Fünf Jahre Krieg im Sudan - Welthungerhilfe: "Wir brauchen einen Dalai Lama für Darfur"

Mitarbeiter der Welthungerhilfe helfen den
Flüchtlingen im Sudan. © Meissner(11.04.08). Stark gestiegene Lebensmittelpreise, eine immer schlimmer werdende Sicherheitslage, politischer Stillstand, die herannahende Regenzeit – und mittendrin mehr als zwei Millionen Flüchtlinge, die von der Weltgemeinschaft alleine gelassen werden: Anlässlich des fünften Jahrestages des Kriegsbeginns weist die Welthungerhilfe erneut auf die katastrophale Lage im Darfur hin.
"Wir brauchen jetzt einen Dalai Lama für Darfur", sagt Hans-Joachim Preuß, Generalsekretär der Welthungerhilfe. "Die notleidende Bevölkerung braucht einen prominenten und versierten Fürsprecher, der sowohl im Land als auch international Gehör findet und die Weichen endlich in Richtung Frieden stellt."
Alle bisherigen Versuche, die Konfliktparteien im Land an einen Tisch zu Verhandlungen zu bekommen, sind gescheitert. Die von der UN beschlossene Stationierung der UNAMID-Truppen sollte längst begonnen haben, verzögert sich jedoch immer wieder. Auch deshalb geht der Terror gegen die Zivilbevölkerung weiter.
"Diese ständigen Verzögerungen, die Absichtserklärungen und das politische Taktieren lässt die Opfer im Stich und den Tätern freie Hand", so Preuß. Die langjährige Erfahrung des Hinhaltens auf nationaler wie auf internationaler Ebene gibt den Kampfparteien, Räubern und Krisengewinnlern das Signal, dass sie die internationalen Pläne nicht mehr ernst nehmen müssen.
"Man kann sich kaum noch vorstellen, dass die Lage noch schlimmer werden könnte", sagt Johan van der Kamp, Regionalkoordinator der Welthungerhilfe im Sudan. Aber jeden Monat, jede Woche, gebe es neue Schreckensmeldungen aus dem Westen Sudans. So seien etwa mehr als 29 sudanesische Fahrer von LKWs mit Hilfslieferungen alleine seit diesem Januar getötet oder verschleppt und 60 Lastwagen gestohlen worden.
Es werde zunehmend schwerer, die Notleidenden erreichen zu können: "Luftangriffe auf eine der Hauptversorgungsrouten, Überfälle, Diebstähle – wir müssen immer mehr Transporte verschieben." Im Mai steht nun auch eine Regenzeit in der Region bevor, die Wege unbefahrbar machen könnte. Van der Kamp befürchtet, dass bis dahin nicht genug Nahrungsmittel für die Vertriebenen ausgeliefert werden könnten.
Hans-Joachim Preuß und Johan van der Kamp stehen auf Anfrage als Interviewpartner zur Verfügung.
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Die Welthungerhilfe ist seit 1998 im Sudan in den Provinzen Nord-Darfur, West Kordofan und Unity State tätig. In Nord-Darfur versorgt sie 485.000 Menschen mit Lebensmitteln, in Unity State 185.000. Weitere Projektschwerpunkte sind Landwirtschaft, Ernährungssicherung und Trinkwasserversorgung.
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