Filmvorführung "Taste the Waste" - Zu viele Lebensmittel landen in der Tonne

- "Der Überfluss wird zum Problem, wenn er Dritten schadet", so Wolfgang Jamann nach der Filmvorführung.
Mehr als die Hälfte unserer Lebensmittel landen im Müll, sagen die Macher des Films "Taste the Waste". Gleichzeitig leiden etwa eine Milliarde Menschen täglich an Hunger. Der Film stellt in eindrucksvollen Bildern die Verschwendung und den Überfluss der Industriestaaten dem Mangel und Hunger in armen Ländern gegenüber. Am Samstag sind 150 Zuschauer der Einladung der Welthungerhilfe und ihrer Partner zur Filmvorführung im Rahmen der Berlinale gefolgt.
Steigende Nahrungsmittelpreise zu Lasten der Armen
Bei der anschließenden Podiumsdiskussion diskutierten die Vertreter der Organisationen über die Möglichkeiten jedes Einzelnen, durch bewusste Kauf- und Konsumentscheidungen die Lebensmittelverschwendung zu reduzieren, und somit ihre Auswirkungen für Mensch und Umwelt in ärmeren Ländern zu verringern.
Es gehe dabei nicht darum, zu moralisieren, so Wolfgang Jamann, Generalsekretär der Welthungerhilfe, "der Überfluss wird aber zum Problem, wenn er Dritten schadet". Und das tue er momentan, in dem er zu gesteigerten Nahrungsmittelpreisen führt und die zunehmend prekäre Ressourcensituation in Entwicklungsländern belastet. So nutze allein die Europäische Union 35 Millionen Hektar außerhalb ihrer Grenzen als Anbaufläche, um den steigenden Bedarf an Essen zu decken, sagt Jamann. Das gehe eindeutig zu Lasten der Ernährungslandwirtschaft in den Entwicklungsländern. Stig Tanzmann vom Evangelischen Entwicklungsdienst unterstrich diese Äußerung, forderte einen "politischen Konsumenten, der in die Verantwortung geht", und verlangte, den Bürger in Entscheidungen der EU-Agrarpolitik mehr einzubeziehen.

- 150 geladenen Zuschauer sahen den Film im Eiszeit-Kino Berlin. ©Greenpeace
"Der Verbraucher hat mehr Macht, als wir alle denken"
Essen sei definitiv "politisches Handeln", meinte auch die Vertreterin der Slowfood-Bewegung, Ursula Hudson. Laura Gross von der Verbraucher Initiative fügte hinzu, man müsse dem Verbraucher nur die notwendigen Handlungshilfen an die Hand geben und noch stärker und bessere Aufklärung leisten. Wenn man sinnvoll und sorgfältig einkauft, könnte Lebensmittelmüll reduziert werden. "Bisher werfen wir durchschnittlich jedes Jahr einen Monatseinkauf, rund 400 Euro an Lebensmitteln weg", so Gross.
"Der Verbraucher hat mehr Macht, als wir alle denken", meint auch Roland Schüren, Bäcker und Protagonist des Films. Wolfgang Jamann verdeutlichte die Entscheidungsmöglichkeiten des Einzelnen, wenn er einen Supermarkt betritt: "Bei den vielen hunderten Entscheidungen, die der Einzelne treffen muss, sollte er durch aus auf Kennzeichnungen wie das Bio oder Fairtrade-Siegel zurückgreifen."
Dass der Einzelne etwas tun kann, und dass die Politik nicht aus der Verantwortung entlassen werden darf, darüber waren sich alle Podiumsteilnehmer einig.
Filmvorführung "Taste the Waste"
Am 19.2. luden die Welthungerhilfe, Thurnfilm, W-Film, Greenpeace Deutschland, Berliner Tafel, Evangelischer Entwicklungsdienst, Prinzessinnengärten, Slow Food Deutschland und der Deutsche Naturschutzring zur Vorführung des Films "Taste the Waste" im Rahmen der Berlinale ins Eiszeit-Kino in Berlin ein.
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