Lebensmittelverschwendung

Verschwendung: Vom Feld in die Mülltonne?

Vom arglosen Wegwerfen, dem Mindesthaltbarkeitsdatum und den Schultern, auf denen unser Luxus lastet

1,3 Milliarden Tonnen Nahrungsmittel landen Jahr für Jahr auf dem Müll – das ist ein Drittel aller weltweit produzierten Lebensmittel. Ein Skandal angesichts der Tatsache, dass weltweit 795 Millionen Menschen hungern. Die gute Nachricht: Den größten Anteil an der Verschwendung bei uns in Deutschland trägt der Endverbraucher - jeder einzelne von uns hat die Macht, die Welt ein kleines bisschen zum Guten zu ändern!

Zuerst jedoch ein Blick auf die Industrie: Lebensmittel werden bei der Herstellung oder beim Transport beschädigt und dann entsorgt. Sie verderben in Lagerhallen und Supermärkten oder werden erst gar nicht zum Verkauf angeboten, weil sie optische Standards nicht erfüllen - der Abfallberg ist riesig!

Verluste und Hunger im Süden - Wegwerfgesellschaft im Norden

Während Lebensmittel in Entwicklungsländern oft wegen schlechter Lagerhaltung, Schädlingsbefall oder Fäulnisbakterien verderben, gehen sie in industrialisierten Ländern eher beim Endverbraucher verloren: In Europa und Nordamerika landen im Jahr rund 222 Millionen Tonnen Nahrungsmittel auf dem Müll – das ist fast so viel, wie in ganz Sub-Sahara Afrika produziert wird.

Wenn wir unseren Einkaufswagen füllen, machen wir uns nur selten Gedanken darüber, wie viel Arbeit in jedem einzelnen Produkt steckt und was es für einen langen Weg hinter sich hat. Haben wir uns in der Menge verschätzt oder gerade Appetit auf etwas anderes schmeißen wir Nahrungsmittel sorglos in den Müll: Willkommen in der Wegwerfgesellschaft! Was wir dabei vergessen sind die Ressourcen, die zuvor in die Herstellung des Produktes gesteckt wurden: Für alle Lebensmittel, die ein Mensch pro Jahr in Deutschland kauft, werden circa 84 Badewannenfüllungen Wasser verbraucht und eine Fläche so groß wie ein halbes Fußballfeld in Anspruch genommen.

18 Millionen Tonnen Lebensmittel gehen allein in Deutschland jährlich verloren – betrachtet man die gesamte Wertschöpfungskette vom Acker bis zum Teller. Das sind pro Einwohner in Deutschland rund 82 Kilo weggeworfenes Essen. Mehr als die Hälfte könnte gerettet werden: Lebensmittelverschwendung ist zu einem großen Maß vermeidbar, erfordert aber aktives Handeln auf verschiedenen Ebenen.

Verschwendung beim Endverbraucher: Die wahre Bedeutung des Mindesthaltbarkeitsdatums

Wir als Konsumenten sind jedes Jahr für 7,23 Tonnen, d.h. 39 Prozent der Lebensmittelabfälle in Deutschland verantwortlich. „All you can eat“-Angebote, Großpackungen oder Mengenrabatt-Aktionen im Supermarkt verlocken uns zum Kauf. Das Resultat: Täglich landen enorme Mengen an Lebensmitteln in der Tonne weil das aufgedruckte Datum erreicht ist.

Was viele nicht wissen: Das Mindesthaltbarkeitsdatum ist kein Verfallsdatum! Es ist ein Gütesiegel und sagt nur aus, wie lange ein Lebensmittel bei richtiger Lagerung seine Farbe, seinen Geruch, Konsistenz und Geschmack behält – nicht, wann es verdorben ist.

Kontakt
Katja Homscheid

Katja Homscheid

Referentin

+49 228-2288 565

Verschwendung ist Müll: Weitere Informationen

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Das große Wegschmeißen
Studie von WWF

10 Ideen gegen Lebensmittelverschwendung
Jeder kann etwas tun!

Hier geht tonnenweise genusstaugliche Nahrung verloren!

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Verluste bei Ernte und Weiterverarbeitung

Bei Ernte, Nachernte, Transport und Weiterverarbeitung werden in Deutschland ca. 5,18 Tonnen Lebensmittel im Jahr weggeschmissen. Trotz aktueller Technologien lässt sich dies leider kaum vermeiden: Maschinen und Schädlinge können Lebensmittel zerstören, aber auch beim Kühlen, Kochen und Säubern fallen Abfälle an. Auch der Verschnitt lässt sich zurzeit technisch noch nicht optimal beeinflussen.

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Normen und Standards: Eine große Herausforderung

Ein Teil der Ernte verlässt den Acker erst gar nicht – auch wenn die Ernteprodukte essbar sind. Das liegt an optischen Standards der Lebensmittelindustrie. Nicht perfekt aussehende Produkte wie zum Beispiel zu kleine oder schrumpelige Kartoffeln verlieren bis zu zwei Drittel ihres Werts. Für den Landwirt ist es oft schlichtweg billiger, sie auf dem Feld verrotten zu lassen.

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Lebensmittel wegwerfen im Supermarkt – das muss nicht sein!

Zwischen Regalen und Kühltruhen entstehen zwar nur 14 Prozent aller Lebensmittelverluste - dennoch muss man die Verschwendung auf Großmärkten, im Einzelhandel und im Supermarkt sehr kritisch betrachten. Jedes Jahr werden hier tonnweise Lebensmittel aufgrund von Marketingstrategien und Erwartungen der Konsumenten an Frische und Haltbarkeit weggeworfen. Besonders alarmierend: Experten gehen davon aus, dass die Verluste in diesem Sektor fast vollständig vermieden werden könnten! (Foto: © Robert Kneschke/Fotolia)

Lebensmittelverschwendung Grafik

Großes Rettungspotenzial: Restaurants, Kantinen und Fastfood-Ketten

Großverbraucher tragen mit 19 Prozent zur Lebensmittelverschwendung in Deutschland bei. Pro Jahr werden pro Kopf im Durchschnitt 53,3 Kilogramm Nahrung bereitgestellt – davon landet fast die Hälfte vorzeitig im Abfall. Da sich die Anzahl der Kunden im Vorfeld nicht immer abschätzen lässt, ist dies nicht komplett vermeidbar - mit besserer Planung, Standards und Kontrollen könnten Großverbraucher die Verschwendung jedoch enorm verringern. (Quelle: WWF Studie 2015).

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Die Folgen unserer Lebensmittelverschwendung

Die massive Lebensmittelverschwendung beeinflusst die Umwelt und die Menschen in anderen Teilen der Welt enorm. Neben der Verstärkung des Klimawandels trägt das arglose Wegwerfen dazu bei, dass Menschen in Entwicklungsländern ihre Lebensgrundlage verlieren.

  • Nutzlose Belastung von Klima und landwirtschaftlicher Fläche:
    Die Menge der Lebensmittel, die in Deutschland in der Tonne landet und vermeidbar wäre lässt 22 Millionen Tonnen Treibhausgas entstehen: Der Klimawandel wird unnötig verstärkt. Unmittelbare Folgen wie Dürrekatastrophen und Überschwemmungen treffen vor allem die Bauern in Entwicklungsländern.

  • Großplantagen vertreiben Kleinbauern in Entwicklungsländern:
    Doch damit nicht genug. In Deutschland konsumieren wir heute weit mehr Lebensmittel, als wir selbst anbauen. Zwei Drittel der Ackerflächen, die für die Ernährung der deutschen Gesamtbevölkerung benötigt werden, liegen derzeit im Ausland. Was als positiver Effekt für Entwicklungsländer aufgefasst werden kann, hat bei genauerer Betrachtung keinen Bestand: Statt vom Verkauf ihrer Produkte zu profitieren, erhalten vor allem Kleinbauern häufig nur geringe Preise oder werden sogar von ihrem Land verdrängt, weil es in industriell genutzte Plantagen umgewandelt wird.

Stoppt die Verschwendung - jeder Einzelne kann etwas tun!

Wenn wir die natürlichen Grenzen unseres Planeten und das Recht auf Nahrung für alle Menschen ernst nehmen, müssen wir auf allen Ebenen unseren Umgang mit Lebensmitteln überdenken. Die Bundesregierung will bis 2020 die Verschwendung von Lebensmitteln in Deutschland halbieren. Ein ambitioniertes Ziel, welches Reformen, Überarbeitung von Standards und Gesetzgebungen nach sich zieht; beispielsweise hinsichtlich des Mindesthaltbarkeitsdatums und der Dokumentationspflicht über Abfallmengen in allen Lebensmittel-Branchen. Mehr Informationen und Handlungsempfehlungen für Politik und Unternehmen finden Sie in unserem Brennpunkt.

Dass wir in den Industrie- und Schwellenländern billige Nahrungsmittel im großen Stil konsumieren und dazu auf Ressourcen aus Ländern zurückgreifen, in denen Menschen in Armut und Hunger leben, ist aus moralischer Sicht bereits fragwürdig. Dass wir diese Lebensmittel dann auch noch in großem Maße verschwenden, ist ein Skandal! Jeder kann etwas tun und aktiv Lebensmittelverschwendung stoppen. Die Welt produziert genügend Nahrungsmittel. Es reicht! Für alle. Mit Ihrer Hilfe.

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