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Südsudan: Ausnahmezustand

Leben im Ausnahmezustand

In Bentiu im Südsudan ist nichts mehr, wie es vorher war

(21.05.2014) Mitte April 2014 ereignete sich in Bentiu im Südsudan eines der schlimmsten Massaker seit Ausbruch des Bürgerkrieges. Rebellen nahmen die Stadt ein und töteten gezielt hunderte Zivilisten, weil sie einer verfeindeten Bevölkerungsgruppe angehörten. Viele Menschen haben sich vor den Ausschreitungen bei der UN-Friedensmission in Sicherheit gebracht – das Gelände außerhalb der Stadt ist für sie der einzige sichere Zufluchtsort. „Alle die sich hier aufhalten, leben zur Zeit in einer Ausnahmesituation“, sagt Welthungerhilfe-Projektleiter Jonas Wiahl.

Kinder und Welthungerhilfe-Mitarbeiter
Kinder im Flüchtlingslager: An regulären Schulunterricht ist derzeit nicht zu denken.
Verwüstetes Klassenzimmer
Verwüstetes Klassenzimmer: Rebellen machen auch vor den Schulen keinen Halt.

„Natürlich versuchen wir, unsere Arbeit fortzusetzen. Wir verteilen weiterhin Nahrung. Zusätzlich bauen wir Unterkünfte für die Verletzten“, sagt er.

„Seit dem Anschlag hat sich die Situation dramatisch verändert. Wir kommen nicht mehr in die Stadt hinein und auch nicht in andere Orte außerhalb des UN-Geländes. Wir glauben, dass die Stadt leer ist und sich die 15.000 Bewohner alle hier auf dem UN-Gelände befinden“, erzählt Jonas Wiahl, Projektleiter der Welthungerhilfe in Bentiu. Das Büro der Welthungerhilfe befindet sich zurzeit ebenfalls auf dem UN-Gelände, so dass Wiahl das Elend der Flüchtlinge stetig vor Augen hat. Auch die Flüchtlingscamps in der Umgebung sind laut Wiahl überfüllt, die Zahl der Menschen, die dort lebten, ist nach seinen Angaben von 12.000 auf 37.000 gestiegen.

Vor ein paar Wochen hatte sogar der Markt wieder geöffnet

In der Stadt Bentiu hingegen war die Lage vor dem April-Anschlag weniger gefährlich. „Für kleine Besorgungen konnten wir zu meiner Zeit problemlos in die Stadt fahren; auch der Markt hatte wieder aufgemacht. Hier konnte man zum Beispiel eine Cola kaufen“, erklärt Schuckmann-Honsel. Ein Zustand, der jetzt nicht mehr vorstellbar ist. „Viele Eltern wollen ihre Kinder in Sicherheit bringen. Sie schicken sie zu Verwandten aufs Land oder versuchen, sie in die Nachbarländer Uganda, Kenia oder Tansania zu bringen“, erzählt Schuckmann-Honsel. Viele hoffen auch, ihren Kindern so eine kontinuierliche Schulbildung zu ermöglichen. Zwar gibt es auch auf dem UN-Gelände Schule und Kindergarten, aber ein regulärer Unterricht ist derzeit nicht möglich. „Die Sicherheitslage war auch in der letzten Woche noch extrem angespannt“, sagt Projektleiter Wiahl.

Hoffnung für die Betroffenen 

„Was wird aus uns? Wie entwickelt sich unser Land? Diese Fragen bewegen die Menschen“, so Schuckmann-Honsel. Doch es gibt einen Hoffnungsschimmer: Am 9. Mai haben Präsident Salva Kiir und Rebellenführer Riek Machar einen Waffenstillstand vereinbart. Zwei Tage später wurden zwar schon die ersten Verstöße gegen das Abkommen bekannt, dennoch berichtet Wiahl von einer Verbesserung der Lage: „In Bentiu ist die Feindseligkeit auf jeden Fall weniger geworden“.

Projekt Shelterbau: In den Lagern bauen sich die Flüchtlinge ihre Unterkunft selbst.
Vor der Nahrungsmittelverteilung werden alle Flüchtlinge registriert.

Lange Fahrt macht Projektarbeit kompliziert

In der Region um Bentiu führt die Welthungerhilfe derzeit drei Nothilfe-Projekte durch. In mehreren Flüchtlingscamps wird Nahrung verteilt und der Bau von Unterkünften geplant, die die Betroffenen in der Regel dann selbst errichten. Ein weiteres Nothilfe-Projekt läuft im vier Stunden entfernten Mayom. Dort koordiniert die Welthungerhilfe Aktivitäten verschiedener Nichtregierungsorganisationen, die in der Stadt aktiv sind. Nothelferin Sandra Schuckmann-Honsel hat  Projektleiter Wiahl bis Mitte April für sechs Wochen vertreten. Schon vor dem Anschlag  war es kompliziert, in der Region um Mayom zu arbeiten. „Um uns auf der langen Fahrt nach Mayom vor möglichen Gefahren zu schützen, mussten wir im Konvoi fahren. Voraus fuhr eine Gruppe des nepalesischen Bataillons von Blauhelmen, die UN-Polizei und der Minenräumdienst. Gefolgt vom Auto der Welthungerhilfe und anderen internationalen UN-Organisationen, wie unser Partner ‚World Food Programme‘. Insgesamt gehörten 60-70 internationale Helfer zu meinem Team“, erzählt sie.

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