planen, Nahrungsmittel, Hygienesets – der Bedarf ist immens.
Tierarzt Hussain ist einer von rund 20 Millionen Betroffenen landesweit. Seit drei Tagen campiert er mit seiner Familie in einem Flüchtlingslager auf dem Gelände einer Moschee. Rund 50 Zelte stehen davor, gespendet von einem Geschäftsmann aus der Region. „600 Menschen lebten in unserem Dorf. Die sind jetzt hier im Camp oder an der Straße“, sagt Hussain. Die Häuser sind zerstört, die Dorfbewohner leben am Straßenrand, die meisten haben nicht mehr als ein Bettgestell. „Ab und an fährt mal ein LKW vorbei, von dem aus Lebensmittel abgeworfen werden“, sagt der Doktor.

Younas hat ein Stück Brot
von einem Hilfstransport
ergattert. © GrossmannYounas hatte Glück. Der 14-Jährige konnte eine Tüte Brot fangen, die ein vorbeifahrender Hilfstransporter abgeworfen hat. Die Hilfsgüter werden in Islamabad und anderen Großstädten Pakistans von Stiftungen oder privaten Wohlfahrtsorganisationen gesammelt und meist von der Armee ins Flutgebiet gebracht. Younas und seinen Familie leben im Innenhof eines höher gelegenen Gehöftes gegenüber der Moschee. „Am Abend werden wir das Brot mit der ganzen Familie teilen“, sagte er. Derzeit ist Ramadan, vor Einbruch der Dunkelheit isst hier ohnehin niemand.
„Wir müssen jetzt dafür sorgen, dass den Menschen so schnell wir möglich geholfen wird“, betont Jürgen Mika. Noch immer seien ganze Landstriche von Hilfe abgeschnitten. Mit langfristigen Maßnahmen wie den Wiederaufbau oder der Instandsetzung der Felder werde man aber warten müssen, bis das Wasser weg ist. „Wir rechnen damit, dass das erst im November der Fall sein wird“.
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