Pressemitteilung: G7-Gipfel in Deutschland

G7 müssen ihren Worten jetzt Taten folgen lassen

Aussagen zur Hungerbekämpfung greifen zu kurz, wenn sie nicht mit ausreichenden Finanzmitteln ausgestattet sind

Drei von vier Hungernden leben auf dem Land. G7 müssen die Rechte der Kleinbauern stärken und mehr Mittel für die Hungerbekämpfung bereitstellen. © Grossmann
Drei von vier Hungernden leben auf dem Land. G7 müssen die Rechte der Kleinbauern stärken und mehr Mittel für die Hungerbekämpfung bereitstellen. © Grossmann

(08.06.2015) Die G7 wollen in den nächsten 15 Jahren 500 Millionen Menschen aus Hunger und Mangelernährung befreien, allerdings „mit Partnern“. Dies ist das Ergebnis des Elmau-Kommuniqués. „Damit steht immerhin nun ein konkretes Ziel im Raum, auf das sich die G7 langfristig verpflichtet haben. Doch der Verlautbarung müssen nun Taten folgen“, sagt Ulrich Post, Leiter Politik bei der Welthungerhilfe. „Dazu gehört es, die Rechte der Kleinbauern zu stärken, Einkommensmöglichkeiten im ländlichen Raum zu schaffen und ökologische Anbaumethoden stärker zu fördern.“

Die Bundesregierung hatte sich für eine G7-Initiative zur Hungerbekämpfung stark gemacht, insbesondere das Entwicklungsministerium hatte das Thema mit Nachdruck verfolgt. Das ursprüngliche Ziel war jedoch wesentlich ambitionierter, als das Ergebnis ahnen lässt. „Es ist sehr enttäuschend, dass die Sprache dermaßen verwässert wurde. Dennoch ist dies für uns eine Chance, die G7 in den nächsten Jahren immer wieder an ihre Absicht zu erinnern. Der Text muss nun rasch mit einem konkreten und verbindlichen Aktionsplan, finanziellen Zusagen und einem Rechenschaftsmechanismus unterfüttert werden. Dafür werden wir uns einsetzen,“ so Post.

Der Verweis im Kommuniqué auf die sogenannten „Partner“ darf nicht als Alibi für die G7 genutzt werden, um sich aus ihrer besonderen Verantwortung zu stehlen. Sie vereinen immer noch die Hälfte der globalen Wirtschaftskraft und müssen somit einen entsprechend großen Beitrag leisten.

Aussagen zur Hungerbekämpfung greifen zu kurz, wenn sie nicht mit ausreichenden Finanzmitteln ausgestattet sind.

Entgegen der Darstellung der G7 sinken die Entwicklungsgelder, die sie für Ernährungssicherung bereitstellen, seit 2010 kontinuierlich. Wollen die G7 tatsächlich ihren fairen Beitrag zu einer Welt ohne Hunger bis 2030 leisten, müssen sie ihre Ausgaben in diesem Bereich mehr als verdreifachen. Private Investitionen allein reichen nicht aus und dürfen nicht als Ersatz für öffentliche Gelder dienen.

„Inhaltlich vollziehen die G7 mit dem Elmau-Kommuniqué eine leichte Kurskorrektur in die richtige Richtung. Statt einseitig auf private Investitionen und Produktionssteigerung zu setzen, wie in den vergangenen Jahren, nehmen sie auch andere wichtige Bereiche in den Blick. Besonders zu begrüßen ist die Unterstützung und Anerkennung des Welternährungskomitees. Eine wirkliche Abwendung vom „business-as-usual“ bleibt jedoch aus. Außerdem ist es nicht nachvollziehbar, dass das Menschenrecht auf Nahrung nicht einmal erwähnt wird“, kommentiert Post.

Weltweit hungern immer noch knapp 800 Millionen Menschen. Fortschritte in der Hungerbekämpfung fallen zunehmend geringer aus. Wenn sich der derzeitige Trend fortsetzt, werden wir erst nach 2060 eine Welt ohne Hunger erleben – und somit das im September zu verabschiedende Ziel um mehr als 30 Jahre verfehlen.

Die Welthungerhilfe ist eine der größten privaten Hilfsorganisationen in Deutschland. Sie leistet Hilfe aus einer Hand: Von der schnellen Katastrophenhilfe über den Wiederaufbau bis zu langfristigen Projekten der Entwicklungszusammenarbeit mit einheimischen Partnerorganisationen nach dem Prinzip der Hilfe zur Selbsthilfe. Seit der Gründung im Jahr 1962 wurden mehr als 7.350 Projekte in 70 Ländern mit 2,66 Milliarden Euro gefördert – für eine Welt ohne Hunger und Armut.

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