Steigende Preise und anhaltende Trockenheit: Die Menschen in Ostafrika werden nicht mehr satt

- Die Preise für Lebensmittel steigen auch in Ostafrika seit Monaten. Das spüren Händler und Kunden. © Lyons
Die Preise für Lebensmittel und Treibstoff steigen seit Monaten dramatisch an. Neben der weltweit wachsenden Nachfrage nach Fleisch und Energiepflanzen treiben Spekulationen auf den Rohstoffmärkten die Preise zusätzlich in die Höhe.
Insbesondere Menschen in Entwicklungsländern mit geringem Einkommen können sich kaum mehr das Lebensnotwendigste leisten. Muss mehr Geld für Nahrungsmittel ausgegeben werden, bleibt noch weniger für Kleidung, Gesundheit und Bildung übrig. Selbst der Weg zur Arbeit wird wegen steigender Transportkosten für viele unbezahlbar. Kleinunternehmer wie Gemüsehändler und Taxifahrer verdienen immer weniger, um sich und ihre Familien durchzubringen.
Unsere Mitarbeiter berichten zudem von unregelmäßigen Regenfällen und anhaltender Trockenheit in Ostafrika. Gerade in den Wüstenregionen stehen durch mangelnden Niederschlag die Ernten auf dem Spiel. Denn hier gibt es ohnehin kaum genug Regen für den landwirtschaftlichen Anbau. Setzt die Regenzeit aus, verdorren auf den Feldern die Erträge, und die Aussaat für die kommende Saison ist gefährdet. An anderer Stelle, wie in Uganda, geschieht hingegen das Gegenteil: Hier haben starke Regenfälle große Teile der Ernten zerstört.
Die Folgen sind weitreichend: Kleinbauern verlieren ihre gesamte Einkommensgrundlage, und das knappe Angebot erhöht die Marktpreise. In manchen ostafrikanischen Regionen sind Grundnahrungsmittel wie Mais, Reis und Maniok um mehr als das Doppelte teurer geworden. Bereits vor dem Preisanstieg gaben viele Familien einen Großteil ihres geringen Einkommens für Nahrungsmittel aus. Steigen die Preise, reicht es nicht mehr zum Sattwerden.
Die Kaufkraft der Menschen schwindet

- Burundi: Die Welthungerhilfe fördert bessere Anbaumethoden. © Haeberle
Dies bestätigt auch der UN-Informationsdienst IRIN: "Die Kosten für den Transport der Waren sind einfach zu teuer geworden. Ich musste die Preise anpassen und an die Kunden weitergeben", berichtet der Gemüsehändler Earnest Mogire. Nun kaufen nur noch wenige Kunden auf seinem Marktstand in Nakuru, Kenia, ein. Auch die Kaufkraft der Menschen in Burundi schwindet zusehends. Jamila Manirambona verkauft Fladen in Butere, einem der ärmsten Viertel der Hauptstadt Bujumbura. "Früher konnte ich leicht 150 Fladen am Tag verkaufen und bereits mittags wieder zu Hause sein. Heute laufe ich den ganzen Tag herum und schaffe kaum die Hälfte", erzählt sie IRIN, "Manche Kunden bitten mich sogar darum, ihnen Fladen auf Pump zu geben."
Die Welthungerhilfe unterstützt seit Jahren die Menschen in Ostafrika dabei, ihre Wasserversorgung und ihre Anbaumethoden den sich verändernden Wetterbedingungen anzupassen. Bauern in Kenia nutzen bereits verschiedene Methoden, um Wasser zu sammeln und zu speichern. So helfen Terassen, Regenwasser optimal für Bewässerungszwecke zu nutzen. Dämme halten das Wasser auf den Feldern, so dass es nicht zu schnell abfließt und dabei fruchtbaren Boden abschwemmt. Darüber hinaus kann die Nutzung von lokalem Saatgut, das häufig weniger anfällig für Trockenheit ist als modernes Hybrid-Saatgut, die Erträge sichern. Und nicht zuletzt lohnt sich der Anbau unterschiedlicher Gemüsearten und Getreidesorten, weil dies die Chance erhöht, zumindest von einigen Feldern etwas ernten zu können.
Doch hält die Trockenheit an und steigen die Nahrungsmittelpreise weiter, reichen die Maßnahmen der Kleinbauern nicht mehr aus. Dann wird Ostafrika wieder vom Hunger beherrscht.
Unsere Korrespondenten berichten zum Thema aus den Projekten der Welthungerhilfe.
Handbuch Welternährung:
Das "Handbuch Welternährung" liefert konkrete Daten und Fakten zu Ursachen und Folgen von Hunger und Fehlernährung.
Studie zu Nahrungsmittelpreisen (2011): Finanzmärkte als Hungerverursacher?
Themenspezial: Hunger - Das Kernthema der Welthungerhilfe
Brennpunkt 17: Nahrungsmittelpreise: Mit Vollgas in die nächste Hungerkrise?
Interview mit Prof. Klaus Töpfer: Hungerproteste werden zur Demokratiebewegung
Projekte der Welthungerhilfe
Hilfsprojekte der Welthungerhilfe
Kenia: Wasser speichern für Dürrezeiten
Burundi: Landwirtschaftliche Entwicklung fördern
