Taff, taffer - Roxana: Ein Tag im Leben der engagierten Bolivianerin

Von Kerstin Bandsom

María Roxana Vaca vor ihrer
María Roxana Vaca vor ihrer "Backstube" -
eine Frau mit unendlicher Power. © Kopp
Der 11. Oktober ist der Frauentag in Bolivien. "Organización 11 de Octubre" nennt sich auch die Frauengruppe von María Roxana Vaca. Mit dieser hat sie die Erstellung und den Verkauf von Likör und Marmelade organisiert. Die Früchte wachsen auf den Landparzellen, die die Frauen mit ihren Männern gemeinsam im Tiefland Boliviens rund um San Ignacio de Velasco bearbeiten.


 

Auf die Stunde genau durchgetaktet

Aber nicht nur diese Frauengruppe hat Roxana aufgebaut. Sie ist die Gründerin einer Bäckerinnen-Gruppe. 21 Frauen hatte sie mobilisiert, um die Einkommen ihrer Familien aufzubessern. Von diesen 21 Frauen sind sieben übrig geblieben, die mit ihr gemeinsam jeden Abend ab 18 Uhr den Teig für Brote aus Reismehl und gefüllte Teigtaschen bereiten. Bis 21 Uhr ist alles fertig und kann über Nacht ruhen. Dann, am nächsten Morgen um vier Uhr wird schon der Lehmofen mit Brennholz angeheizt, um fünf Uhr werden die Bleche reingeschoben und um acht Uhr ist alles fertig gebacken. Davor wird Roxana aber noch schnell ihre Kinder versorgen und sie um halb acht in die Schule schicken.

Roxana knetet den Teig, der dann direkt in den Ofen kommt. © Kopp
Roxana knetet den Teig, der
dann direkt in den Ofen
kommt. © Kopp
Ihre Kinder, das sind sechs an der Zahl im Alter von drei bis 14 Jahren. Vier Jungen und zwei Mädchen hat sie - und mächtig stolz ist sie auf ihre Kinder. Roxana achtet ganz genau darauf, dass sie ihre Kinder nicht überfordert. Sie helfen zwar überall mit, aber die jüngeren Kinder unter zehn Jahren dürfen keine schweren Lasten tragen. Das ist ihr sehr wichtig: "Deshalb können sie aber durchaus nach dem Müll schauen oder mal das Geschirr waschen", räumt sie lächelnd ein. Roxana ist unglaublich gut strukturiert. Der ganze Tagesablauf ist organisiert. Und es könnte einem beinahe schwindelig werden, bei all den Aktivitäten, die diese Frau durchführt und koordiniert.

 


Frische Backwaren, hergestellt von den engagierten Bäckerinnen. © Kopp
Frische Backwaren, hergestellt
von den engagierten
Bäckerinnen. © Kopp
Keine Anwältin, aber stolze Initiatorin

Sie kommt aus einer sehr einfachen, indigenen Familie. Sie hat früh geheiratet und ist mit 18 Mutter geworden. Damit musste sie ihren Traum, einmal Anwältin zu werden, schnell aufgeben. Wahrscheinlich wäre es ohnehin schwierig für sie geworden, denn sie konnte nur vier Jahre lang zur Schule gehen. Doch Roxana ist keine Frau, die aufgibt. Gemeinsam mit einem ihrer Kinder hat sie den Schulabschluss nachgeholt. Sie hat Lehrgänge des von der Welthungerhilfe geförderten Partners Fundación Tierra besucht, in denen sie Führungsqualitäten erworben hat.

Sie hat sich bereits an der Universität von San Ignacio de Velasco eingeschrieben und will studieren. 33 Jahre ist Roxana jetzt alt. "Mit 40 wollte ich eigentlich fertige Anwältin sein", so hatte sei sich ihre Zukunft als junges Mädchen einmal vorgestellt. Sie wollte sich für Frauen, für das Recht Benachteiligter einsetzen. Und das tut sie auch jetzt. Mit ihrer Bäckerinnen-Gruppe hat sie sich selbst und den Frauen, die mitmachen, eine Einkommensquelle geschaffen. Sie können jetzt viel sicherer für ihre Familie sorgen. Denn das Geld der Männer reicht bei weitem nicht.
 

 

Roxana ist aktiv von morgens bis abends: Für ein besseres für sich und ihre Kinder. © Kopp
Roxana ist aktiv von morgens
bis abends: Für ein besseres
Leben für sich und ihre Kinder.
© Kopp
Energie für Zwei - mindestens

Roxana ist von morgens bis abends aktiv. Sie gönnt sich keine Ruhe und hat immer neue Ideen, was sie noch unternehmen könnte. Schwindelerregend, wie sie zwischen den einzelnen Frauengruppen, Kindern, Haushalt und vielem anderen hin und her agiert. Aber mit all dieser Energie bewegt sie unglaublich viel. Sie hat Frauen in ihrem Ort motiviert, ihr Leben in die Hand zu nehmen. Die Bäckerinnen haben inzwischen eine Backstube mit Verkaufsraum. Kundschaft gibt es reichlich. Die Frauen, die Likör und Marmelade herstellen, erklären inzwischen anderen Kleinbäuerinnen, dass vom Baum gefallene Früchte immer noch verwertet werden können. Ihre Kinder bekommen alle eine Schulausbildung. Roxana will, dass sie einmal ihre Träume verwirklichen können. Dafür arbeitet sie hart. "Anwältin bin ich nicht geworden, aber wer weiß, was noch alles möglich ist", sagt eine Frau, die mitten im Leben aber erst am Anfang ihrer ganzen Ideen steht.




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