Tadschikistan erholt sich langsam, aber spürbar
Von Stefanie Koop
Frauen in Tadschikistan in ihrer traditionellen Tracht. © Koop
Mit ganzer Kraft bemüht sich Tadschikistan um wirtschaftlichen Aufschwung. Doch Erfolge werden in der Weltöffentlichkeit kaum wahrgenommen. Dabei stehen die Zeichen auf Fortschritt. Langsam zwar und weiterhin auf äußere Unterstützung angewiesen, stabilisiert sich das Land und erholt sich von den Folgen eines fünfjährigen Bürgerkrieges sowie den noch immer spürbaren Auswirkungen des Zusammenbruchs der Sowjetunion.

Feldarbeiter. © KoopSelbsthilfe für mehr Unabhängigkeit
Die Deutsche Welthungerhilfe ist seit 1994 in Tadschikistan tätig. Dort stärkt sie insbesondere Selbsthilfe der Bevölkerung, vor allem im landwirtschaftlichen Bereich. Mit dem Ende der früheren Kolchosen, in denen die landwirtschaftliche Produktion gemeinschaftlich organisiert war, entstanden private Kleinbetriebe.
Den Bauern, die danach völlig auf sich selbst gestellt waren, fehlte es neben Betriebsmitteln auch an der nötigen Kenntnis und Erfahrung. Sie werden von der Welthungerhilfe mit hochwertigem Saatgut, landwirtschaftlichen Werkzeugen sowie Beratung in verbesserter Viehhaltung, in Lagerung und Vermarktung unterstützt. Mit neuen Bewässerungssystemen konnten zudem zusätzliche Anbauflächen gewonnen werden.

Frühstück im Kindergarten.
© KoopDamit die Kinder satt werden
Darüber hinaus erhalten Familien alternative Möglichkeiten zur Finanzierung. In Khujand, im Norden des Landes, ermöglichen beispielsweise ein Kleinkredit und einige Säcke Mehls den Betrieb einer kleinen Bäckerei. Wenige Kilometer weiter unterstützt die Welthungerhilfe eine Käsefabrik. Dort stellte sie Farbe für die Produktionsräume und Milch für den ersten Monat zur Verfügung. Jetzt arbeiten hier acht Männer und Frauen, pro Tag produzieren sie 150 Kilogramm Käse, dazu Butter und Joghurt.
Aus allen Projekten fließt ein Teil des Erwirtschafteten in die Schul- und Kindergartenspeisung, sei es ein Korb mit Gemüse aus der Ernte von bereitgestelltem Saatgut oder Käse, Butter und Joghurt aus der Käsefabrik. So versorgt die Welthungerhilfe in der Umgebung von Khujand 4.300 Kinder mit zwei Mahlzeiten am Tag. Im Kindergarten "Khalikovna" beispielsweise erhalten über 280 Jungen und Mädchen zum Frühstück Brot und Tee sowie ein warmes Mittagessen.

Übung zur Vorsorge von
Katastrophen. © KoopDamit Katastrophen nicht noch schlimmer werden
Einen weiteren Schwerpunkt setzt die Welthungerhilfe in Tadschikistan auf die Katastrophenvorsorge. Erdrutsche, Schlammlawinen oder Überschwemmungen richten jährlich Schäden in Millionenhöhe an und bringen die bereits jetzt unterhalb der Armutsgrenze lebende Bevölkerung in noch extremere Notlagen. Sie verlieren ihre Häuser und ihr Ackerland, häufig werden zudem Bewässerungs- oder Trinkwassersysteme zerstört.
Neben baulichen Maßnahmen wie Brücken oder Schutzwällen hat die Welthungerhilfe Funkstationen zur Frühwarnung errichtet. Mit einfachen technischen Mitteln können sich die Bewohner von Dorf zu Dorf über nahende Gefahren oder Notlagen informieren. Im Katastrophenfall sind nun zu Rettungsbrigaden ausgebildete Dorfbewohner in der Lage, verschüttete Menschen zu bergen oder erste medizinische Hilfe zu leisten. Um Hangrutsche oder Schlammlawinen zu verhindern wurden beispielsweise Pappeln angepflanzt, die unterirdisch dem Boden einen Teil der Wassermengen entziehen.
Stefanie Koop ist Mitarbeiterin der Welthungerhilfe. Im Oktober 2006 besuchte sie die Projektgebiete der Hilfsorganisation in Tadschikistan.
(Stand: November 2006)
