"Ich mache doch gar nichts Besonderes"

Ingeborg Schäuble bei einem Besuch in Sri Lanka.
© DWHH
Sie ist zurückhaltend. Eher leise als laut. Aber sie ist ausdauernd. Und das macht ihr Engagement bei der Deutschen Welthungerhilfe so effektiv. Als Vorstandsvorsitzende einer der größten, nicht-staatlichen und nicht kirchlichen Organisation der Entwicklungs zusammenarbeit und Humanitären Hilfe versucht Ingeborg Schäuble auf ihre ganz eigene Art, die Armut und das Elend in der Welt zu verringern. Nicht besser als andere, sagt sie bescheiden. "Ich mache doch gar nichts Besonderes. Andere leisten noch viel mehr als ich." Als Anerkennung für ihre sanfte Hartnäckigkeit verleiht die Illustrierte BUNTE der studierten Volkswirtin die Auszeichnung zur "Frau des Jahres 2005" in Berlin.

Ingeborg Schäuble. © DWHHFür besondere Frauen
Diese Auszeichnung ist Frauen gewidmet, die durch ihre Ideen und kreative Kraft wichtige Impulse geben und damit unsere Gesellschaft zum Besseren verändern. Und genau dieses ist Schäubles Anliegen: "Eine Welt ohne Hunger - dies ist unsere Vision, dafür setze ich mich ein. Die Hilfe zur Selbsthilfe ist dazu der Schlüssel."
Ihr sympathisches Wesen öffnet der vierfachen Mutter dabei viele Türen. Überall begegnen die Menschen ihr mit Herzlichkeit und Wärme. Zum Beispiel im Sudan, wo die studierte Volkswirtin im August 2004 Flüchtlingslager besuchte. Oder beim Besuch eines von weltweit 15 Millenniumsdörfern der Welthungerhilfe in Madagaskar im Oktober 2005. Und nicht zuletzt in Sri Lanka, wo sie den Opfern des Tsunami ihre Anteilnahme aussprach und sich über die Schäden der Flutkatastrophe selbst ein Bild machte.
Begegnung in der Mensa...
Als Jüngste von drei Geschwistern wäre Ingeborg Schäuble, geb. Hensle, gerne zum Studium von Zuhause fortgegangen. Doch dann starb ihr Vater, ein Lehrer, und sie blieb bei der Mutter in Freiburg. Dort besuchte sie die Universität und erhielt 1968 ihr Diplom in Volkswirtschaft.
Es war in der Mensa, wo sie ihrem künftigen Mann kennen lernte: Wolfgang Schäuble, Student der Rechts- und Wirtschaftswissenschaften. Nach nur einem Jahr waren die beiden verheiratet. Sie arbeitete in der Marktforschung, er war noch Referendar – und schon damals in Sachen Politik dauernd unterwegs. Im Laufe der Jahre bekam das Paar vier Kinder und zog in ein Haus im badischen Gengenbach.
Erkenntnisse, die verändern
Als sich Ingeborg Schäuble 1996 entschied, für die Welthungerhilfe tätig zu werden, befassten sich ihre Gedanken und Sorgen noch oft mit der Zukunft. Nach unzähligen Reisen und Erlebnissen weiß sie jedoch heute, dass diese sowieso nicht zu beeinflussen und planbar ist. Die Vorsitzende ist gelassener geworden.
Ihr Respekt vor Menschen, die sich ihrem Alltag stellen müssen "ohne Lebensversicherungen und Sicherheit" hat sich im Laufe ihrer ehrenamtlichen Tätigkeit enorm gesteigert. Man lernt sehr viel, sagt sie. Zum Beispiel, dass Zeit nicht, wie bei uns, das Maß aller Dinge sei. Und dass Fröhlichkeit und Glück erstaunlich wenig vom Wohlstand abhängen.
Ingeborg Schäuble
Alle Projektreisen von 1997 bis 2007
Lebenslauf: Schule und Studium
Bildergalerie: Bilder von den Projektreisen 1997 bis 2006
Weitere Informationen
Ingeborg Schäuble wird "Frau des Jahres 2005"
