Steigende Preise für Lebensmittelimporte in armen Ländern

Grafik: Immer mehr Geld für LebensmittelimporteWeltweit werden Nahrungsmittel immer teurer. Im Jahr 2007 wurden Lebensmittel für über 400 Milliarden Dollar importiert. Das sind fast fünf Prozent mehr als im bisherigen Rekordjahr 2006. Die Mengen blieben fast unverändert, aber die Preise stiegen. Darunter leiden vor allem die Entwicklungsländer und insbesondere die ärmsten unter ihnen. Die so genannten Least Developed Countries (LDC) müssen für Nahrungseinkäufe aus dem Ausland heute rund 90 Prozent mehr ausgeben als noch im Jahr 2000. Zum Vergleich: Nahrungsimporte kosteten Industrieländer im gleichen Zeitraum lediglich 22 Prozent mehr als zuvor.
Steigende Weltmarktpreise
Vor allem die Preise für Getreide und Pflanzenöl sind in den vergangenen Jahren kräftig gestiegen. Die Vorratslager auf der ganzen Welt waren selten so leer wie heute. Hinzu kommt, dass immer mehr Ackerflächen für die Produktion von Biokraftstoffen benötigt werden und die Frachtraten für den Transport über Land und See steigen.
Importzwang für arme Länder
Leidtragende sind vor allem die ärmsten Länder. Jahrelang haben die Industrieländer hochsubventionierte Lebensmittel aus ihren Überschüssen billig auf den Weltmarkt geworfen und damit viele Bauern in den Entwicklungsländern ruiniert. Jetzt ist das weltweite Angebot so knapp, dass die Europäische Union (EU) sogar ihr Programm zur Flächenstilllegung aufgegeben hat. Doch in den ländlichen Regionen vieler armer Länder fehlt das Geld, um eine leistungsfähige Landwirtschaft aufzubauen. Auf absehbare Zeit müssen immer mehr Nahrungsmittel importiert werden – bei drastisch steigenden Weltmarktpreisen.
Steigender Konsum in Schwellenlädern
Dazu kommt, dass sich die Ernährungsgewohnheiten in einigen dicht bevölkerten Schwellenländern denen der Industrieländer angleichen. So steigt beispielsweise in China der Fleischkonsum rasch an. Damit erhöht sich weltweit auch der Bedarf an Futtermitteln - zulasten jener armen Länder, in denen sich die Menschen direkt von Getreide ernähren, weil sie sich Fleisch gar nicht leisten können.
Dürren und Überschwemmungen wegen Klimawandel
Die Welternährungsorganisation FAO rechnet für die kommenden Jahre darüber hinaus mit klimabedingten Problemen. Dürren und Überschwemmungen werden zunehmen. Auch davon werden vor allem die Bauern in den am wenigsten entwickelten Ländern betroffen sein.
Weniger Lebensmittelproduktion wegen Landflucht
Mittlerweile lebt die Hälfte der Menschheit in Städten. In vielen Ländern hat die Landflucht dramatische Ausmaße angenommen. Vielerorts werden die ländlichen Räume und damit die Nahrungsmittelproduktion vernachlässigt. Wenn dieser Trend nicht gestoppt wird, könnte die Zahl der Hungernden bald schon wieder steigen.
Autor: Karl-Albrecht Immel
