Veshab in Tadschikistan: Bauern erzielen höhere Einkommen

Mit der Bewässerung der Felder kamen die Erträge. © Ohlenbostel
Mit der Bewässerung der Felder kamen die Erträge. © Ohlenbostel

Schon zu Zeiten der ehemaligen Sowjetunion war Tadschikistan arm, doch nach dem Zusammenbruch der Staatengemeinschaft und einem Bürgerkrieg verschlechterte sich die wirtschaftliche Situation dramatisch. Die Rahmenbedingungen dort sind schlecht: rund zwei Drittel des Landes liegen im Hochgebirge und so sind landwirtschaftliche Nutzflächen äußerst knapp. Über 80 Prozent der Menschen verfügen über weniger als einen Dollar pro Tag, um sich zu versorgen. Rund 30 Prozent der Kinder unter sechs Jahren leiden an Mangelernährung.

 

Im Hochgebirgsdorf Veshab ist die Situation noch schlechter, denn das Dorf liegt weit abgelegen im Norden des Landes. Die politischen Veränderungen verschärften die Lebensbedingungen der rund 1.900 Einwohner. Ihnen fehlte es an landwirtschaftlichem und technischem Wissen. Der Ertrag aus den Hausgärten und kleinen Feldern ist dort die einzige Existenzgrundlage. Die Welthungerhilfe hat Veshab deshalb als eines ihrer Millenniumsdörfer ausgewählt.

 

Standortgerechte Anbaumethoden erhöhen den Ertrag

Ohne Bewässerung gedeiht nur wenig im Hochgebirge. So hat die Welthungerhilfe gemeinsam mit den Dorfbewohnern ein marodes Bewässerungssystem instand gesetzt und ausgebaut. Jetzt können auf den Bergplateaus Getreide, Gemüse und Kartoffeln geerntet werden. Dank einer sparsamen Tropfen-Bewässerung können die Bauern ihre Felder nun ganzjährig bewirtschaften und durch angepasstes Saatgut mehr und bessere Erträge erzielen.

Die Bienenzucht bietet eine neue Einkommensmöglichkeit.
Die Bienenzucht bietet eine neue Einkommensmöglichkeit.

In regelmäßigen Trainings auf Demonstrationsfeldern erlernen sie - in neu gegründeten Selbsthilfegruppen - standortgerechte Anbaumethoden und Wichtiges über Kompostierung und Pflanzenschutz. Terrassen und andere Hangbefestigungen beugen Bodenerosion vor. Auch wurden neue Obstbäume gepflanzt und veredelt. Seit das Obst durch Solartrockner getrocknet wird, auch eingekocht oder zu Saft verarbeitet länger haltbar ist, haben die Familien mehr Nahrung bis zur nächsten Ernte. Zudem können sie ihre Überschüsse das ganze Jahr hindurch zu guten Preisen verkaufen.

 

Ein völlig neues Standbein stellt für einige Bauern die Honigproduktion dar. Honig ist in Tadschikistan ein vergleichsweise teures Nahrungsmittel: Ein Kilo kostet umgerechnet fünf Euro – dafür kann eine Familie einen halben Monat Brot kaufen.

 

Der Fortschritt in Veshab zeigt sich auch im Gesundheitsbereich: Durch den Bau einer Pipeline haben alle Dorfbewohner Zugang zu sauberem Trinkwasser. Die Zahl schwerer Durchfallerkrankungen hat sich merklich verringert. Hygieneschulungen, in denen einfache Maßnahmen wie das Abkochen von Wasser vermittelt werden, stabilisieren diesen Erfolg. Zur Verbesserung der Situation trägt ebenso ein neuer Gesundheitsposten bei. Jetzt sparen die Dorfbewohner, um sich gemeinsam einen Krankenwagen leisten zu können. Besonders wichtig ist dieser Gemeinschaftsgedanke auch, um Rechte beim Staat einzufordern. Hier unterstützt die Welthungerhilfe den Aufbau funktionsfähiger Dorfstrukturen.

 

Sie betreibt jetzt einen kleinen Laden. © Bronkal
Sie betreibt jetzt einen kleinen Laden. © Bronkal

Frauen und Mädchen stärken

Viele Männer verlassen Veshab, um als Wanderarbeiter ins Ausland zu gehen. Deshalb müssen Frauen und Mädchen die schwere Feld- und Hausarbeit absolvieren. Mit Unterstützung der Welthungerhilfe soll diese Belastung weniger werden: Kredite sorgen für neue Erwerbsmöglichkeiten wie beispielsweise kleine Gewerbe. Damit können die Frauen zum Familieneinkommen beitragen, während die Männer wieder die Feldarbeit übernehmen.

Es wird noch einige Zeit dauern, bis sich die Neuerungen in Veshab durchsetzen und alle davon profitieren. Doch der Fortschritt ist sichtbar, sogar über das Dorf hinaus. Jüngst wurde ein neuer Ortsteil gegründet: In Dashti Syari entstehen Häuser mit Küchengärten und einem weitreichenden Trinkwassersystem, das von einer Quelle oberhalb des Dorfes gespeist wird. Erste energiesparende Öfen, mit denen der Holzverbrauch zurückgeht, sind im Einsatz. Auch wenn in Veshab noch viel getan werden muss, blicken die Dorfbewohner viel zuversichtlicher in die Zukunft.

Letzte Änderung an dieser Seite: 22.02.2012
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