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Tadschikistan - Bessere Ernteerträge im kargen Bergland

Honig und mehr Ernten in Tadschikistan

Dank der Initiative Millenniumsdörfer erzielen Bauern in Veshab höhere Einkommen

Veshab im Hochgebirge Tadschikistans.
Das Dorf Veshab liegt abgelegen im Hochgebirge Tadschikistans. Das Leben hier ist hart.
Honig aus Veshab.
Mit der Initiative "Millenniumsdörfer" ist die Honigproduktion nach Veshab gekommen. Der Honig wird in Hotels in Duschanbe verkauft.
Der Imker Mirzo Hikmatov.
"Die Bienen sind Teil meiner Familie geworden“, sagt Imker Mirzo Hikmatov.
Husein Sultonov, Vorsitzender der lokalen Entwicklungsorganisation POZ.
Husein Sultonov, Vorsitzender der lokalen Entwicklungsorganisation POZ, freut sich, dass inzwischen mehr Besucher in sein Dorf kommen.
Junges Mädchen auf einem Feld in Tadschikistan.
Überschüsse an Obst und Gemüse werden zu guten Preisen auf den Märkten verkauft. © Koop

Schmackhafter Honig, verschiedenstes Obst und Gemüse vom Feld und eine Organisation, die die Geschicke des Dorfes zuverlässig lenkt – mit dieser Bilanz verabschiedet sich Veshab in Tadschikistan im nächsten Jahr aus der Initiative „Millenniumsdörfer“. 2006 wurde es von der Welthungerhilfe als Millenniumsdorf ausgewählt, Ende 2015 läuft die Partnerschaft im Rahmen der UN Millenniumsziele aus.  

In den warmen Monaten herrscht Hochbetrieb im Bergdorf Veshab. Bauern ernten Kartoffeln, Äpfel, Aprikosen und Walnüsse. Auf Solargestellen reihen sie Obst zum Trocknen auf. Weitere Früchte werden zu Saft verarbeitet oder eingekocht. Imker widmen sich der Honigproduktion.

Arme Familien sollen mehr Geld verdienen

Etwa 34 Familien leben heute von der Honigproduktion und der Obsttrocknung. Die Geschäftsmodelle kamen im Jahr 2006 mit der Millenniumsdorfinitiative der Welthungerhilfe nach Veshab. Die Welthungerhilfe und die Dorfbewohner hatten sich ein gemeinsames Ziel gesetzt: Arme Familien sollten durch den Verkauf landwirtschaftlicher Produkte und durch die Bienenhaltung mehr Geld verdienen.

Denn das Leben in Veshab, das im Hochgebirge im Norden Tadschikistans liegt, ist hart. Mit Erträgen aus Hausgärten und kleinen Feldern müssen die Menschen das ganze Jahr durchkommen. Und das, obwohl die landwirtschaftlichen Nutzflächen im 2.000 Einwohner-Dorf extrem knapp und die Winter kalt und lang sind… Doch neue Methoden zur Konservierung von Obst und Gemüse und die Einkommensquelle Honig ermöglichen den Menschen nun ein besseres Leben.

Video: "Der Herr der Bienen" - Honig aus Tadschikistan

„Ich hatte Angst vor den Bienen“

„Ich habe erstmals in meinem Leben ein erstzunehmendes Einkommen“, sagt der Imker und Obstbauer Mirzo Hikmatov. Zu Beginn des Projektes vertraute ihm die Welthungerhilfe 15 Bienenvölker an. Wenn er an seine erste Zeit mit den Insekten zurück denkt, schmunzelt er. Imkerei war für ihn eine echte Herausforderung, er kannte das Geschäft lediglich aus Nachbardörfern. „Ich hatte Angst vor den Bienen und habe mich ihnen immer nur mit Schutzkleidung genähert“, erinnert er sich. In Schulungen der Welthungerhilfe hat er gelernt, wie man mit ihnen umgeht und Honig produziert.

„Die Bienen sind Teil meiner Familie geworden – ich traue mich inzwischen auch ohne Schutzanzug hin“, sagt Mirzo. Geerntet wird zweimal jährlich, zuletzt erntete er zehn Kilogramm Honig pro Bienenvolk. Den Honig verkauft er an bekannte Hotels in der Hauptstadt Duschanbe. Für ein Kilo Honig bekommt er umgerechnet zehn Euro. Mit den Einnahmen kommt er besser über den kalten Bergdorfwinter.

Das Geheimrezept: Selbst anpacken und stetig dazu lernen

Mirzo und die anderen Dorfbewohner haben während des Projektes Millenniumsdorf wertvolle Erfahrungen gesammelt: Wenn sie selbst mit anpacken, sich stetig weiterbilden und dazu lernen, können sie ihre Lebensbedingungen eigenständig verbessern. Mit anderen Imkern beispielsweise tauschte Mirzo Tipps bei der Bienenhaltung aus, in landwirtschaftlichen Schulungen diskutierten die Bauern über diverse neue Techniken, etwa wie sie Obstbäume so geschickt beschneiden, dass die Ernte gesteigert wird. Mit der Trocknung haben sie wiederum eine Methode gelernt, mit der sie Obst länger haltbar machen können. Die Familien haben nun mehr Nahrung bis zur nächsten Ernte. Ihre Überschüsse verkaufen sie das ganze Jahr zu guten Preisen.

„Dank unserer Arbeit kommen mehr Besucher in unser Dorf und bringen weitere Entwicklung. Ich lerne von ihnen“, sagt der Vorsitzende der lokalen Entwicklungsorganisation Husein Sultonov. Der Agraringenieur ist einer von 42 Personen, die im Jahr 2012 die lokale Organisation Public Organization Zarafshon (POZ) gegründet haben. Unter ihrem Dach verfolgen die Bewohner Veshabs, wie die Projekte der Gemeinschaft vorangehen und sie beraten und unterstützen sich gegenseitig.

Lokale Organisation vermarket Produkte der Bauern und Imker

Die Organisation beschäftigt sich unter anderem mit der Vermarktung der lokalen Produkte Honig, Trockenobst und Kartoffeln. Die Welthungerhilfe wird die POZ noch bis zum Projektende Ende 2017 in ihrer Rolle als lokale Entwicklungsorganisation stärken. Danach wird die Verantwortung für die Projekte nach und nach an die Bewohner Veshabs übergeben.   

Menschen aus der Armut zu befreien – zu diesem ehrgeigen Ziele verpflichteten sich im Jahr 2000 weltweit 189 Staaten, indem sie die Millenniumserklärung der Vereinten Nationen unterschrieben. Sie einigten sich auf acht Ziele – die Millenniumsziele, die bis 2015 für mehr Nachhaltigkeit und globale Gerechtigkeit sorgen sollen. Auch die Welthungerhilfe hat sich der Herausforderung gestellt. Sie startete die Initiative Millenniumsdörfer. In ausgewählten Dörfern hat sich die Welthungerhilfe mit den Bewohnern dafür eingesetzt, dass sie aus eigener Kraft ihre Lebensbedingungen langfristig verbessern.

Video: Leben im Millenniumsdorf Veshab