Michaela May während ihres Projektbesuchs in Indien

"Ich durfte viel von den Indern lernen - Sie sind großartige Menschen, die ihr Leben mit Würde meistern."

Von Brigitte Schmitz

 

Michaela May mit Frauen und Kindern aus dem Millenniumsdorf Sarwan. © Fritzen
Michaela May mit Frauen und Kindern aus dem
Millenniumsdorf Sarwan. © Fritzen
Wir erreichen unser erstes Ziel in Indien: Kolkata. Diese Millionenstadt zeigt deutlich, dass Indien in den letzten Jahren ein beeindruckendes wirtschaftliches Wachstum erlebt hat. Doch Armut und Unterernährung sind hier weiterhin ganz zentrale Probleme - mehr als die Hälfte aller Armen weltweit lebt in Indien. Denn: Der wirtschaftliche Fortschritt erreicht 60 Prozent der Bevölkerung, die von der Landwirtschaft lebt, kaum oder gar nicht.  

 

Von Kolkata aus fahren wir mit dem Zug nach Deoghar im Bundesstaat Jharkhand. Eine schöne Landschaft aus Reisfeldern, Teichen, Gemüsegärten, Dörfern zieht an uns vorbei. In Deoghar – übersetzt "Gottes Haus"- treffen wir unsere indischen Kollegen: Babita, Projektkoordinatorin in Sarwan, Rajesh von Centre for World Solidarity (CWS), Dilip, den Chef der Nichtregierungsorganisation PRAVAH,  sowie Onkar Pathak und Abas von PRAVAH. Sie berichten über das Millenniumsdorf-Projekt, das 900 Haushalte mit etwa 6.000 Menschen betreut und begleiten uns bei den Besuchen in die einzelnen kleinen Weiler, aus denen das Millenniumsdorf Sarwan besteht.

 

In einem der Weiler, Pipra Village, begrüßen uns die Dorfbewohner herzlich mit Blumenkränzen und Gesang. Als Willkommensgruß waschen sie Michaela May die Füße – einem indischen Brauch, Gäste zum empfangen. Wir besuchen die Dorfschule, in der die Kinder demokratisch ein eigenes Kinderparlament gewählt haben. Die verschiedenen "Minister" erläutern uns ihre Aufgaben: Shuti ist 'Minister für Erziehung', also verteilt sie die Stifte und Hefte in der Klasse. Der 'Minister für Wasser' ist für die Bewässerung der Pflanzen zuständig, sowie für das Trinkwasser der Schüler und für die Sauberkeit der Schulklasse.

 

Inmitter vieler fleißiger Schulkinder - Michaela May in Sarwan. © Fritzen
Inmitten vieler fleißiger
Schulkinder - Michaela
May in Sarwan. © Fritzen
Der 'Gartenbauminister' ist für die Anpflanzung der medizinischen Kräuter verantwortlich. Bemerkenswert, dass der Junge uns alle Kräuter benennen kann: diese Pflanze verwendet man bei Knochenbrüchen, eine andere bei Halsschmerzen, jene bei Husten und wieder eine andere bei Malaria. Michaela May ist ganz begeistert von so viel Wissen.  Und als uns drei der Kinder ihre Wunschberufe verraten, wird uns klar: Diese Kinder wollen ihr Leben in die Hand nehmen. Die achtjährige Shruti und Rina, elf Jahre alt, möchten gerne Ärztinnen werden, der zehnjährige Satish möchte Lehrer werden. Sie haben ganz konkrete Vorstellungen und wollen intensiv dafür lernen - wir hoffen sehr, dass sich ihre Wünsche erfüllen.

 

Wir fahren weiter nach Danraidih, dort treffen wir eine "cultural group". Diese Gruppe versammelt sich einmal in der Woche zu gemeinsamer Musik und Gesang über das Leben im Dorf. Ganesh, der Vorsänger, singt  ein Lied über SRI. Was ist SRI? Das System of Rice Intensification ist eine neue Anbaumethode. Traditionell wird der Reis in Bündeln gesetzt. Doch der Ernteertrag ist sehr viel größer, wenn die Reispflanzen einzeln und in etwas größerem Abstand gesetzt werden als bisher.


Zunächst wollten die Bauern diese neue Pflanzart nicht annehmen, doch durch den Ernteertrag auf einem benachbarten Feld ließen sie sich vom großen Erfolg der neuen Methode überzeugen. Nun probieren sie es selbst aus und singen über diese positive Erfahrung. Die Texte der Lieder ändern sich stetig – immer wenn es über neue Methoden und Erfahrungen zu berichten gibt. Michaela May ist ganz begeistert von dieser Art der Information und Motivation: "Durch Singen lernen - das ist Motivationsschulung feinster Art."

 

Manju Devi mit einem ihrer fünf Kinder am Eingang ihrer Hütte.
Manju Devi mit einem ihrer
fünf Kinder am Eingang ihrer
Hütte.
Am nächsten Morgen besuchen wir ein Tribal Village. Unser Kollege Rajesh erklärt, dass 40 Prozent der Millenniumsdörfer tribal villages, also Dörfer mit lokaler Stammesbevölkerung, sind. Dort, in Pipejorra, lernen wir die fünffache Mutter Manju Devi mit ihrer Familie kennen. Die Familie lebt mit acht Personen - dem Schwiegervater, Besitzer der kleinen Hütte, dem Ehepaar und fünf Kindern - in einer kleinen Hütte. In dem sehr kleinen Raum, der nur etwa zweieinhalb mal ein Meter groß ist, schlafen die fünf Kinder auf einem Bett, die Eltern auf der Erde, und der Schwiegervater schläft im Hof vor dem Haus auf der Erde. Sie alle müssen im Monat mit 1.500 indischen Rupies, umgerechnet etwa 20 Euro auskommen.

 

Der Vater, Mantu, ist Traktorfahrer. Die Familie besitzt nur ein ganz kleines Stück Land. Dort bauen sie Mais an. "Wir haben dreimal am Tag etwas zu essen", so sagen sie, "Zuerst bekommen die Kinder etwas, den Rest essen wir Eltern." Wir sehen, dass es oft nicht für alle reicht. Sie erzählen uns, dass sie alle sehr arm sind in dem Dorf. Sie haben eine Wasserpumpe von der Regierung bekommen, dadurch verfügen sie über sauberes Trinkwasser.


Allerdings haben die Menschen kein Wasser, um ihre Felder zu kultivieren. Sie sind auf den Regen angewiesen und wenn der ausbleibt, ist die Ernte zu gering.  "Manche Bauern haben Wasser, wenn sie es bezahlen können. Aber wir haben kein Geld." Michaela May stellt fest: "Brunnen sind so etwas wie Gold, denn Wasser ist die Wurzel des Lebens."

 

Diese Frauen sind gemeinsam stark.
Diese Frauen sind gemeinsam
stark.
Wir fahren nach Purana Dhanway und lernen dort eine Frauen-Selbsthilfegruppe kennen. Jedes Mitglied der Frauengruppe spart Geld aus der eigenen Haushaltskasse. Dieses Geld kommt in einen Fonds. Alle entscheiden demokratisch, was mit dem gesparten Geld geschehen soll, wie beispielsweise der Kauf von Büchern für die Kinder. Wenn eine der Frauen einen Kredit benötigt, wird gemeinsam darüber entschieden. Männer haben in dieser Frauengruppe keinen Einfluss und kein Mitspracherecht. Das macht die Frauen stark und verleiht ihnen in der Dorfgemeinschaft Respekt und Unabhängigkeit.

 

Gut zu wissen: Der indische Staat unterstützt diese Frauengruppen und zahlt beispielsweise 40 Prozent für den Kauf von Kühen, sodass der Anteil der Frauen nur noch 60 Prozent der Kaufsumme beträgt. Dann wird auch der Ertrag, also die Milch, geteilt: Die Frauen erhalten 60 Prozent vom Ertrag, der Staat die restlichen 40 Prozent. Eine gute Idee, die der ganzen Familie zugute kommt.

 

Michaela May war von der Würde der Inder begeistert. © Fritzen
Michaela May war von der
Würde der Inder begeistert.
© Fritzen
Am Ende der Reise sind Michaela May und ich uns sehr einig: Wir durften viel von den Indern lernen. Unsere Begegnungen mit ihnen waren eine Bereicherung für uns, denn die Menschen hier meistern ihr Leben, das sie unter so viel schwierigeren Umständen als wir in Deutschland führen. Michaela May weiß jetzt: "Die Inder versuchen ihr Leben mit Würde zu tragen und sie nehmen alles mit Demut an, aber sie sind bereit ihr Leben zu verbessern."

 

Wir bedanken uns bei Michaela May für ihre Unterstützung unserer Arbeit.

 

 

Euro

Letzte Änderung an dieser Seite: 18.11.2010

Weitere Informationen

Bildergalerie vom Quiz

Das sind unsere prominenten Unterstützer

Micheala May: "Ich durfte viel von den Indern lernen - Sie sind großartige Menschen, die ihr Leben mit Würde meistern."

Die Welthungerhilfe auf einen Blick - Factsheet

ZDF: "Gut zu wissen" - das Promi-Quiz zugunsten der Welthungerhilfe

Der Quizabend 2009

Kostenloser Bilderdownload

Markus Lanz im Kenia
Michaela May in Indien
Jörg Pilawa in Haiti
Bärbel Schäfer in Burkina Faso

Blog

Jörg Pilawa: "Die Menschen in Haiti haben meinen Respekt und Unterstützung verdient."

Videos

"Gut zu wissen" - Das Quiz hinter den Kulissen (November 2010)

Moderator Jörg Pilawa reiste im Herbst 2010 mit der Welthungerhilfe nach Haiti und machte sich ein Bild von den Fortschritten beim Wiederaufbau nach dem Erdbeben (November 2010)

Die Schauspielerin Michaela May überzeugte sich im Herbst 2010 von den Erfolgen der Projektarbeit der Welthungerhilfe in Indien (November 2010)

Die Moderatorin Bärbel Schäfer besuchte im Herbst 2010 das Millenniumsdorf Kongoussi in Burkina Faso (November 2010)

Markus Lanz besuchte im September 2009 ein Projekt der Welthungerhilfe in Kenia. "Eine Reise nach Afrika ist auch immer ein Lehrstück für Machos wie unsereins", bekennt Lanz schmunzelnd (Herbst 2009)

Audio

Bärbel Dieckmann: "925 Millionen Hungernde auf der Welt - das ist zuviel!"

Markus Lanz: Mir ist es bis heute schleierhaft, warum wir es nicht schaffen, Menschen vor dem Hungertod zu bewahren."

Michaela May: "Die Inder versuchen ihr Leben mit Würde zu tragen."

Jörg Pilawa: "In Haiti sieht es aus, wie es hier nach dem zweiten Weltkrieg gewesen sein muss. Nur hatten wir den Marshall-Plan..."

Bärbel Schäfer:"Hier wird in die Gegenwart und Zukunft investiert, damit Hoffnung keimen kann."

Die Projekte

Haiti: Die Menschen kommen nicht zur Ruhe

Haiti-Themenseite

Indien: Eine Dorfgemeinschaft im Aufwind

Millenniumsdorf Sarwan in Indien

Burkina Faso: In Kongoussi keimt die Hoffnung

Millenniumsdorf Kongoussi in Burkina Faso

© Copyright 2011 Deutsche Welthungerhilfe e.V. – ImpressumKontaktDatenschutz