Krieg in Sri Lanka

Kinder radeln durch die Straßen von Jaffna, Soldaten
und zerschossene Häuse prägen die Stadtansicht.
© Dickerhof
Die Vorgänge in Sri Lanka gleichen einer humanitären Katastrophe. An der Tagesordnung stehen tägliche Verletzungen des Völkerrechts: flächendeckende Bombardierungen, Erschießungen, massenhafte Fluchtbewegungen – es herrscht wieder Krieg in Sri Lanka. Hunderte von Zivilisten sind ums Leben gekommen. "Eine vierjährige Waffenruhe zwischen der Regierung Sri Lankas und den Tamil Tigers ist beendet", so Ulf Henricsson, Leiter der Sri Lanka Monitoring Mission (SLMM). Damit bestätigte er offiziell, dass das Abkommen zum Waffenstillstand von 2002 das Papier nicht mehr wert ist, auf dem es steht.

Minenfeld. © DickerhofForderung nach Unterstützung
Die Deutsche Welthungerhilfe fordert die Bundesregierung dazu auf, es nicht bei Appellen zu belassen, sondern sich in die Vermittlungsbemühungen einzuschalten. Die beiden Konfliktparteien müssen ihre Kampfhandlungen unverzüglich einstellen und an den Verhandlungstisch zurückkehren. Hilfsorganisationen wie die Welthungerhilfe brauchen zudem die Unterstützung ihrer Regierungen, um freien und ungehinderten Zugang zu den Krisengebieten des Nordens und Nord-Ostens zu erhalten. Nur so kann die Zivilbevölkerung mit dem Nötigsten versorgt werden.

Wasserverteilung.
© BoucherieStreit um Wasser
Ausgangspunkt der jüngsten Eskalation ist ein Wasserstreit in der Region Muttur im Distrik Trincomalee. Im Gebiet Mavil Aru-Verugal, welches von der Liberation Tigers of Tamil Eelam (LTTE) kontrolliert wird, sind die Schleusen eines Bewässerungskanals geschlossen worden. Damit wurde die Wasserzufuhr für 1.500 singhalesische Siedler unterbunden. Nach Angaben der LTTE geschah die Schleusenschließung als Protest gegen die Regierung, die offenbar ein Wasserversorgungsprojekt für tamilische Gebiete blockierte.

Zerstörtes Haus.
© Dickerhof
Hilfe ist schwierig
Die Welthungerhilfe, die seit den siebziger Jahren in Sri Lanka tätig ist, konnte zehntausenden Menschen – Bürgerkriegs- und Tsunamiopfern – zu einem Dach über dem Kopf und einer neuen Existenz verhelfen. Nun wird die Arbeit erschwert bis unmöglich gemacht. Die Stimmung gegen internationale Hilfsorganisationen wird zunehmend feindselig. Die Ausstellung von Arbeitserlaubnissen wird verzögert oder gar verweigert.
Der Grund dafür könnte darin liegen, dass sie als Helfer der Tamil Tigers angesehen werden – vor allem, wenn sie im Nordosten tätig sind. In Anspielung auf ihre weißen Fahrzeuge werden sie "White Tigers" genannt. Paranoia oder gezielte Stimmungsmache? Extremisten gibt es auf beiden Seiten. Doch die Regierung sieht sich im Aufwind, seit die Europäische Union die LTTE auf eine Liste der terroristischen Vereinigungen gesetzt hat.
(Stand: August 2006)
