Sudan: Hilfe in schwierigen Zeiten

Hinweis: Aufgrund der aktuellen kriegerischen Auseinandersetzungen in Südkordofan müssen wir unsere Aktivitäten in der Region derzeit stark einschränken und unsere Mitarbeiter vorübergehend nach Khartum versetzen.
Im Januar 2011 fand im südlichen Landesteil des Sudans ein Referendum statt. Die große Mehrheit der Bevölkerung sprach sich für die Unabhängigkeit vom nördlichen Teil des Landes aus. Der sudanesische Staatschef Omar Hassan al-Baschir erkannte das Votum an und die Unabhängigkeit soll nach einer Übergangszeit am 9. Juli 2011 erklärt werden. Damit entsteht der jüngste Staat Afrikas.
Die Welthungerhilfe engagiert sich seit dem Jahr 2000 in der Region Süd-Kordofan, die in der einstigen Bürgerkriegsfrontlinie liegt. Dieses Gebiet ist heute Grenz- und Übergangsregion zwischen dem Nord- und Südsudan. Dadurch hat die Region zwar eine außerordentliche friedenssichernde Bedeutung, dennoch ist sie infrastrukturell stark benachteiligt. Noch gibt es keine langfristigen Planungen von staatlicher Seite, die zu einer beständigen Entwicklung des Gebietes und zu einer friedenssichernden Stabilität führen könnten.
Das Projekt in der Region Lagawa/Debab in der Provinz Süd-Kordofan knüpft an vorherige Initiativen der Welthungerhilfe an. Die Sicherung der Ernährung und des Einkommens der dort lebenden Menschen bilden die Schwerpunkte der Aktivitäten der Welthungerhilfe. So werden in der Landwirtschaft neue Techniken eingeführt, die gleichzeitig mit einer qualitativ und quantitativ gesteigerten Ernte auch eine umweltschonende Bodenbearbeitung ermöglichen. Ebenso soll die Tierhaltung - in der Region geht es vor allem um Rinderzucht - verbessert werden.

Die Pflege der Nutztiere
gehört zu den täglichen
Pflichten. © MeissnerWeil Nutztiere in dieser Region traditionell eine große Bedeutung haben, wird die Entwicklung der Veterinärmedizin gefördert. So werden 162 Veterinärassistenten weitergebildet und rund 135.000 Nutztiere geimpft. Die Qualität der Viehweiden wird durch Graseinsaat in den Korridoren der Herdenwanderungen verbessert. Neben der Rinderzucht soll auch die Ziegenhaltung gestärkt werden. So sollen 600 Ziegen und 100 nubische Ziegenböcke mit einem Training zur Ziegenhaltung an 150 Haushalte übergeben werden.
Gleichzeitig muss die Entwicklung der Gemeinden gefördert werden. Um dies zu erreichen, werden Weiterbildungen für die neuen, schon gegründeten Wasserkomitees zur Verwaltung der Wasserreservoirs angeboten. Vier weitere, neu gegründete Komitees erhalten Basistrainings. Um die Wasserversorgung für Mensch und Tier zu sichern, werden vier Brunnen mit Wasserentnahmestellen für Mensch und Tier gebaut. Dadurch ist immer genügend und sauberes Wasser für rund 20.000 Menschen vorhanden.

Das Strahlen dieser Bäuerin
zeigt: die Zukunft des
Landes wird besser. ©
MeissnerUm die Anbauvielfalt zu erhöhen, erhalten 600 Haushalte Obstbaumsetzlinge und lernen in einem Training alles über die Pflege der Bäume. Gleiches gilt für den Gemüseanbau: 250 Haushalte werden, nach Bereitstellung von Saatgut, in geschult, wie sie die Pflanzen nachhaltig und erfolgreich anbauen. Zur Erleichterung der schweren Feldarbeit werden Pflüge, die von Eseln gezogen werden, an 150 Familien übergeben. Zudem wird die Bevölkerung angeregt, Feuerschutzstreifen gegen Buschfeuer um die Dörfer herum anzulegen.
Damit sich die Bewohner der einzelnen Dörfer untereinander besser erreichen und die Bauern mit ihren Erzeugnissen andere Märkte erreichen können müssen Wege und Brücken gebaut werden. Durch diese Vorhaben werden insgesamt 98.350 Menschen in der Region Süd-Kordofan profitieren. Wichtig ist: die Beachtung der Konfliktprävention bei allen Aktivitäten, denn eine positive Entwicklung ist nur in befriedeten Gebieten möglich.
Welthunger-Index 2011: Sudan

