Nahrungsmittelspekulationen

Hohe Preise, hohe Schulden

Preisschwankungen verursachen Armut, Mangel- und Unterernährung

Preissteigerungen und -schwankungen können für Kleinbauern fatale Folgen haben und verletzen das Recht auf Nahrung.
Preissteigerungen und -schwankungen können für Kleinbauern fatale Folgen haben und verletzen das Recht auf Nahrung. © Pilar

 

Steigende Preise können hilfreich sein, um durch die Landwirtschaft ein höheres Einkommen zu erzielen. In der Regel sind die Kleinbauern, die die Mehrzahl der Hungernden stellen, aber Netto-Konsumenten: Sie geben mehr Geld für Nahrung aus, als sie selbst durch Anbau und Verkauf erzielen. Unter anderem hat dies mit Verschuldungszyklen zu tun.

Kleinbauern in der Verschuldungsspirale

Um Saatgut zu kaufen, leihen sich viele Kleinbauern Geld. Und um diese Schulden zurückzahlen zu können, müssen sie oft ihre Erzeugnisse direkt nach der Ernte verkaufen. Keine gute Zeit, denn dann sind die Preise auf den Märkten extrem niedrig und der Gewinn gering. Nach einigen Monaten müssen die Bauern wieder Lebensmittel oder Saatgut zukaufen - jetzt zu gestiegenen Preisen und oftmals verbunden mit neuen Schulden. Preisschwankungen sind also extrem schädlich für arme kleinbäuerliche Produzenten, welche oft nicht die geringsten (Geld)-Reserven haben, um solchen Schwankungen entgegen zu treten. Die Konsequenzen sind dramatisch: In den Familien gibt es nur noch eine Mahlzeit am Tag und viele Kinder bekommen Minirationen – durch diese Mangelernährung werden sie für ihr Leben geschädigt.

In humanitären Krisen wie zurzeit in Westafrika sind steigende Preise erste Anzeichen für sich anbahnende Hungersnöte. Bei Hungerkrisen wird aber nicht nur Getreide auf den Märkten teurer; gleichzeitig fallen die Preise für wertvolle Güter wie beispielsweise Vieh ins Bodenlose. Veräußern die Menschen ihre letzten Anlagen in der Krisenzeit, um ihre Familie mit dem Nötigsten zu versorgen, bekommen sie fast nichts dafür.

Spekulationen mit Rohstoffen und Nahrungsmitteln regulieren

Daher sind Bemühungen, Preisstabilität herzustellen, nicht nur in akuten Krisen zu begrüßen. So fordert die Food and Agriculture Organization der Vereinten Nationen (FAO), globale Getreidereserven zu initiieren, um Weltmarktpreise in knappen Zeiten zu stabilisieren. Dies soll realwirtschaftliche Faktoren von Angebot und Nachfrage ausbalancieren. Solange die Gefahr besteht, dass Spekulationen mit agrarischen Rohstoffen und Nahrungsmitteln Preise und insbesondere Preisschwankungen beeinflussen, sollten Spekulationen streng reguliert werden.

Diese Meinung vertreten auch Wissenschaftler der Weltbank und der Vereinten Nationen, des Internationalen Forschungsinstituts IFPRI und des Zentrums für Entwicklungsforschung der Uni Bonn. Eine breite Öffentlichkeit fordert von den Banken den Ausstieg aus den fraglichen Agrarfinanzprodukten. Nach der Commerzbank haben sich auf internationaler Ebene auch Barclays Bank und BNP Paribas aus diesen Geschäften zurückgezogen. Die Deutsche Bank und die Allianz hingegen haben den Handel mit Agrarfinanzprodukten wieder aufgenommen und dafür Rückendeckung von Wissenschaftlern bekommen.

Professor Hans-Heinrich Bass, Autor einer im Auftrag der Welthungerhilfe 2011 veröffentlichten Studie zur Nahrungsmittelspekulation, hält dagegen. Erfahren Sie im aktuellen "Standpunkt" (April/2013), warum für ihn die Argumente der Spekulationsbefürworter auf tönernen Füßen stehen.

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Ein Beitrag zur Debatte von Dr. Wolfgang Jamann (Frankfurter Rundschau)

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