Philanthropie plus X: Maßgeschneidertes Engagement

- Sie möchten viel voneinander erfahren: Dr. Albert Otten besucht Bewohner des Dorfes Sodo im Hochland Äthiopiens.
Förderer gut zu betreuen und langfristig zu binden. Das leistet die Welthungerhilfe schon lange. Nun heißt das ehrgeizige Ziel: Dies soll noch umfassender werden! Die Lösung lautet: X! Es steht für das "etwas mehr", den persönlichen Bezug, für individuelle und maßgeschneiderte Angebote und Betreuung.
Das X steht aber auch für die Entwicklung innovativer Fundraising-Instrumente für vermögende Förderer.
Dr. Albert Otten, Geschäftsführer der Stiftung Welthungerhilfe, erläutert das ganzheitliche Konzept:
Der Name "Philanthropie plus X" macht neugierig – was genau steckt dahinter?
Otten: Schön, wenn dieser Effekt entsteht. Denn wer neugierig ist, der schaut vielleicht genauer hin, beschäftigt sich intensiver mit uns und möchte mehr erfahren. Philanthropen sind Menschen, die anderen Menschen helfen wollen. Genau diese Menschenfreunde möchten wir für ein Engagement begeistern und einladen, mit uns als Welthungerhilfe zusammenzuarbeiten. Das "X" steht für das "etwas mehr", den persönlichen Bezug, die individuellen Angebote und die Betreuung durch unser Team. Wir verstehen darunter ganz unterschiedliche Möglichkeiten, sich zu engagieren – vom direkten Fördern über das langfristige Stiften bis zum sinnvollen Vererben. Diese entwickeln wir im Dialog mit Interessierten, die sich von "Philanthropie plus X" angesprochen fühlen.
Ihr Botschaft lautet: "Engagement maßgeschneidert". Wie sieht das konkret aus?
Otten: Menschen, mit denen wir ins Gespräch kommen, möchten über das klassische Spenden hinaus langfristig etwas bewirken. Wir fragen nach, in welche Richtung das gehen könnte, ob sie lieber regional in Afrika, Asien oder Lateinamerika helfen möchten. Oder noch konkreter: Kindern eine Grundlage schaffen, um in die Schule gehen zu können, wozu beispielsweise eine gesicherte Ernährung gehört. Andere sehen für sich eher das Thema Ökologie und wie es mit Ernährungssicherung unter einen Hut gebracht werden kann. Für all diese Wünsche schneidern wir ein passendes Angebot. Das kann beispielsweise im Bereich Umwelt und humanitäre Hilfe ein Stiftungsfonds sein, wie ÖkoHuman, den ein Stifter ins Leben gerufen hat und dem sich nun viele andere anschließen.
Sind solche Wünsche in jedem Fall umsetzbar?
Otten: Da sind wir ganz ehrlich - Engagement hat auch Grenzen. Wenn jemand den Bau einer Schule in Nordkorea finanzieren möchte, die Welthungerhilfe dort aber kein Mandat für den Schulbau hat und es somit im Projektplan nicht vorgesehen ist, dann müssen wir leider sagen: Es tut uns Leid, aber das können wir nicht realisieren. Nichtsdestotrotz geben wir Anregungen von Förderern an die Programmabteilung weiter. Wir suchen den Dialog und finden Lösungen. Oft gibt es einen Kompromiss, der beide Seiten zufriedenstellt.
Was hat Sie dazu bewogen, neue Wege im Fundraising zu gehen?
Die Idee entstand aus dem Team heraus. Sie ist das Ergebnis von Erfahrungen aus der täglichen Arbeit. Denn die Mitarbeiter stellten fest, dass ihre Gesprächspartner, also Menschen mit etwas größeren finanziellen Möglichkeiten, auch einen individuellen Weg im Kampf für eine Welt ohne Hunger einschlagen möchten. Bisher haben wir separate Beratungen zu den Schwerpunkten Stiften, Fördern und Vererben angeboten. Tatsächlich geht es den Gesprächspartnern aber um eine individuelle Lösung, die auch themenübergreifend sein kann.
Sie bieten "Service aus einer Hand". Was ist neu daran?
Otten: Früher handelten Verein und Stiftung eher für sich, nun sind die Stiftung Welthungerhilfe und der Verein näher zusammengerückt. Vor allem im Interesse unserer Förderer, ihnen noch mehr Service zu bieten. Nun muss ich nicht sagen: Ah, Sie interessieren sich mehr für ein Vermächtnis? Dann setzt sich mein Kollege mit Ihnen in Verbindung! Dass jeder im Team alles aus einer Hand bietet, bedeutet eine Erleichterung für den Gesprächspartner, er wendet sich an uns und erhält eine maßgeschneiderte Lösung. Ein Schritt, für den wir viel Zuspruch erwarten.
Private Großspender oder Stifter haben ganz individuelle Interessen, die Sie berücksichtigen. Welche beispielsweise?
Otten: Manche Förderer stellen uns eine große Summe zur Verfügung, möchten ihr Engagement aber nicht in die Öffentlichkeit tragen. Andere wiederum sind offen dafür, dass die Welthungerhilfe über sie berichtet, ihren Namen oder den ihrer Firma dafür nutzt, andere zu begeistern und anzustecken. Dafür sind wir natürlich sehr dankbar, doch es steht uns in keiner Weise zu, das eine oder andere zu bewerten. Wir gehen mit Fingerspitzengefühl daran. Eine Vielzahl unserer Förderer nennt die Welthungerhilfe auf ihrer Website. Natürlich wünschten wir uns, dass auch in Deutschland Engagierte mehr nach außen treten würden, wie in den USA, wo über die eigene Spende zu sprechen ganz natürlich ist und eine Vorbild-Kultur Raum bekommt.
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