Rohstoffe aus Entwicklungsländern: Niedrige Preise auf dem Weltmarkt


Grafik: Dauerhaft niedrige Rohstoffpreise
schmälern Exporterlöse vieler Entwicklungsländer
Viele Entwicklungsländer sind auf die Einnahmen aus Rohstoffexporten angewiesen. Doch die realen Weltmarktpreise für unverarbeitete Rohstoffe liegen heute etwa ein Drittel niedriger als vor 30 Jahren. Immerhin sind die Preise in den letzten Jahren wieder leicht gestiegen. Das ist vor allem auf die höhere Nachfrage aus China und Indien zurückzuführen. Umgekehrt sind die Preise für technologisch hochwertige Güter gestiegen, so dass sich die "Terms of trade" (Importpreise werden in Beziehung zu den Exportpreisen gesetzt) gerade für die armen Länder nur unwesentlich erholt haben.

Niedrige Erlöse aus Rohstoffen

Dünger, Maschinen, Patente und Lizenzen oder elektronische Dienstleistungen sind im Vergleich zu den Rohstofferlösen doppelt so teuer wie im Jahr 1960. Dazu belastet der hohe Ölpreis den Haushalt vieler Entwicklungsländer.

Besonders kritisch ist die Lage für jene Länder, die vom Export nur weniger Rohstoffe abhängen. In Mittel- und Südamerika hat der drastische Preisverfall beim Kaffee viele Menschen arbeitslos gemacht. Die zurückgehenden Erlöse für Kakao und Baumwolle haben vor allem die Menschen in Westafrika schwer getroffen.

 

Schulden erreichen Höchststand

Niedrige Exporterlöse bei gleichzeitig hohen Importpreisen führen in vielen Entwicklungsländern zu negativen Handels- und Zahlungsbilanzen – mit verheerenden Folgen für die Verschuldung dieser Länder. Allen Schuldenerlassen zum Trotz: Die Auslandsschulden des Südens haben mit über 2,5 Billionen Dollar einen historischen Höchststand erreicht.

Eine Alternative wäre, Rohstoffe im eigenen Land zu verarbeiten und die wertvolleren Fertigwaren zu exportieren. Diesen Weg haben viele Länder in Südostasien beschritten. Doch die Industrieländer wehren sich mit hohen Zöllen und Handelsbeschränkungen gegen die billige Konkurrenz aus dem Süden.

 

Übermacht China

Die UNCTAD (United Nations Conference on Trade and Development) hat in ihrem Jahresbericht 2005 auf ein weiteres Problem aufmerksam gemacht: Mittlerweile fallen auch die Terms of trade für die Exporteure von Fertigprodukten. Nicht zuletzt durch die Massenproduktion von z.B. Textilien, Spielzeug oder Maschinen in China sind die Preise für diese Waren stark gefallen. Die Konsequenz: Vielen ärmeren Entwicklungsländern ist der Ausweg in eine erfolgreiche Industrialisierung versperrt. Sie werden von der übermächtigen chinesischen Konkurrenz erdrückt.

 

(Karl-Albrecht Immel; Stand: Jan/Feb. 2006)

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