Projektarbeit in Peru: Im Spannungsfeld zwischen nachhaltiger ländlicher Entwicklung und der Gewinnung von Rohstoffen

Quechua-Indianer waehrend eines feierlichen
Umzugs im Hochland von Peru. © DWHHDie Erdöl- und Gasförderung boomt in Peru. In Anbetracht der Situation auf den internationalen Rohstoffmärkten wird erwartet, dass sich der Expansionsprozess in den kommenden Jahren fortsetzen wird. Doch die Einnahmen des Staates sind dabei sehr begrenzt. Zwar verhelfen sie der Regierung zur Entwicklung der nationalen Wirtschaft. Denn im Wesentlichen kommen die Deviseneinnahmen dabei dem Schuldendienst zugute. Vor allem sollen sie die Zahlungsfähigkeit des peruanischen Staates sicherstellen. Die lokale Bevölkerung in den Bergbauregionen profitiert, wenn überhaupt, nur in sehr geringem Umfang – angesichts der dramatischen Armutssituation in den Bergbauregionen kein Vorzeigemodell: Rund 45 Prozent der Bevölkerung im andinen Hochland gilt als extrem arm, landesweit sind es 24,4 Prozent.
Auch hinsichtlich der Schaffung von Arbeitsplätzen hat der Bergbau einen nur sehr begrenzten Nutzen für die peruanische Wirtschaft, insbesondere auf lokaler Ebene. Nur 0,5 Prozent der ökonomisch aktiven Bevölkerung (ca. 70.000 Personen) sind fest oder zeitlich befristet im Bergbau direkt beschäftigt. Nach Schätzungen beläuft sich die Zahl der indirekt geschaffenen Arbeitsplätze auf rund 350.000.

Konkurrierende Flächenan-
sprüche: Landwirtschaft
versus Bergbau. © DWHHLebensräume der Bevölkerung sind bedroht
Neben den ökonomischen Auswirkungen ist der Übertagebau durch einen immensen Flächenbedarf charakterisiert. Ein Sechstel der Fläche des Landes ist bereits in Konzessionen vergeben. Und in den nächsten Jahren wird der Flächenanspruch weiter steigen. Zusätzlich gefährden chemische Substanzen, die zur Lösung der Metalle zum Einsatz kommen, die natürliche Umwelt. Die Folgen der weiter expandierenden Bergbauindustrie sowie der Erdöl- und Gasförderung werden zu einer Bedrohung für die Lebensräume der dort ansässigen Bevölkerung und gefährden die Sicherung ihrer Subsistenz. Dies trifft vor allem die Landwirtschaft, die Jagd und den Fischfang. Es trifft aber auch jene landwirtschaftliche Produktion, die zur Vermarktung auf lokalen, nationalen und internationalen Märkten dient.
Die Minengesellschaften sind natürlich bestrebt, ihre Abbaukonzessionen auch in Anspruch zu nehmen. Dazu müssen sie den Boden erwerben, unter dem sich die Rohstoffe befinden. Es liegt auf der Hand, dass dieser Landerwerbsprozess ein hohes Konfliktpotenzial birgt. Nicht selten fühlen sich die Kleinbauern bzw. Dorfgemeinschaften zum Verkauf genötigt. Denn unterschwellig wird mit der Enteignung des Landes gedroht. Der Verlust von Land ist aber in zweierlei Hinsicht problematisch: Zum einen sind die ökonomischen Alternativen zur Landwirtschaft gering. Zum anderen bedeutet dies einen Verlust territorialer und damit auch kultureller Bindung.

Biokraftstoff aus einem
Projekt der Welthungerhilfe
in Peru. © DWHHTrotz Bedenken weitere Förderung
Fern aller Bedenken will der peruanische Staat den Bergbau und die Erdölgewinnung fördern. Dabei sieht er seine Aufgabe in der Förderung und Unterstützung jener internationalen und nationalen Unternehmen, die er für die Ausbeutung der Bodenschätze konzessioniert hat. Die für diese Operationen notwendigen staatlichen Funktionen als Regulierungs- und Kontrollinstanz werden jedoch unzureichend und wenig effektiv ausgefüllt.
Auf der anderen Seite stehen Dorfgemeinschaften, Produzentenorganisationen, indigene Gruppen und Gemeinden sowie ihre Unterstützer der Zivilgesellschaft, die durch den massiven Eingriff in ihre Umwelt betroffen sind. Die Polarisierung entlang dieser Konfliktlinie hat ohne Zweifel in jüngerer Zeit zugenommen. Die Betroffenen betonen dennoch, dass sie den Bergbau und die Erdöl- bzw. Gasgewinnung nicht grundsätzlich ablehnen.
Im Rahmen der Hilfe zur Selbsthilfe unterstützt die Welthungerhilfe ihre Partner in Peru durch die Kraft des Dialogs. Die betroffenen Gruppen selber nutzen unterschiedlichste Formen, um ihren Interessen Ausdruck zu verleihen. Diese umfassen Dialog- und Verhandlungsprozesse ebenso wie juristische Maßnahmen oder öffentliche und friedliche Protestformen. In einigen Fällen konnten damit auch Erfolge erzielt werden.
Die Arbeit der Welthungerhilfe in Partnergremien verschafft den Partnerorganisationen eine Plattform, die Probleme zu artikulieren und gemeinsame Wege und Strategien zu entwickeln. Die Verbreitung von Informationen und der direkte Kontakt zu den Partnerorganisationen sind wichtige Mittel, die Thematik präsent zu halten und Ansprechpartner zu sein.
Mit ihrem Engagement in der Armutsminderung und der Hilfe zur Selbsthilfe bewegt sich die Welthungerhilfe in einem Spannungsfeld zwischen den wirtschaftlichen Interessen des Staates, denen der internationalen Gesellschaften sowie der partnerorientierten Zusammenarbeit mit nationalen Nichtregierungsorganisationen. Sie finanziert ihre Arbeit über öffentliche Mittel und privaten Spenden. Dabei gibt es keine Finanzierung ihrer Maßnahmen durch die Minengesellschaften, obgleich diese eigene Fonds für Entwicklungsmaßnahmen haben.
