"Mit der weiteren Frau kam Streit in die Familie" - illegale Polygamie in Burundi

Für Laetitie Kamgeyo ist das Leben schwieriger,
seit ihr Mann eine zweite Frau hat. © DWHH
Laetitie Kamgeyo (38) lebt in Burundi und hat fünf Kinder. Als sich ihr Ehemann illegal eine zweite Frau nahm, wurde ihr Leben zur Hölle.
Auf der Suche nach Hilfe wandte sie sich an die Angèle Nahimana, die von der Welthungerhilfe zu den Themen Menschenrechte und Konfliktbearbeitung ausgebildet wurde. Die 40-Jährige berät vor allem Frauen bei Problemen in der Familie. Mit Unterstützung von Angèle berichtet Laetitie über ihr Leben als Frau in einer Ehe zu dritt.
Unser Geld verwendete er für Bier und eine andere Frau
"Mein Mann und ich, wir sind ordentlich verheiratet und haben fünf Kinder. Als wir heirateten waren wir sehr arm und lebten von dem, was wir selbst produzierten. Wir verstanden uns gut: Ich bestellte das Feld und wir ernteten etwas Hirse und Bohnen und andere Produkte, wovon wir einen Teil verkauften. Den Erlös investierte mein Mann in einen kleinen Handel. So hatten wir etwas Geld zum Leben und konnten das Schulgeld für unsere Kinder bezahlen. Er aber nutzte das Geld aus seinem Kleinhandel für Bier und eine andere Frau.
Mit dieser Frau kam Streit in die Familie: Er sagte, er brauche mich nicht mehr. Wir hatten zwei kleine Parzellen und er sagte, ich solle eine davon nehmen. Ich wählte die Parzelle mit den Bananenstauden. Er verkaufte die andere Parzelle und unsere Kuh. Dann ging er in eine andere Gemeinde, wo er sich mit seiner zweiten Frau niederließ. Aber er kam immer wieder zurück und verkaufte die Bananen hier, mitunter sogar, bevor sie reif waren. Ich sagte ihm, er solle das nicht tun, die Kinder brauchen etwas zu essen. Da schlug er mich fast tot.

Leben und Arbeit sind hart
auf dem Land. © LyonsKaum Geld zum Überleben
Ich befand mich in einer sehr schwierigen Situation: Die Kinder verließen die Schule, weil ich keine Schulkleidung und Schulmaterial kaufen konnte. Außerdem müssen sie mir auf dem Feld helfen oder sich bei Nachbarn verdingen, damit wir überleben können.
Eines Tag nahm er eine Bananenstaude, das ich aufgehoben hatte, um es gegen Reissaat zu tauschen. Ich bat ihn, die Bananen nicht zu nehmen. Anstatt mir zuzuhören, begann er mich zu schlagen und ich floh zu den Nachbarn. Mein Mann demolierte das ganze Haus, zerschlug Töpfe und Geschirr, verbrannte meine Kleidung. Dabei sagte er, dass mir gar nichts gehöre und ich zu meinen Eltern zurückkehren solle. Das kann ich aber nicht. Dort hätte ich auch Probleme mit meinen Brüdern. Ich kann auch meine Kinder nicht verlassen.

Im Versöhnungszentrum
bekommen die Frauen
Hilfe. © GrueterHilfe von den "Femme Leaders"
Eine Nachbarin, die alles mit ansah, riet mir, mich an die "femme leader" auf unserem Hügel zu wenden, die könnten mir vielleicht helfen. Sie führte mich zu einer dieser Frauen – Angèle. Der erzählte ich von meinen Problemen. Zusammen mit anderen femme leaders half sie mir. Sie gaben mir Reissaat, ein paar Lebensmittel und Töpfe. So war ich erst einmal gerettet. Sie versuchten auch, zwischen meinem Mann und mir zu vermitteln. Er hat das aber abgelehnt und so begleiteten sie mich zum Gericht, wo ich meinen Mann verklagte. Inzwischen hat er meine Parzelle an Dritte verpachtet. Ich warte jetzt auf das Gerichtsurteil. Mein Mann war schon zweimal vorgeladen, aber er kam nicht.
Ich bin den femme leaders sehr dankbar. Mit ihrer Hilfe konnte ich säen wie die anderen und meine Kinder ernähren. Bald wird die Angelegenheit hoffentlich vor Gericht endgültig geregelt sein."
Illegale Polygamie in Burundi sehr häufig
Angèle Nahimana erklärt zu dem Bericht, dass solche Fälle illegaler Polygamie sehr häufig sind. Sie erzählt, dass die Frauen hart arbeiten, um das Überleben der Familie zu sichern. Solange sie arm sind, bleiben Männer bei ihren Frauen. Wenn sie jedoch Geld und Besitz angesammelt haben, verlieren viele das Interesse an der Ehefrau. Mit dem Geld suchen sie sich eine jüngere Partnerin, mit der sie illegal zusammen leben.
Wenn die Frauen sich an die Autoritäten ihres Dorfes wenden, werden sie abgewiesen oder hingehalten. Bei den Autoritäten handelt es sich meist um Männer, die selbst nicht anders handeln. Sie verurteilen den Mann höchstens zu einer Geldstrafe von umgerechnet etwa sechs Euro. Dann wird die Angelegenheit nicht weiter verfolgt. Vor Gericht ist es nicht viel besser. Da die zweite Frau illegal ist, kann kaum gesetzlich dagegen vorgegangen werden.
